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Etwa 100 Drahtesel unter dem Hammer

Fahrradversteigerung in Göttingen Etwa 100 Drahtesel unter dem Hammer

Etwa 100 Fund-Fahrräder sind am Sonnabendvormittag in einem Raum der Bonifatiusschule von Mitarbeitern des Ordnungsamtes der Stadt Göttingen versteigert worden. Mehr als 200 potenzielle Bieter warteten dichtgedrängt in dem Klassenzimmer auf ihr persönliches Schnäppchen.

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Mitarbeiter des Ordnungsamtes versteigern die Fahrräder.

Quelle: Arne Bänsch

Göttingen. Vom Rennrad über Mountainbikes und Citybikes bis zum „alten Klepper“ waren nahezu alle Klassen an Fahrrädern vertreten. Verkauft wurden die Gefährte in dem Zustand, in dem sie aufgefunden wurden. Das Angebot war also umfangreich, doch die Zahl der Interessenten noch größer. Vor der Tür warteten noch Minuten nach dem geplanten Beginn zahlreiche potenzielle Bieter auf Einlass – artig in einer Reihe aufgestellt. Manche gaben schnell auf, weil sie keinen Platz mehr im Raum fanden, der sich von der Temperatur mit zunehmender Dauer einer Sauna anglich.

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Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Göttingen haben in Räumen der Bonifatiusschule etwa 100 Fund-Fahrräder versteigert.

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„Das Ordnungsamt ist von der Menge an Teilnehmern überrascht“, sagte Carsten Dede, der auf den Zietenterrassen wohnt. „Ich wollte eigentlich ein Rennrad für mich kaufen“, erklärte er, nachdem er das Gebäude wieder verlassen hatte. Er sei aber nicht traurig, denn bei solch einer Aktion stehe ja der Eventcharakter und auch der Spaß im Vordergrund. „Solch eine große Anzahl an Teilnehmern haben wir noch nicht gehabt“, berichtete Erich Hennecke, der bis vor drei Jahren als Auktionator vor der Menge stand. Aber Fahrräder würden derzeit in den Medien regelmäßig thematisiert und außerdem sei ja auch wieder Semesterbeginn.

Innerstädtische Mobilität

Einer der ersten, der mit einem Fahrrad das Gebäude verließ, war Patrick Thegeder. „Für 120 Euro innerstädtische Mobilität zu bekommen, ist gut“, sagte er zufrieden. Zwar seien die Busverbindungen besser geworden, aber in Göttingen sei auch alles mit dem Fahrrad gut zu erreichen, erklärte er und nannte das eine „Frage aus Umweltgründen“. Er sei vorbeigekommen, weil sein altes Fahrrad nicht mehr fahrbereit sei. Eine Reparatur würde etwa 400 Euro kosten. Das stünde in keinem vernünftigen Verhältnis. Seine Anforderungen hatte er für sich im Vorfeld klar definiert: Verkehrssicher sollte das neue Fahrrad sein. „Das scheint es auf den ersten Blick zu sein“, sagte er und fügte hinzu: „Heute ist schönes Wetter zum Fahrradkauf. Ich werde es nachher noch ausprobieren.“

„Mir ist mein Fahrrad gestohlen worden“, berichtete Marlena Wissel. Sie schaute auf die Menge an zu versteigernden Objekten in der Hoffnung, es vielleicht unter den Fund-Fahrrädern zu sehen. Doch nach kurzem Blick war sie sicher, dass es nicht dabei ist. „Es war schneeweiß, das würde sofort auffallen.“ Mittlerweile habe sie ein Alternativfahrrad erworben. Deshalb wollte sie die Auktion dann auch verlassen. „Wenn ich sehe, für welche Fahrräder hier 50 bis 60 Euro geboten werden, dann lasse ich das“, sagte sie. Solch eines habe sie bereits. Sie hatte auf ein altes Rennrad gehofft. Als sie ein rotes Exemplar erblickte, das kurz darauf an der Reihe sein sollte, sagte sie: „Das warte ich noch ab.“ Als Mindestgebot wurde zwei Euro aufgerufen. Der erste Bieter erhöhte auf 50 Euro. Über die Zwischenschritte 80 und 100 landete der Endpreis bei 165 Euro. Marlena sah es locker und verließ ohne neues Rad die Auktion.

„Schöne Schese“

„Schöne Schese“, rief einer der Zuschauer bei einem der nächsten Exponate. „Hui!“, drückte ein weiterer sein Entzücken aus. „Jetzt kommt etwas für die Herren“, sagte die Auktionatorin, als sie ein rosafarben angepinseltes Damenrad präsentierte, das seine besten Tage definitiv hinter sich hatte. Auch hier wurden zwei Euro gefordert. Für vier ging es an seine neue Besitzerin. „Da kommen neue Reifen und Bremsen dran, und dann fährt es wieder“, sagte Gewinnerin Lisa Ropeter und ergänzte: „Und natürlich auch Licht.“

 

Quelle: Arne Bänsch

Doch ganz so pragmatisch sah das nicht jeder. Johannes Kurzbuch stand vor dem Gebäude und versuchte sein eben erworbenes Gefährt wieder loszuwerden. Er hatte das Mountainbike nur kurz gesehen, als es hochgehalten wurde. „Von hinten, wo ich stand, sah es okay aus“, erzählte er. Doch nicht nur der Sattel war stark beschädigt, sondern auch die Schaltung nicht in Ordnung, wie ihm jemand erklärt habe. Und außerdem sei es durch ein dickes Schloss gesichert. 40 Euro habe er ausgegeben. „Ich bin nicht zufrieden mit dem Kauf“, sagte er. Doch ein Umtausch ist ausgeschlossen. „Wie gesehen – so gekauft“ lautet schließlich das Motto. Und so versuchte er, draußen einen neuen Käufer zu finden. Das habe eine andere Käuferin vorhin auch so gemacht. Die habe ihr für 40 Euro gekauftes Rad für 20 weiterverkauft.

Von Rüdiger Franke

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