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Erinnerungen aus Frauengefängnis

KZ-Gedenkstätte Erinnerungen aus Frauengefängnis

„Frauengefängnis“ – Gabriele Herz traute ihren Augen nicht, als sie die Aufschrift auf dem großen schwarzen Tor las, durch das sie gleich hindurchgehen sollte. Im Sommer 1936 wurde die Jüdin verhaftet. In Italien hatte sie sich über die Bedingungen für eine Emigration informiert. Als sie danach zu ihrem kranken Mann Emil Herz nach Deutschland zurückkehrte, galt sie gemäß der neuen Gesetzgebung als „Remigrantin“ und wurde zur Schulungshaft verurteilt. 

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Erinnerungen ans Frauenlager: Gabriele Herz.

Quelle: EF

In „Das Frauenlager von Moringen“ hat Herz ihre Erinnerungen festgehalten. Im Vorwärts Buchverlag Berlin mit Programmleiter Klaus Wettig hat Jane Caplan sie herausgegeben.  Genau beschreibt Herz ihre neue Welt ohne persönliche Rechte. Die Frau aus gehobenen Kreisen muss sich zurechtfinden in der Häftlingsgesellschaft mit politischen Gefangenen, Prostituierten, Zeuginnen Jehovas, Kommunistinnen, Jüdinnen und sogenannten „Rasseschänderinnen“. Auch in ihrer Not gelingt es ihr, die anderen Frauen als Menschen wahrzunehmen, als „Mutter Herz“ für anderer Nöte da zu sein.

Nach ihrer Entlassung im März 1937 gelingt der Familie die Emigration in die USA. Bereits 1938, auf einer Station der Flucht im schweizerischen Lugano, beginnt Gabriele Herz, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. 1941 setzt sie die Arbeit mit Hilfe ihres Mannes fort, der in Deutschland als Leiter des Ullstein-Buchverlags gearbeitet hatte. Ein Jahr später ist sie fertig. Veröffentlicht wird der Erfahrungsbericht erst nach dem Tod von Emil Herz. Gabriele Herz starb bereits 1957 im Alter von 71 Jahren. Ihre Aufzeichnungen werden ins Englische übersetzt, damit die Enkelkinder sie lesen können. 

„Große Bedeutung“

1999 reisen einige Mitglieder der Familie auf den Spuren von Gabriele Herz nach Deutschland. Bei diesem Besuch habe die Gedenkstätte erstmals von Herz’ Bericht erfahren, sagt der Moringer Gedenkstättenleiter, Dietmar Sedlaczek. „Für uns hat das Buch eine sehr große Bedeutung.“ Herz’ Erinnerungen seien für das Frauen-KZ die einzige Quelle in diesem Umfang. Sie gäben ein Bild der ersten Stufe der nationalsozialistischen Verfolgung wider. 

Vor drei Jahren ist das Buch in Amerika erschienen. Auch durch Unterstützung durch die Kreissparkasse Northeim liegt es nun in seiner ursprünglichen Fassung auf Deutsch vor. Interessierte Schulen können bei der Gedenkstätte in Moringen einen Klassensatz des Buches ausleihen

Gabriele Herz, Das Frauenlager von Moringen, 272 Seiten, Vorwärts Buchverlag Berlin. ISBN 978-3-86602-370-3. 19,95 Euro.

                                                                                         Von Ute Lawrenz

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