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Erweiterung des Kulturzentrums Musa läuft

"Wir sind motiviert" Erweiterung des Kulturzentrums Musa läuft

Das Kulturzentrum Musa wandelt sich. In der ehemaligen Heeresbäckerei im Hagenweg laufen derzeit im Erdgeschoss Umbauarbeiten. Hier entstehen rund 1250 Quadratmeter mehr Nutzfläche für die Musa.

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"Unsere Idee ist, die Musa komplett neu aufzustellen": Musa-Sprecherin Tine Tiedemann zeigt die neuen Räume des Kulturzentrums.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Dort wo früher das Deutsche Theater seine Requisiten gelagert hat, arbeiten zurzeit Bauarbeiter. Neue Wände ziehen sie ein, verlegen Leitungen oder sanieren Fußböden. Neue Räume für Filmemacher und Fotografen, Werkstätten für die Kreativwirtschaft und Musa, Atelierräume für bildende Künstler und Graffiti-Sprayer, ein kleiner Tanzraum und Räume für freie Theater sollen entstehen. Noch seien nicht alle Räume vergeben, Interessenten gebe es aber viele, sagt Musa-Sprecherin Tine Tiedemann. Im Mittelpunkt befindet sich ein großer Raum, der als Treffpunkt gedacht ist. "Ein großes WG-Zimmer, in dem neue Ideen entstehen können", sagt Tiedemann.

"Lebendige Szene"

"Unsere Idee ist, die Musa komplett neu aufzustellen", sagt Tiedemann. Sie erhofft sich von der neuen vielfältigen Nutzung auch eine bessere Vernetzung von Künstlern und Kreativen, aus der sich neue Projekte entwickeln und eine "lebendige Szene" entstehen soll. Im günstigsten Fall würden so neue Ausbildungsplätze geschaffen.

Umbau bis März

Auf 800000 bis eine Million Euro schätzt Tiedemann die Umbau- und Sanierungskosten. 400000 Euro trägt die Stadt Göttingen. Den Rest will die Musa über Förderungen einwerben. Entsprechende Anträge seien gestellt, sagt Tiedemann. "Wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass der Umbau bis Anfang März abgeschlossen ist." Mit den neuen Räumen wächst die Musa-Gesamtfläche auf mehr als 4500 Quadratmeter. Zur Musa gehören außer einem Veranstaltungsraum und einer Gastronomie auch 18 Übungsräume, die derzeit von 50 Bands genutzt werden. 

Potenzial des Geländes nutzen

Der Umbau des Erdgeschosses ist Teil einer großen "Vision" für das Kulturzentrum, so Tiedemann. Zusammen mit einer Unternehmensberatung hat die Musa erarbeitet, wie sich das Potenzial, das das sich weit nach Norden ziehende Gelände am Hagenweg bietet, nutzen lässt.

"Nicht nur bloße Lippenbekenntnisse"

Dazu gehört etwa der Ankauf von weiteren Hallen, die sich noch im Besitz des Bundes befinden. Erste Gespräche zwischen Musa, Stadt und Bund hat es bereits gegeben. Eine Veranstaltungshalle und eine Funsport-Halle könnten dort entstehen. Das Weststadtzentrum könnte hier einen Raum mieten, in den alten, ungenutzten ehemaligen Speichern Wohnungen entstehen. Als Zeitrahmen für diese Projekte nennt Tiedemann die nächsten fünf bis zehn Jahre. "Wir sind motiviert. Wir machen das, wir schaffen das", sagt Tiedemann. Sie hofft nun, dass zugesicherte Unterstützung aus Reihen der Politik nicht nur bloße Lippenbekenntnisse bleiben.

 

Finanzsituation der Musa

Göttingen. Nach einem jüngst von der Musa vorgelegten Bericht hat das Kulturzentrum 2015 ein Defizit von rund 20000 Euro eingefahren. Einnahmen von knapp 799000 Euro standen Ausgaben in Höhe von mehr als 819000 Euro gegenüber.

Musa mit Defizit in 2015

Knapp 51 Prozent (407000 Euro) ihrer Einnahmen erwirtschaftete die Musa 2015 aus Eigenmitteln wie Erlöse aus Eintritten oder der Gastronomie, knapp 34 Prozent (271000 Euro) stammten aus öffentlichen Förderungen, unter anderem von Stadt und Landkreis. Drittmittel wie Spenden und Sponsorengelder deckten rund 15 Prozent (121000 Euro) der Einnahmen.

Der Zuschuss an die Musa ist für die Stadt Göttingen einer der größeren Posten im Bereich der Kulturförderung. Das Kulturzentrum erhält 2016 283000 Euro von der Stadt. Der Landkreis Göttinger zahlt jährlich 10000 Euro. Einem entsprechenden Zuwendungsvertrag von 2016 bis 2018 hat der Kreistag im Dezember einstimmig verabschiedet. Nach Angaben von Musa-Sprecherin Tine Tiedemann kommen knapp 28 Prozent der Musa-Besucher aus dem Landkreis. Das habe eine Besucherbefragung im vergangenen Jahr ergeben. Tiedemann fordert ein Aufstockung des Kreiszuschusses auf 50000 Euro.

13 Festangestellte auf sieben vollen Stellen

Mit knapp 45 Prozent (368000 Euro) waren die Personalkosten der größte Brocken bei den Ausgaben , gefolgt von den Sachkosten wie Gagen, Honorare, Werbung und Versicherungen, die 43 Prozent (352000 Euro) ausmachten. Zwölf Prozent (100000 Euro) wendete die Musa im vergangenen Jahr für Raumkosten, etwa Bauunterhaltung und Nebenkosten, auf.

Die Musa beschäftigte 2015 13 Festangestellte, die sich etwas mehr als sieben Vollzeitstellen teilen. Hinzukamen zehn Honorarkräfte für eine halbe Vollzeitstelle und sechs ehrenamtliche Helfer. Viele Mitarbeiter hätten auf Lohn verzichtet und Stunden reduziert, sagt Tiedemann.

"Komplett neu berechnen"

Um laufende, künftige und vor allem zusätzliche Projekte und Aufgaben finanzieren und die Mitarbeiter besser entlohnen zu können, fordert Tiedemann eine Aufstockung der jährlichen Zuschüsse um 200000 Euro. Die Zuschüsse für die Musa müssten "komplett neu berechnet werden, wenn man die Vision einer neuen Musa mittragen möchte", sagt Tiedemann. mib

Angaben zu den Kreiszuschüssen wurden im Artikel korrigiert.

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