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Falscher Doktortitel ohne Folgen

Verfahren eingestellt Falscher Doktortitel ohne Folgen

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen einen Göttinger Rechtsanwalt, der seinen Doktortitel zu Unrecht geführt hat, eingestellt.

Der Jurist habe seinerzeit davon ausgehen können, den Titel „Dr.“ führen zu dürfen, erklärte Oberstaatsanwalt Hans-Hugo Heimgärtner auf Tageblatt-Anfrage: „Es dürfte auch keine Verpflichtung bestanden haben, auf Grund der in der Folgezeit geänderten Rechtsgrundlagen die Einschätzung bezüglich des Führens des Titels aus eigener Veranlassung zu prüfen.“

Der Jurist, Chef einer Göttinger Großkanzlei, hatte seinen Doktortitel seinen Doktortitel im Jahr 2007 an der Comenius-Universität in Bratislava (Slowakei) erworben. Das für einen Juristen lukrative Führen des Zusatzes „Dr.“ ist in Deutschland allerdings nicht ohne weiteres zulässig: Das „Deutsch-Slowakische Abkommen über die gegenseitige Anerkennung der Gleichwertigkeit von Bildungsnachweisen im Hochschulbereich“ schreibt vor, dass der slowakische „Doktor Práv“ (Doktor der Rechte) in Deutschland nur als „JUDr.“ geführt werden darf. Außerdem ist laut Gesetz „der Name der verleihenden Hochschule als Herkunftszusatz hinzuzufügen“. Hintergrund der vorgeschriebenen Kennzeichnung ist das fehlende Promotionsverfahren, weshalb der slowakische Titel zu den sogenannten „kleinen Doktorgraden“ gehört. Der Göttinger Anwalt hatte jedoch auf Briefköpfen und im Internet-Auftritt seiner Kanzlei auf ebendiesen Zusatz verzichtet.

Mit der Begründung, zum Zeitpunkt des Erwerbs des Doktortitels habe der Anwalt nicht wissen können, dass der Zusatz verpflichtend sei, gesteht die Staatsanwaltschaft dem Juristen allerdings eine enorm lange Leitung zu: Den Doktortitel erwarb der Rechtsanwalt im Jahr 2007, das deutsch-slowakische Abkommen, das den Titelzusatz vorschreibt, ist hingegen bereits seit Dezember 2003 in Kraft.

Mittlerweile hat der Kanzleichef auf den Zusatz verzichtet. Zuerst verschwand der „Dr.“ von den Briefköpfen, und seit einigen Tagen findet sich im Internet-Auftritt die legale Bezeichnung „JUDr.“.

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