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Eine Zeitreise durch die Familienwelt

Evangelische Familienbildungsstätte feiert 60-jähriges Bestehen Eine Zeitreise durch die Familienwelt

Als Mütterschule mit wenigen Kursen fing es an, heute deckt die evangelische Familienbildungstätte Göttingen ein großes Spektrum von Themen ab. Die Geschichte der Einrichtung spiegelt wider, wie sich die Gesellschaft in Deutschland entwickelte. Am 11. September feiert die Fabi ihr 60-jähriges Bestehen

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Ein Angebot von vielen: Eltern-Kind-Gruppe in der Familienbildungsstätte.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Das Programm seit über die Jahrzehnte hin sehr viel umfangreicher geworden, erklären Karin Wendelborn, Leiterin der Einrichtung, und ihre Stellvertreterin Elke Drebing. Dies gelte sowohl für die Zahl der Teilnehmer als auch für die Zahl der Angebote. Neue Kurse seien etwa in den Bereichen frühe Bildung, Trauer oder Trends im Gesundheitssport hinzugekommen. Auch seien neue Zielgruppen wie Alleinerziehende oder Väter in den Blick genommen worden. Geburtsvorbereitungskurse sind dagegen an Krankenhäuser und Hebammenpraxen abgewandert.

Manche Angebote wie Eltern-Kind-Gruppen oder Nähkurse gebe es seit Anfang an, doch hier hätten sich im Lauf der Zeit die Inhalte verändert, erklären die beiden Leiterinnen. Den Eltern würden keine Vorgaben mehr gemacht, die umzusetzen seien, sondern es werde versucht, gemeinsam Stärken von Eltern und Kindern zu entdecken und diese weiter zu fördern: „Die Eltern werden als Erziehungspartner gesehen, nicht mehr als zu Belehrende.“

Einen Großteil der Arbeit der Familienbildungsstätte machen heute zudem Projekte aus, die teils mit Kooperationspartnern umgesetzt werden. Dazu zählt das Angebot „Wellcome“, bei dem junge Mütter zu Hause begleitet werden. Bei den Projekten „Griffbereit“ und „Rucksack“ werden bei mehrsprachigen Kindern die deutsche Sprache und die jeweilige Muttersprache parallel gefördert. Weitere Projekte sind die Arbeit mit Kindern von Alleinerziehenden oder der Besuchsdienst in Grone, bei dem Familien mit Neugeborenen besucht werden, um Informationen über Angebote für Familien zu vermitteln.

2015 wurden in der Familienbildungsstätte laut Jahresbericht knapp 1100 Veranstaltungen angeboten, die rund 8500 Teilnehmer besucht haben. 57 Prozent davon waren Frauen, 33 Prozent Kinder und zehn Prozent Männer. Der Bereich Erziehung und Elternschaft nahm mit knapp 46 Prozent den größten Teil der Angebote ein. Weitere große Bereiche waren Gestaltung der Freizeit (knapp 20 Prozent), Fragen der Gesundheit (knapp 13 Prozent), gesellschaftliche Partizipation (rund acht Prozent), Haushaltsorganisation (knapp sechs Prozent) und Ehe, Familie, Partnerschaft (rund drei Prozent). Träger der Einrichtung ist der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Göttingen. Seit dem vergangenen Jahr unterstützt ein Förderverein die Arbeit der Familienbildungsstätte.

Geschichte der Fabi

1956 gründet Kara Lenz mit weiteren Unterstützern die „Göttinger Mutterschule“, die Unterkunft in der Neustadt 12 findet. Angeboten werden Näh- und Kochkurse. 1961 wird der Verein Mütterschule Göttingen gegründet. In diesem Jahr nehmen knapp 400 Frauen an den Veranstaltungen teil. Neben Koch- und Nähkursen gibt es auch acht Abendveranstaltungen zu Ehe- und Gesundheitsthemen, zwei Vorbereitungskurse für werdende Mütter und einen Bastelkurs. Größte Anschaffung ist eine elektrische Nähmaschine. 1963 wird Charlotte Rock erste hauptamtliche Leiterin der Mütterschule.

Weil die Neustadt inzwischen als „Dirnenviertel“ gilt, zieht die Mütterschule in Räume der Lutherschule am Ritterplan. 1965 besuchen mehr als 1000 Teilnehmerinnen die Kurse, 1966 nehmen erstmals Männer teil: Ein Kochkurs für die Firma Bosch wird vom Werksdirektor und Ingenieuren besucht. 1968 zieht die Einrichtung in die Düstere Straße 19. Zu den Angeboten zählen Säuglingspflege und Schwangerschaftsgymnastik. 1970 wird die Einrichtung in Familienbildungsstätte umbenannt. 1972 hat die Einrichtung rund 2000 Besucher. Neue Kurse zu aktuellen Fragen sind: „Die Frau in der modernen Gesellschaft“ und „Ausgleichsgymnastik für Berufstätige“. 1974 beginnt das Mutter-Kind-Turnen im Gymnastikraum. 1977 wird  die Einrichtung in Evangelische Familienbildungsstätte umbenannt.

Ab 2007 werden Projekte mit Kooperationspartnern umgesetzt. 2015 wird ein Förderverein gegründet. 2016 zählen zu den Angeboten der Familienbildungsstätte unter anderem Gynastikkurse, Gedächtnistaining für Ältere, Vorträge zu Erziehungsproblemen, Koch- und Kreativkurse. Zum 60. Geburtstag gewährt die Einrichtung nach eigenen Angaben allen 1956 Geborenen pro Veranstaltung eine Preisreduzierung. In Zukunft möchte die Fabi im Forum für Kirche und Diakonie an der Marienkirche in neuen Räumen unterkommen.

Feier mit Musik

Ihr 60-jähriges Bestehen feiert die Familienbildungsstätte am Sonntag, 11. September, ab 14 Uhr in der Düsteren Straße 19. Vorgesehen sind Bilderbuchkino, Spiel- und Mitmachangebote, eine Tombola, Ausstellungen und Ehemaligentreffen. Musik machen die Göttinger Nostalgiker, die Swinging Amatörs und das Fabi-Ukulelen-Orchester. Um 17 Uhr wird ein Festgottesdienst mit Superintendent Friedrich Selter und dem Fabi-Familienchor in St. Nikolai gefeiert. Während des Festes werden Briefmarken mit dem Jubiläumsmotiv verkauft.

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