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Erstklässler zwischen Aufregung und Erwartung

Schule macht Spaß! Erstklässler zwischen Aufregung und Erwartung

Der Tag der Einschulung ist vorbei. Viele Familien begleiteten die rund 1870 neuen Schulkinder aus Stadt und Landkreis Göttingen an diesem Tag in die Schule – doch seit vergangener Woche müssen sich die kleinen Abc-Schützen allein in einer neuen Institution orientieren und ihren eigenen Weg finden. Ganz allein sind sie natürlich nicht – die neuen Klassenlehrer leisten gerade in der ersten Schulwoche ganze Arbeit, um den Kindern den Übergang zu erleichtern. Wie haben die neuen Erstklässler ihre erste Schulwoche empfunden? Das Göttinger Tageblatt fragte nach.

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Nila mit  ihrer Schildkröte Lucie.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Darf ich eigentlich in der Schule weinen?“ fragte ein kleines Mädchen die neue Klassenlehrerin am ersten Schultag. Natürlich dürfe sie das, antwortete die Lehrerin. Ein anderes Mädchen hatte dieses Gespräch verfolgt, sie will nun wissen:

Manuela Leitel, Kirsti Engelke, Doris Berner und Rita Eggers.
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„Und wenn ich keine Tränen habe, muss ich dann trotzdem weinen?“ Die erste Schulwoche stellt alle vor große Herausforderungen, es muss ein neues Umfeld geschaffen und sortiert werden.

„Die Kinder sind anfangs sehr bedürftig, was Sicherheit angeht“, erklärt Doris Berner. Sie ist die Klassenlehrerin der 1b an der Wilhelm-Busch-Schule. „Die erste Woche hat etwas magisches, die Kinder schenken einem das Herz und es liegt sehr viel Verantwortung in den Händen der Lehrer.“ Jetzt gilt es, in diesem Kontext einen Rahmen abzustecken, in dem sich jedes Kind sicher fühlt. „Man will die starke Zuneigung der Kinder beantworten, muss aber gleichzeitig auch Grenzen setzen“, beschreibt Rita Eggers, Klassenlehrerin der 1d, diesen Balanceakt. Für sie steht im Mittelpunkt, dass die Kinder in ihrem „So-Sein“ ankommen dürfen.

Katharina Freytag hat gerade an der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Dransfeld eine erste Klasse übernommen. „Einige Kinder haben hohe Erwartungen und wollen gleich Lesen und Schreiben können. Aber sie merken schnell, dass alles seine Zeit braucht“, erzählt die Lehrerin.

Katharina Freytag.
Katharina Freytag.
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„Jedes Kind sollte mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten an dem Stand abgeholt werden, an dem es sich in seiner Entwicklung gerade befindet“, fordert Manuela Leitel, Konrektorin an der Wilhelm-Busch-Schule. „Wenn das gelingt, fühlen sich die Kinder bestärkt, weil sie ihre persönlichen Fortschritte wahrnehmen können.“

Der Übergang zwischen Elternhaus und Schule ist eine wichtige Nahtstelle. „Die Eltern sollten sich bewusst machen, wie sie selbst als Kind zur Schule gestanden haben“, rät Rita Eggers. Einige verbinden vielleicht biographisch schlechte Erfahrungen mit ihrer Schulzeit. In dem Fall wäre es umso wichtiger, die Kinder unvoreingenommen ihren eigenen Weg gehen zu lassen.

„Wenn wir Schule als neuen Entdeckungsraum zulassen, öffnen wir kleine Räume für die Selbstständigkeit der Kinder und trauen ihnen etwas zu“, erklärt Manuela Leitel und appelliert an der Stärkung der Kinder – durch Lehrer und Eltern.

