Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Falsche Kanzlei droht mit Hausdurchsuchungen

Gefälschte Abmahnmails Falsche Kanzlei droht mit Hausdurchsuchungen

Besonders dreiste Abzocker-Schreiben beunruhigen derzeit viele Internet-Nutzer. Die „Kanzlei Knil – KUW Rechtsanwälte und Partner“ wirft den Empfängern ihrer E-Mails vor, sie hätten sich durch das Herunterladen urheberrechtlich geschützten pornografischen Videomaterials und musikalischer Werke strafbar gemacht, die Staatsanwaltschaft ermittele.

Durch Zahlung von 100 Euro an die Kanzlei, die angeblich den Pornofilm-Produzenten Videorama vertritt, könnten Ermittlungen und Schadensersatzansprüche der Anbieter der urheberrechtlich geschützten Materials abgewehrt werden: „Wenn sie anonym bezahlen“, versichert die angebliche Kanzlei in falschem Deutsch, „garantiert unser Mandant der Staatsanwaltschaft mitzuteilen das der Schadensersatzanspruch irrtümlich gegen sie gerichtet worden ist, und alle Ansprüche gegen Sie fallengelassen werden sollen. Wenn die Staatsanwaltschaft keinen Auftrag hat kann sie auch nicht tätig werden!“

Videorama, heißt es weiter, arbeite „mit einem Antipiracy-Unternehmen zusammen, das die einschlägigen Tauschbörsen im Internet technisch beobachtet und die IP-Adresse von Verletzern feststellt und dokumentiert.“ Die Adressaten hätten „mehrere Downloads“ vorgenommen. Bei der Staatsanwaltschaft Essen sei eine entsprechende Strafanzeige gestellt worden. Und weiter: „Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen, Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den Schadensersatzanspruch unseres Mandanten vollständig anonym zu bezahlen.“ 100 Euro verlangt die „Kanzlei“.

Juristisch ist das Schreiben Blödsinn, die Vorwürfe erfunden. Kein Wunder: Die Mails sind gefälscht. Die „Kanzlei Knil“ war zwar tatsächlich auf Urheberrechtsverletzungen spezialisiert, existiert aber seit Juli 2008 nicht mehr. Die Knil-Nachfolge-Kanzlei Urmann + Collegen aus Regensburg bezeichnet die Mails als „wirklich schlechten Fake“.

Oliver Hartz, für die Verbraucherberatung tätiger Fachanwalt, hält die Mails denn auch für „glasklaren Betrug“ . Bei berechtigten Schadensersatzforderungen wegen illegalen Herunterladens seien die geforderten Summen viel höher – „bis zu 1500 Euro, manchmal auch mehr“. Hartz empfiehlt, entsprechende Strafanzeigen bei der Polizei zu stellen. Und: „Nicht reagieren, nicht zahlen. Täglich bekommen Hunderttausende solche Schreiben. Auch die Verbraucherberatungen werden diesem Unwesen nicht mehr Herr.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Bilder der Woche vom 14. bis 20. Oktober 2017