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Erstaufführung des Dokumentarfilms „Friedland“

„Tor zur Freiheit“ Erstaufführung des Dokumentarfilms „Friedland“

Mehr als 300 Gäste haben am Dienstagabend in der Sankt-Norbert-Kirche den Film „Friedland“ gesehen. Die von NDR und Deutscher Welle produzierte Dokumentation schildert auf eindrückliche Weise die Geschichte des Grenzdurchgangslagers (GDL) und lässt Flüchtlinge von früher und heute zu Wort kommen.

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Quelle: hr

Friedland. Als um 19 Uhr der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) zu seiner Begrüßungsrede ansetzte, war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz mit Bürgern aus Friedland und der Region sowie lokaler sowie niedersächsischer Politikprominenz besetzt. Vorne, auf der Bühne, saß mucksmäuschenstill ein kleiner Flüchtlingsjunge, der mit großen, neugierigen Augen in die Welt guckte – ein symbolträchtiges Bild.

Der 85 Minuten lange Film der Regisseurin Frauke Sandig schildert schlaglichtartig - von seiner Eröffnung durch die britische Militärverwaltung im September 1945 bis heute - die Geschichte des GDL. Der Fokus liegt dabei auf Einzelschicksalen. Zu Wort kommen unter anderem Edelgard Grothey, die 1947 als dreijährige Waise aus Masuren nach Friedland kam und heute in Göttingen lebt. Weiterhin Detmar Heller (88), der, aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen, Friedland als „Tor zur Freiheit“ erlebte. Und schließlich eine ganze Reihe syrischer Flüchtlinge, für die 2013 und 2014 Friedland die erste Anlaufstelle auf deutschem Boden war. Alle haben viel zu erzählen – Geschichten voller Dramatik, Ängste und Hoffnungen. Von Verzweiflung, Mut und dem Willen, zu überleben.

Viele der Porträtierten waren zur Premiere gekommen. Die damaligen Dreharbeiten und seine jetzige Aufführung seien für sie ein „innerlicher Aufruhr“ gewesen, sagte Grothey (71). Sie habe gedacht, sie hätte das, was damals passiert sei, hinter sich gelassen, aber dem sei nicht so: „Ich habe festgestellt, dass die Geschehnisse jener Zeit für immer ein Teil von mir sind.“  

Großen Applaus erhielt Abdel Al Aziz Al Husary. Der Syrer und seine mehrköpfige Familie haben in ihrer Heimat Damaskus alles verloren, leben jetzt – nach entbehrungsreicher Flucht und Aufenthalt in Friedland – in Sachsen. Dort gehe es ihnen gut: „Wir sind freundlich aufgenommen worden.“

Sie habe den Ort Friedland zunächst als „vordergründige Idylle“ wahrgenommen, sagte Regisseurin Frauke Sandig auf Nachfrage, um dann festzustellen, dass es sich tatsächlich um einen sehr toleranten Ort handele: „Das kleine Friedland kann als Beispiel dafür dienen, wie man in Deutschland mit Flüchtlingen umgehen sollte.“ Das sieht auch die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf (SPD), so: „Dafür, wie man Menschen willkommen heißen sollte, gibt es kein besseres Beispiel als das, wie das Auffanglager und die Gemeinde Friedland es tun.“  

Der Film wird am Montag, 21. September, um 23.15 Uhr im NDR sowie am Sonnabend, den 26. September, um 22.30 Uhr auf Phoenix gezeigt.

hr

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