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Fahrräder für Flüchtlinge in Göttingen

Aktion Fahrräder für Flüchtlinge in Göttingen

Bei einer gemeinsamen Aktion haben Beschäftigte der Göttinger Werkstätten und das Haus der Kulturen gebrauchte Fahrräder an Flüchtlinge vermittelt. Knapp 20 Menschen konnten davon profitieren, müssen die Fahrräder aber zuvor aufarbeiten.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Idee zu der Aktion entwickelten Werkstätten-Mitarbeiter Volker Hehl und Jawed Yazdani, der im Haus der Kulturen Deutschkurse gibt und koordiniert. Hehl suchte zunächst nur selbst eine Möglichkeit, zwei ältere Fahrräder zu spenden, startete dann aber per E-Mail einen Aufruf unter seinen Arbeitskollegen.

Die knapp 20 Fahrräder, die dabei zusammenkamen, sind nicht mehr ganz taufrisch. Einige haben Rost angesetzt, so mancher Reifen ist platt. Dennoch haben sich am Haus der Kulturen mehr Interessenten als Fahrräder eingefunden. Die Flüchtlinge sollen die Fahrräder selbst aufarbeiten und bekommen dabei Hilfe in der hauseigenen Werkstatt. Mitarbeiter Axhe Kryzeu steht bereit, um beim Aufpumpen zu helfen.

Yazdani hat in den Deutschkursen gefragt, wer sich für die Fahrräder interessiert. Vor allem Männer sind zur Verteilung erschienen, aber auch einige Frauen. „No Problem“, sagt Mohammed, als er darauf angesprochen wird, dass er ein Damenfahrrad genommen hat.

Mit ihrer Mutter ist die 18-jährige Hassani vorbeigekommen, die aus Afghanistan stammt. Sie ist nach eigenen Angaben seit anderthalb Jahren in Göttingen und spricht schon sehr gut Deutsch, besucht mittlerweile ein Gymnasium. Die Mutter habe erst kürzlich Fahrradfahren gelernt, erzählt Hassani. Die beiden nehmen ein Fahrrad für die Mutter und ein Kinderrad für Hassanis kleinen Bruder mit. Sie selbst teile sich ein Fahrrad mit dem Vater, sagt Hassani.

Vereinzelt gibt es auch Unmut bei den Flüchtlingen, die kein Fahrrad mehr erhalten. Die meisten verabschieden sich aber trotzdem sehr freundlich – und hoffen, dass sie später zum Zuge kommen. Yazdani nimmt sie auf eine Liste und will helfen, sobald weitere Fahrräder gespendet werden.

In der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung herrsche ein Geist der Solidarität und Toleranz, meint Yazdani, der selbst  vor 35 Jahren als Flüchtling aus Afghanistan kam. Dieser Geist solle beibehalten werden. Es sei Aufgabe der Zivilgesellschaft, den Flüchtlingen zu helfen. Rund 100 Flüchtlinge besuchten täglich Sprachkurse im Haus der Kulturen.  

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