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Fachtag über Frauen im Rechtsextremismus in Göttingen

Verkannte Gefahr Fachtag über Frauen im Rechtsextremismus in Göttingen

Die Botschaft von Janna Petersen ist klar: Frauen in rechtsextremen Bewegungen sind mehr als bloße Mitläuferinnen. Petersen arbeitet für den Verein „Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern“ und hat beim Fachtag „Frauen im Rechtsextremismus“ im Göttinger Kreishaus über die verkannte Gefahr gesprochen, die von radikalisierten Frauen ausgehen kann.

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Beate Zschäpe: deutsche Rechtsextremistin und mutmaßliches Mitglied des NSU.

Quelle: dpa

Göttingen. Petersen sieht sich in ihrer Arbeit noch immer mit Vorurteilen konfrontiert, die weibliche Neonazis verharmlosen: „Lange war die Frau auch in der Rechtsexremismus-Forschung kein Thema.“ Dass sich das geändert hat, bedeute allerdings noch nicht, dass diese Ansicht auch gesamtgesellschaftlich verinnerlicht wurde. „Frauen werden nach wie vor seltener beachtet und gelten als Mitläufer in der Szene“, sagte Petersen. Selbst die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe sei in den Medien zunächst lediglich als Liebhaberin der männlichen Drahtzieher aufgetaucht.

Petersens Arbeit setzt natürlich viel früher ein: Vor der Kriminalisierung der Betroffenen, dort, wo rechtes Gedankengut plötzlich im Elternvorstand der Grundschule oder Kindertagesstätte zu finden ist. Auch der Titel ihres Vortrags „Privat ist die sehr nett“ zielte auf die Tatsache ab, dass die rechtsextreme Agenda gern hinter bürgerlichem Engagement versteckt wird – was Frauen nach wie vor leichter falle, da sie von ihrem Umfeld meist als harmloser wahrgenommen würden als Männer: „Sie inszenieren sich als besorgte Mütter“ – stünden in Wahrheit aber für ein biologistisches Geschlechterbild und die Ideologie der Volksgemeinschaft. „Die Familie wird so zum Politikum“, meint Petersen.

Das Erkennen dieser Ideologie werde weiterhin dadurch erschwert, dass rechtsextreme Vereinigungen systematisch auch eigentlich ideologiefremde Themen besetzen: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es etwa ökologisch lebende Siedlungsverbände mit rechtsextremem Hintergrund. In Niedersachsen werben die „Düütschen Deerns“ mit einem national ausgerichteten Feminismus.

Der von der Gleichstellungsstelle des Landkreises mit weiteren Partnern organisierte Aktionstag sollte auch lokalen Entscheidungsträgern und Multiplikatoren die Möglichkeit geben, Gefahren zu erkennen und präventiv zu handeln. Dazu gab es neben dem Vortrag noch weitere Workshops zum Thema. Die Erste Kreisrätin Christel Wemheuer bezeichnete in ihrer Begrüßung die Situation im Landkreis Göttingen als nicht problematisch – in den Nachbarkreisen sehe die Situation aber bereits anders aus.

Von Jonas Rohde

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