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Falscher Doktor der Zahnmedizin und Philosophie erhält Bewährung

Promotionsurkunden selbst gebastelt Falscher Doktor der Zahnmedizin und Philosophie erhält Bewährung

Mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen ist ein 43 Jahre alter Medizinstudent, der sich mit mehreren gefälschten Urkunden eine Festanstellung im Universitätsklinikum Göttingen verschafft hatte.

Dort war man dem falschen Doppel-Doktor (Medizin und Philosophie) allerdings schnell auf die Schliche gekommen, weil es dem angeblichen Kieferchirurgen schlicht an Wissen und Erfahrung mangelte. Wegen Falschbeurkundung, Urkundenfälschung (jeweils drei Taten), wegen unberechtigten Führens von Titeln und Berufsbezeichnungen sowie wegen Betruges wurde er vom Amtsgericht zu acht Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Der aus Braunschweig stammende Mann hatte zunächst in seiner Heimatstadt auf Lehramt, dann Wirtschaftswissenschaften, schließlich Medizin und Zahnmedizin in Göttingen und Frankfurt studiert. Abgeschlossen hatte er keine seiner Ausbildungen.
Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, bereits am 13. Oktober 2005 in Frankfurt einen Doktor-Titel in seinen Reisepass eintragen lassen zu haben, ohne dass er je promoviert hatte. Er täuschte die Behörden damals mit einer gefälschten Approbationsurkunde sowie mit einer Promotionsbestätigung. Beide waren von ihm als Vorlage aus dem Internet heruntergeladen, verändert und ausgedruckt worden.

Im Februar 2008 täuschte er zudem die Ärztekammer Niedersachsen mit einer gefälschten Approbationsurkunde. Als er am 24. April 2008 beim städtischen Klinikum Braunschweig angestellt wurde, legte er gar vier falsche Dokumente vor: Doktor-Urkunden für Medizin und Philosophie sowie Approbations- und Prüfungsbestätigungen. Bis 16. Juni 2009 wirkte der falsche Mediziner als Assistenzarzt, ohne dass er auffiel. Dann wurde bei der Universitätsmedizin Göttingen eingestellt – für 2043,17 Euro Monatsgehalt.

Doch der falsche Arzt wirkte nicht lange. Schon in der Einarbeitungsphase, in der „grundsätzlich bei neu eingestellten ärztlichen Mitarbeitern erfahrenes ärztliches Personal“ genauer hinschaut, fiel auf, dass der neue Kollege unmöglich so qualifiziert sein konnte, wie es seine Dokumente auswiesen. Auch deshalb, so erklärte damals das Klinikum, habe „kein Patient Schaden genommen“.

Vor Gericht legte der falsche Arzt ein umfassendes Geständnis ab. Er räumte ein, seine gefälschten Urkunden kopiert zu haben und sich diese Kopien von der Stadt Göttingen als „Kopie des Originals“ amtlich bestätigt lassen zu haben. Dadurch hatten die Universitäts-Mitarbeiter, die es regelmäßig mit echten ärztlichen Urkunden zu tun haben, die Fälschungen selbst nie in die Finger bekommen und als solche nicht erkennen können. Die auf hochwertigem Papier gedruckten Dokumente, so die Staatsanwaltschaft, seien allerdings auch Fälschungen von hoher Qualität gewesen.

ck

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