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„Es geht um Menschen“

Unklarheit über die Angriffe auf Verbindungsstudenten „Es geht um Menschen“

Sieben körperliche Angriffe in diesem Jahr, mittlerweile ermittelt eine Sonderkommission: Dass Verbindungsstudenten in Göttingen zuletzt häufiger das Ziel körperlicher Angriffe geworden sind, schlägt überregional Wellen. Über die Hintergründe herrscht Unklarheit.

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Vor dem Verbindungshaus: Die Polizei konnte bisher keinen der Angreifer verhaften.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. „Scheiß Burschi“, war eine Aussage, die laut Polizei mindestens eins der Opfer zu hören bekam. Dann folgten Tritte und Schläge durch unbekannte Angreifer. Von sieben vergleichbaren Attacken auf Verbindungsstudenten berichtet die Polizei, mittlerweile hat sich auch der niedersächsische Landtag mit den Angriffen befasst.

Über die Täter ist wenig bekannt, Bekennerschreiben oder ähnliches hat es bisher nicht gegeben. Die Polizei konnte bisher keinen der Angreifer verhaften, vermutet die Angreifer aber in der linken Szene: Die Täter würden ihre Opfer für rechts, nationalistisch oder antifeministisch halten, glaubt Joachim Lüther von der Polizeiinspektion Göttingen. Ihm zufolge kam es bisher nur zu zwei Festnahmen nachdem Antifaschisten das Auto eines Verbindungsstudenten angezündet hatten - dieser hatte mehrfach extrem rechte Demonstrationen angemeldet.

Allerdings richten sich Lüther zufolge nur einzelne Angriffe gegen bestimmte Opfer, andere ließen auf eine „sich zufällig ergebene Tatgelegenheit“ schließen. Das deckt sich mit Berichten über jüngste Opfer, die einer Turnerschaft angehören - „nicht politisch fragwürdig“ nennt Jasper Kaul (Name geändert) diese Verbindung. Über die Hintergründe der jüngsten Angriffe kann der Verbindungsstudent nur spekulieren, vermutet aber, die ganze Szene werde für eine Handvoll „politisch schwieriger“ Verbindungen in Sippenhaft genommen.

Dabei ist die Auseinandersetzung zwischen Studentenverbindungen und der linken Szene in Göttingen nichts neues: Kritische Vorträge und Demonstrationen gehören ebenso dazu wie regelmäßige Farbbeutelwürfe gegen Verbindungshäuser. Umgekehrt beklagen linke Wohnprojekte regelmäßige Sachbeschädigungen, Drohungen und Pöbeleien, wie Thomas Winkelberg, Sprecher der Wohnrauminitiative, erzählt.

Dessen ist sich auch Till Warning bewusst. Der Verbindungsstudent und CDU-Kandidat für den Kreistag sagt aber: „Es ist keine Sachbeschädigung mehr, es geht gegen Menschen.“ Und während Winkelberg zwischen den den üblichen Scharmützeln und den jüngsten körperlichen Angriffen keine direkte Verbindung erkennen kann, ist für Warning klar, wo die Täter zu vermuten sind: „Die Angriffe kommen höchstwahrscheinlich aus dem linksextremen Millieu.“ Er fordert deshalb Razzien in linken Projekten, man müsse „in die Häuser gehen“.

Zoff um Verbindungen

Seit dem vergangenen Sommer häufen sich in Göttingen Auseinandersetzungen mit Studentenverbindungen: Weil es der Polizei zufolge allein 2016 zu sieben körperlichen Angriffen und 16 Sachbeschädigungen kam, wurde eine Sonderermittlungsgruppe unter Beteiligung des Staatsschutzes eingerichtet. Im vergangenen Jahr hatte außerdem ein Verbindungsstudent mit einem Luftgewehr auf ein linkes Wohnprojekt geschossen. Zudem wurde der Sprecher Wohnrauminitiative durch einen Verbindungsstudenten schwer verletzt.

Von Christoph Höland

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