Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Sprühregen

Navigation:
Trommeln, Tanz und Freudentriller

Eritreisches Kulturfest in Göttingen Trommeln, Tanz und Freudentriller

Musik, Vorträge und ein Gottesdienst, der der ganze Nacht durch bis morgens um 8 Uhr dauerte: Das bot ein eritreisches Kulturfest, das am Sonnabend und Sonntag in Geismar stattgefunden hat. 400 junge Flüchtlinge aus verschiedenen Teilen Deutschlands feierten in der IGS-Sporthalle und in einer Kirche.

Voriger Artikel
Birgit Grube ist Volkskönigin
Nächster Artikel
Tausende bilden Spalier für Schützen

Göttingen. Die ganze Nacht über hatten sie in der überfüllten katholischen Kirche Maria Frieden gebetet und gesungen. Zahlreiche Priester und Diakone waren angereist. Pfarrer Aron Kifle aus Frankfurt, der das Amt des im Frühjahr gestorbenen Bischofs für die 35000 orthodoxen eritreischen Christen in Deutschland kommissarisch ausübt, leitete den Gottesdienst. 17 Kinder wurden getauft, zwei Hochzeiten geschlossen.

Zum Frühstück gingen die größtenteils in weiße Gewänder gehüllten Afrikaner in die zehn Minuten entfernte Sporthalle der Integrierten Gesamtschule. In der Halle, die mit bunten Luftballons, Girlanden und Engel- und Gottesmutter-Bildern geschmückt war, hatte es bereits am Sonnabend Programm gegeben. Nun bekamen die jungen Menschen Teigfladen, Indschera genannt, gereicht. Dazu gab es den scharfen Eintopf Zigne und Salat. Die Flüchtlinge aßen mit den Fingern, benutzten die Teigfladen geschickt als Löffel.

Ein Chor sang religöse Lieder. Mit großen Trommeln wurde dazu der Takt geschlagen. Die Priester und Diakone tanzten im Kreis vor und zurück, gingen in die Knie und richteten sich wieder auf, ermunterten das Publikum zum Mitmachen. Die Männer und Frauen in der Halle standen in zwei Blöcken getrennt voneinander. Begeistert klatschten sie mit, wogen sich zur Musik und stießen Freudentriller aus. Dazwischen wuselten viele Kinder herum.

„Schlimme Dinge“, so Pfarrer Kifle, hätten die jungen Menschen erlebt. Viele der Männer seien vor dem Militärdienst geflohen. Eritrea führe seit Jahren Krieg um ein Stück Land, das beide Staaten beanspruchten. Zudem sei die wirtschaftliche Lage nicht gut. Während der monatelangen Flucht, die durch die Wüste führe, komme es oft zu Übergriffen. Menschen verdursteten. In Libyen kämen viele ins Gefängnis. Bei der Überquerung des Mittelmeers ertränken dann tausende.

„Wir gedenken während der Gottesdienste der Toten“, erklärte Georg König vom Caritas-Forum aus Bad Arolsen. Er hatte das Fest gemeinsam mit den etwa 100 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ausgerichtet, die von der Jugendhilfe Südniedersachsen betreut werden. „Um die ersten kümmerten wir uns Ende 2011“, sagte die zuständige Mitarbeiterin Anke Metzner. Seit Sommer 2015 sei die Zahl stark gestiegen.

Pfarrer Kifle schätzt, dass die Zahl der Eritreer in Deutschland in den vergangenen Jahren von 40000 auf 70000 Menschen, die Hälfte davon Christen, gestiegen sei. „Die jungen Flüchtlinge sind sehr ehrgeizig“, sagt Metzner. Die meisten kämen in der Schule gut mit. Die ersten seien in Ausbildung. „Ich beginne im August eine Ausbildung zur Altenpflegeassistentin“, berichtete Yorda Dawit. Bisher habe sie in einer Gastfamilie gelebt. Nun wohne sie mit Deutschen in einer Studenten-WG.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 9. bis 15. September 2017