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Etzenborn hat 217 Einwohner und kann ein neues Feuerwehrhaus bauen

Beispielhaft für ein kleine Dorf Etzenborn hat 217 Einwohner und kann ein neues Feuerwehrhaus bauen

„Gemeinschaftsgeist strahlt von hier aus, die Feuerwehr ist hoch geehrt.“ Es ist kalt und windig, als Dachdeckermeister Uwe Klingebiel diesen Satz hoch oben auf dem Dach spricht. Und selten passt ein Richtspruch so gut wie dieser. Der Rohbau ist fertig, das Dach soll vor dem ersten Schnee dicht sein, und das neue Feuerwehrhaus für Etzenborn inklusive Dorfgemeinschaftsraum ist schon jetzt ein Paradebeispiel für Gemeinschaftsgeist.

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Ein echtes Gemeinschaftsprojekt: Das neue Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus in Etzenborn im Rohbau.

Quelle: Hinzmann

Etzenborn. Und selten ziehen Dorfbewohner, Vereine, Politik, Kirche und Handwerker so gut an einem Strang. Während in anderen Gemeinden darüber nachgedacht wird, Feuerwehrhäuser aufzugeben, baut Etzenborn mit der Gemeinde Gleichen ein neues: für 217 Einwohner, von denen 109 Mitglied der Feuerwehr sind.

Dass Etzenborn ein neues Feuerwehrhaus braucht, sei lange bekannt, sagt Ortsbürgermeister Dietmar Müller (WG). Das alte sei nicht mehr tragbar, das habe auch die Feuerwehrunfallkasse bescheinigt. Kein Zentimeter Platz neben dem Tragkraftspritzen-Fahrzeug, keine getrennten Toiletten, ein Waschbecken nur im kleinen Mannschaftsraum – „das geht gar nicht mehr“, pflichtet Ortsbrandmeister Christoph Müller bei.

Ähnliche Sorgen hatten der Ortsrat und andere Vereine: Der kleine Gemeinschaftsraum in der alten Schule reichte kaum für eine ordentliche Versammlung oder größere Feiern.

„Wir haben vieles überlegt und diskutiert“, sagt Dietmar Müller, „dabei war die Finanzierung das größte Problem“. Die Gemeinde Gleichen sei arm und habe vor vier Jahren erst ein neues Feuerwehrhaus in Rittmarshausen gebaut. Nach unzähligen Planungsrunden habe doch alles gepasst, um das etwa 310 000 Euro teure Projekt umzusetzen: Mitten im Ort konnte die Gemeinde ein Wiesengrundstück kaufen.

Beispielhaft für eine so kleine Ortschaft

Weil die Kirchengemeinde einen Raum neben der Kirche suchte, kaufte sie den dörflichen Gemeinschaftsraum. Und ein Privatmann übernahm das alte Feuerwehrhaus. Beides bringt laut Gemeindeverwaltung etwa 23 000 Euro als Einnahme.

Schließlich habe auch noch die Feuerwehr zugesagt, 15 Prozent der Arbeiten im neuen Haus selbst zu leisten, ergänzt Gemeindebrandmeister Heiko Böhlken. Innenausbau inklusive Isolierung, Ziegel für die Giebel und alle Außenarbeiten auf dem Grundstück wollen die Feuerwehrleute und weitere Dorfbewohner selber erledigen, sagt Ortsbrandmeister Müller. „Das könnte 36 000 Euro bringen“, hofft Gleichens Bauamtsleiter Rainer Schumann.

So viel Eigeninitiative überzeugte den Rat, sein Votum war einstimmig: Die Gemeinde finanziert den Restbetrag in Höhe von rund 250 000 Euro. Denn von der Vorbereitung bis zum Engagement während der Bauphase „ist das beispielhaft für eine so kleine Ortschaft“, sagt Gemeindebürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD).

Wenn im nächsten Spätsommer alles fertig ist, kann die Feuerwehr mit ihrem Fahrzeug in eine 55 Quadratmeter große Halle fahren. Daneben gibt es eine kleine Werkstatt, getrennte Umkleidebereiche, Sanitärräume und eine Küche, darüber hinaus für das ganze Dorf einen 80 Quadratmeter großen Versammlungs- und Veranstaltungsraum mit Tresen, großen Fenstern und Terrasse.

Neubauten nötig

Rosdorf/Friedland. Etliche Gemeinden im Landkreis Göttingen müssen in den nächsten Jahren ihre Feuerwehrhäuser ausbauen – oder haben dies bereits getan. Denn die Feuerwehrfahrzeuge werden immer größer, so groß, dass sie mittlerweile in viele Feuerwehrhäuser nicht mehr hineinpassen. In der Gemeinde Rosdorf soll aus diesem Grund gar ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden – für etwa 520 000 Euro in Settmarshausen.

„Die Zeichen stehen auf Neubau“, sagt Ordnungsamtsleiter Jörg Kaufmann. Ein günstigerer Ausbau des bestehenden Gebäudes war vor allem daran gescheitert, dass die Kirchengemeinde dafür Flächen hätte zur Verfügung stellen müssen. Das aber lehnte der Kirchenvorstand mehrfach ab. Auch ein letztes von den Mitgliedern des Bauausschusses gefordertes Gespräch sei ergebnislos verlaufen, sagt Kaufmann. Wenn der Rat im Januar grünes Licht gebe, könne das Feuerwehrhaus Settmarshausen Mitte 2015 an der Dorfstraße 15 gebaut werden.

„Wir sind froh, dass die Hängepartie jetzt geklärt ist und die Settmarshäuser Feuerwehr weiter planen kann“, sagt Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg (SPD). Für die Gemeinde sei das „sehr kostenintensiv“. Daher werde man versuchen, so viel Zuschüsse wie möglich zu bekommen. „Wir können nicht nur sparen, wir müssen auch in Qualität und Sicherheit investieren.“

Auch in der Gemeinde Friedland müssen zwei Häuser dringend erweitert, die Fahrzeughallen vergrößert werden: Friedland und Groß Schneen. Bei der Vorstellung des Feuerwehrbedarfsplans kritisierte Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange die Zustände in den viel zu engen Hallen beider Wehren als gefährlich und auf Dauer unhaltbar.

Für Friedland gibt es inzwischen Pläne für einen Neubau. Doch weil Lange zugleich ein Zusammenlegen der beiden Stützpunktwehren in einem gemeinsamen Neubau für sinnvoll bezeichnet hat, könnte die politische Diskussion darüber von vorn beginnen.

Von Andreas Fuhrmann und Jürgen Gückel

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