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Ex-Ortsbrandmeister missbraucht 13-Jährige

Spätes Geständnis vermeidet Gefängnis Ex-Ortsbrandmeister missbraucht 13-Jährige

Weil er vor zehn Jahren ein 13-jähriges Mädchen der Jugendfeuerwehr missbraucht hat, ist ein 48 Jahre alter Ex-Ortsbrandmeister und ehemals Jugend-Feuerwehrwart vom Landgericht Göttingen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen.  Die 11. Jugendkammer setzt die Strafe zur Bewährung aus. 9000 Euro Schmerzensgeld hat der Verurteilte als Bewährungsauflage dem heute 23-jährigen Opfer zu zahlen. Das Urteil ist nach einem späten Geständnis des Angeklagten auch rechtskräftig.

Die Tat in einem Dorf des Landkreises beschäftigt die Justiz seit drei Jahren. 2012, acht Jahre nach der Tat, hatte die junge Frau den Missbrauch angezeigt. Einst hatte der Angeklagte 18 Mitglieder der Jugendfeuerwehr betreut, fast alles Mädchen. Während der Kirmes im Dorf begleitete er die 13-Jährige nach Hause. Er sei alkoholisiert gewesen, habe sie an einer Bushaltestelle geküsst und dann mit nach Hause genommen, wo er sie missbrauchte.

Im März 2014 begann die erste Verhandlung vor der Jugendkammer. Der Angeklagte bestritt, wollte von dem Vorwurf erst gehört haben, als die Staatsanwaltschaft ihn beschuldigte. „Ich glaub mich tritt ein Pferd“, habe er gedacht, hieß es am ersten Prozesstag. So etwas zu tun „wäre ja, wie sich selbst erschießen“.

Das Gericht hat seinen Beteuerungen nicht geglaubt und ihn zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. In der Begründung hieß es, er habe dem Mädchen Schmerzen zugefügt – sie war noch Jungfrau – und habe langandauernde psychische Belastungen ausgelöst.

Gegen den Schuldspruch war der Verurteilte in Revision angegangen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil  auf. Es kritisierte die Beweiswürdigung und verwies den Fall an eine andere Jugendkammer zur erneuten Verhandlung. Die begann vergangene Woche mit einer Überraschung: Der Angeklagte kündigte ein Geständnis an, nicht ohne sich zuvor ein Strafmaß zusichern zu lassen, das noch zur Bewährung auszusetzen ist. Weil er nicht vorbestraft ist und nichts mehr vorgefallen ist, gibt es eine gute Sozialprognose. Auch geschah das Verbrechen nur Tage bevor das Mädchen 14 wurde.

Das Geständnis in letzter Minute war eine Flucht nach vorn. Das Gericht hatte ein Glaubwürdigkeitsgutachten eingeholt, das die Aussagen der jungen Frau als absolut glaubhaft beurteilte. Im ersten Prozess, so hatte der BGH geurteilt, habe die Kammer die Entstehungsgeschichte der belastenden Aussage nicht hinreichend aufgeklärt.

Die zur Zeit der Anzeige 20-Jährige hatte 2010 ihrem Freund gestanden, missbraucht worden zu sein, später eine Therapie begonnen und die Tat dann angezeigt. Das Gericht hätte, so der BGH, die ersten Aussagen gegenüber Freund und Therapeuten erforschen müssen. Das war nach dem Geständnis jetzt nicht mehr nötig.

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