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Ewald Orthgies: Ein Leben für den Sport

88 Jahre Mitglied im ASC Göttingen Ewald Orthgies: Ein Leben für den Sport

1928 trat der damals achtjährige Ewald Orthgies der Turngemeinde (TG) bei, ist heute immer noch Mitglied beim Nachfolgeverein ASC. Handball, Prellball, Faustball und vor allem Turnen, 88 Jahre im gleichen Verein: ein Leben für den Sport.

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Ewald Orthgies hat sein Leben dem Turnsport gewidmet.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Mit dem Hören und vor allem dem Sehen klappt es nicht mehr so gut, und gelegentlich lässt ihn auch sein Gedächtnis im Stich. Aber körperlich fit ist der Sohn eines Schlossers, der an der Jheringstraße (Weststadt) aufwuchs und die Knaben-Mittelschule an der Bürgerstraße besuchte, noch immer. Auf dem Sofa sitzend hebt er mit den Füßen seinen Rollator hoch, macht am Balkon-Geländer seiner Wohnung im GDA-Wohnstift leichte Liegestütze: „Wenn ich keine Bewegung mehr hätte, wäre ich doch ein alter Mann“, sagt er.

Der Sport hat ihn sein Leben lang begleitet. Nach dem Eintritt in die TG turnt er jeden Tag, entweder in der Halle, zu Hause oder später in der Lehre als Industriemechaniker bei Ruhstrat: „Da habe ich, an der Maschine stehend, mit den Beinen Dehnübungen gemacht.“ 1938 beginnt sein Militärdienst, er kommt in den Turn-Olympiakader. Wäre der Krieg nicht gewesen - Orthgies hätte vielleicht an den geplanten Sommerspielen 1940 in Tokio und 1944 in London teilgenommen. So aber geht er nach Holland, wird Ausbilder beim Heer. Wo er Feldhandball spielt und eine - für die damalige Zeit völlig ungewöhnliche - Variante des Handballs kennenlernt: die in der Halle.

Die führt er - zurück aus kurzer Kriegsgefangenschaft - in seiner Heimatstadt als neue Sportart ein. Das Angebot, Vorsitzender der TG zu werden, lehnt er ab, weil er sich nicht als Funktionär, sondern als Sportler sieht. Handball, Faustball, Prellball, Turnen, sogar Kegeln: „Außer am Sonntag war ich jeden Tag in der Halle“, erzählt Orthgies. Älter als 80 ist er schon, als er seine Jobs als Leiter der sogenannten ASC-„Management-Sparte“ - in der sich leitende Angestellte der großen Göttinger Firmen fit hielten - und als Vorturner schließlich aufgibt.

Spricht der ehemalige Industriemeister und Fertigungsleiter von „Fischer & Porter“ (heute ABB) über die Nachkriegsentwicklung des Sports, vor allem des Turnens, schwingt etwas Wehmut mit. Ab den 60er-Jahren seien fast alle, die sportlich waren, beim Fußball gelandet. In den 70ern sei es mit den alten, traditionellen Sportarten zu Ende gegangen. Dabei sei das Turnen doch die Sportart schlechthin. Sie schule den ganzen Körper, aber auch den Geist, und erziehe zu Freundschaft und Verantwortungsgefühl: „Bei der Hilfestellung muss man sich absolut aufeinander verlassen können - das prägt, und zwar ein Leben lang.“ Einen Computer hat der Vater eines 66-jährigen Sohnes nie benutzt, niemals ins Internet geschaut, kein Smartphone in der Hand gehabt. 100 zu werden, sei okay, jedoch kein ausgemachtes Ziel: „Ich nehm´s, wie´s kommt“, sagt der 96-Jährige.

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