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Fahrplan für Zukunft der Stadthalle steht

Ratsentscheidung für Mai angestrebt Fahrplan für Zukunft der Stadthalle steht

Die Zukunft der Göttinger Stadthalle ist weiterhin ungewiss. Eine Sanierung von Grund auf? Eine Sanierung und ein zusätzlicher Erweiterungsbau? Ein kompletter Neubau? Die Verwaltung strebt eine politische Entscheidung im Mai an. 

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Mitte 2020 könnte die Stadthalle nach den Sanierungen wiedereröffnet werden.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Für Kulturdezernentin Petra Broistedt ist die Sache klar: Als Lösung für die 1964 eröffnete Halle bevorzugt sie, wie sie im Kulturausschuss deutlich machte, eine umfassende Sanierung. Doch Teile der Ratspolitik sind sich nicht so sicher: "Eine vorschnelle Entscheidung in Richtung Sanierung sehen wird skeptisch", sagte der Grünen-Politiker Ulrich Holefleisch.

Viel Zeit bleibt nicht mehr

Doch viel Zeit bleibt nach Einschätzung der Architektengruppe Wagner nicht mehr: »Der Lebenszyklus der Stadthalle hat eine sehr problematische Phase erreicht, nachdem jahrzehntelang immer nur die notwendigen Investitionen für Modernisierungen und Reparaturen ohne ein Gesamtkonzept getätigt wurden, um den Veranstaltungsbetrieb zu ermöglichen«, heißt es in ihrem mehr als 150-seitigen Gutachten, das vorerst nur der Ratspolitik vorliegt. Was die Gutachter vorsichtig formulieren, nennen Ratsmitglieder hinter vorgehaltener Hand »jahrelange Flickschusterei«.

Auf Anfrage der CDU hatte Stadtbaurat Thomas Dienberg erläutert, dass die Mängel nicht »durch kleinere Sanierungsmaßnahmen« behoben werden könnten. »Ein Betrieb über 2018 hinaus wäre nicht möglich.«

Baubeginn Anfang Juni 2018?

Von den 1204 im Gutachten erfassten Bauteilen hätten "maximal 236 ein Chance, die Sanierung zu überleben", heißt es darin. Ein bislang grober Terminplan für eine Sanierung sieht einen Baubeginn ab Anfang Juni 2018 und eine Wiedereröffnung Mitte Mai 2020 vor - knapp vor den Jubiläumshändelfestspielen.

Unklar ist noch, wohin während der Bauzeit das Göttinger Symphonie-Orchester und die Händelfestspiele als Hauptnutzer der Halle ausweichen. Die Verwaltung sei mit der Universität über Alternativen im Gespräch, weitere Möglichkeiten würden geprüft. Doch erst wenn die Sanierungsentscheidung getroffen sei und der Bauzeitenplan vorliege, könne konkret geplant werden, sagte Dienberg.

Kosten für die Sanierung: 22,8 Millionen Euro

Die Gutachter beziffern die Kosten für die Sanierung der Halle auf brutto 22,8 Millionen Euro, ohne Einrichtungen für etwa Saal und Küche. »Eine Garantie kann nicht gegeben werden, aber die Versicherung, dass die Kosten auf höchstem Niveau ermittelt wurden«, heißt es im Gutachten.

Kosten für einen möglichen Anbau geben die Gutachter »grob hochgerechnet« mit knapp 11 Millionen Euro an. Für einen Hallenneubau hatten sie 40 bis 45 Millionen Euro Kosten genannt.

Bauzeit für Neubau: drei bis 5 Jahre

Dienberg weist darauf hin, dass dazu derzeit "keine genauen Aussagen" gemacht werden könnten, "da Umfang, Funktion, Ausstattung und Standards für den Neubau unklar sind". Eine genaue Kostenschätzung dafür würde nach Broistedts Angaben eine "mittlere sechsstellige Summe" kosten. Dienberg gibt die Bauzeit für einen Neubau mit drei bis fünf Jahren an. 

Den Fahrplan zur Stadthallenentscheidung hat Broistedt skizziert: Für den 6. April ist eine Sitzung von Kultur- und Bauausschuss geplant. Dazu will die die Verwaltung eine Vorlage erstellen, in der die einzelnen Varianten vorgestellt und erörtert werden sollen. Vier Wochen haben die Fraktionen dann Zeit. Am Donnerstag 4. Mai, sollen beide Ausschüsse zu einer Empfehlung an den Rat kommen. Dieser, so der jetzige Plan, entscheidet am Freitag, 12. Mai, abschließend über die Zukunft der Stadthalle.

Die Situation ist „heikel“

Der desolate Zustand der Göttinger Stadthalle versetzt die Politiker im Rat der Stadt in große Sorge. Und er wirft viele Fragen auf, die das Gremium während seiner jüngsten Sitzung ratlos erscheinen ließ.

„Muss die Stadt eigentlich Regressansprüche bedienen“, wenn zum Beispiel Besuchern der Stadthalle etwas passiert oder Veranstaltungen abgesagt werden müssen, wollte Katharina Schüle-Rennschuh (CDU) wissen. Und was passiert während einer langen Bauzeit mit wichtigen Veranstaltungen wie Konzerten zu den Händel-Festspielen, fügte sie fragend an. Auch die Grünen teilten diese Sorgen, räumte Dagmar Sakowsky (Grüne) ein. Es gebe viele Fragen ohne Antworten, die sich auf den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebes Stadthalle auswirken würden.

Erst wenige Tage zuvor hatten die Fraktionen ein Gutachten bekommen, aus dem hervorgeht, wie sanierungsbedürftig die Stadthalle ist. Jetzt sollten sie im Rat über den Wirtschaftsplan des städtischen Eigenbetriebes für 2017 beraten. Es ist allerdings „ein vorläufiger Wirtschaftsplan“, betonte Oberbürgermeister Rolf Georg Köhler (SPD). Wenn es nötig sei, werde es einen Nachtrag dazu geben.

Auch Tom Wedrins (SPD) wertete die Situation als „heikel“ - „wir brauchen schnelle Antworten“. „Und eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft der Halle“, sprach Gerd Nier (Göttinger Linke) allen Ratsmitgliedern aus der Seele. Dafür wiederum brauche die Politik mehr konkrete Informationen auch darüber, wie teuer ein Abriss und Neubau, eine Komplettsanierung und eine Sanierung mit Erweiterung wird, sagte Felicitas Oldenburg (FDP). Schließlich stimmten SPD, Grüne, Linke und Antifa-Linke für den Wirtschaftsplan der Stadthalle. Mehrere CDU-Mitglieder stimmten dagegen, einige enthielten sich mit der FDP.

Von Ulrich Schubert

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