Von Katrin Westphal

Jannes geht in die Klasse 1d der Wilhelm-Busch-Schule und Frau Eggers ist seine Klassenlehrerin. Er hatte einen tollen Start in die Schulzeit und ist sehr stolz darauf, jetzt ein Schulkind zu sein. Vor seinem ersten Schultag konnte er vor Aufregung gar nicht einschlafen. „Es ist in der Schule noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe", erklärt der Sechsjährige nach seiner ersten Schulwoche. Und freut sich: „Wir müssen gar nicht so viel stillsitzen“. Er hebt die Augenbrauen und erklärt ganz stolz, schon die Zahlen eins und zwei sowie den Buchstaben „A“ kennengelernt zu haben.

kw

 

Aufgeregt war Nora nur am ersten Schultag: „Da wusste ich noch nicht, wo ich hinkomme“, sagt die Sechsjährige, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Lea in der Maximilian-Kolbe-Grundschule in Gerblingerode eingeschult wurde. Im Kindergarten hat es Nora auch gefallen, zum Schluss wollte sie aber doch lieber in die Schule gehen – allein schon wegen des neuen Ranzens.

„Unsere Lehrerin ist sehr nett und sehr jung“, erzählt Nora: „Und ich habe schon eine neue Freundin gefunden.“ Sport ist ihr Lieblingsfach, Lesen und Malen macht ihr ebenfalls Spaß: „Wir machen schon Schreibübungen, in der ersten Stunde haben wir Kühe gemalt und Fische gebastelt.“ Zur Schule geht Nora, die dafür nur eine Straße kreuzen muss, bislang „mit meiner Mama und meiner Schwester“, nachmittags abgeholt wird sie von „Oma und Opa, weil Mama arbeitet“.

Auch das Mittagessen in der Ganztagsschule scheint ihr zu munden: „In der Schule esse ich immer alles auf, zuhause nicht.“

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Maxi ist mit der Schule eigentlich auch sehr zufrieden. Sein Platzset liegt neben dem von Jannes. Die Sets haben die Kinder selbst gestaltet, mit bunten Bildern und ihren Lieblingsfotos. Doch der Sechsjährige würde gerne mehr Hausaufgaben machen wollen: „Einmal haben von einem Würfel die Ecken verbunden, und das war schon so schnell fertig“, erklärt er mit ernster Miene.

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Bei Mika hatte es zwar vor dem ersten Schultag mit dem Einschlafen gut geklappt, dafür wollte er schon Mitternacht in die Schule. „Das macht dort soviel Spaß“, grinst der neue Erstklässler und fühlt sich in seinem neuen Umfeld sehr wohl. Er geht in die Klasse 1a und anschließend mit Jannes und Maxi in den Hort.

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Es ist Nachmittag, ihre erste Schulwoche an der Wilhelm-Busch-Schule ist vorbei. Alica ist mit ihrer Mutter auf dem Spielplatz, sie backt kleine Sandkuchen und erzählt, dass sie sich die Schule genauso vorgestellt hat. „Ich mag am liebsten die Hausaufgaben“, erzählt sie. Ihre Klasse mag sie sehr, vor allem ihre Klassenlehrerin Frau Berner. „Ich hab mich auch schon ganz oft gemeldet, ohne reinzurufen!“ berichtet Alica stolz.

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In der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Dransfeld steht vor allem das Springseil auf dem Schulhof hoch im Kurs. Die sechsjährige Klara (r.) kann die Pausen zwar kaum erwarten, doch eigentlich macht ihr alles in der Schule Spaß. Sie hat drei ältere Brüder und konnte es als kleine Schwester kaum erwarten, endlich auch in die Schule zu gehen.

Sie ist in der Klasse 1a, zusammen mit Thristan (l.). „Ich mach so gerne Mathe“, erklärt dieser, findet aber auch alle anderen Fächer so schön. „Jaaaaaa!“ antworten die kleinen Dransfelder Schüler auf die Frage, ob die Schule ihnen denn Spaß machen würde. Jamie (2. v.l.) findet den Sportunterricht am besten. „Wir haben Feuer, Wasser, Luft“ gespielt!“ ruft er begeistert. „Und Kaugummi und Eis!“ ergänzt Clara. „Wenn unsere Lehrerin ‚Feuer‘ ruft, müssen wir uns auf der Erde Rollen und bei ‚Wasser‘ auf die Bänke.

Und bei ‚Kaugummi‘ kleben wir an der Wand!“ Nila (3. v.l.) mag auch gerne den Sportunterricht, aber sie hat ein festes Ziel vor Augen: „Ich will schnell lesen lernen. Ich hab ein neues Buch geschenkt bekommen und ich will das selber lesen.“ Dabei drückt sie fest ihre Schildkröte Lucie an sich, die heute mit in die Schule durfte.

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