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Auf Bewährung, und doch sofort in Haft

Falschmünzer-Prozess in Göttingen Auf Bewährung, und doch sofort in Haft

Selten war die Feststellung der Identität des Angeklagten zum Prozessauftakt so wichtig: Zavic, Philipowic, Tekiaskin - Serbe, Kroate, Albaner? Wer ist der 29-Jährige? Bekannt ist er unter nochmals anderem Spitznamen. Doch um seine falsche Identität geht es gar nicht, sondern um Falschgeld. Er hat Blüten in Umlauf gebracht.

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Die anfangs belastenden Aussagen wurden im Prozess nach und nach windelweich.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Das bestreitet er - anfangs. Der Nachweis, also die falschen Banknoten, fehlen freilich. Die hatte der Angeklagte am 5. Februar spätabends in einer Spielhalle in Northeim schnell wieder in echtes Geld getauscht und die Blüten vernichtet. Das gibt er gleich zu. Er bestreitet nur, die falschen Scheine erkannt und sie bewusst in Umlauf gebracht zu haben.

Das war passiert: Der Autohändler mit falschem Namen und falscher Staatsbürgerschaft (mit echter hätte er kein Gewerbe anmelden dürfen) ist ein bekannter Automaten-Glücksspieler. An jenem Abend hatte der Serbe, was für ihn ungewöhnlich sei, sagt die Spielhallenaufsicht, immer wieder 50-Euro-Scheine in Münzgeld umgetauscht, um weiterzuspielen. Insgesamt wohl zehn Scheine. Er habe "den Jackpott gejagt", sagt der Angeklagte dem Richter. Die Spielhallenmitarbeiterin, die gerade eine neue Kollegin anlernte, wurde misstrauisch. Die Praktikantin hatte versäumt, die Banknoten vor dem Wechseln auf Echtheit zu überprüfen, so wie es der Chef vorschreibt. Also hielt nun die Kollegin den ganzen Stapel Fünfziger unter das UV-Gerät. Fünf falsche Scheine fand sie. Sie seien sehr gut, kaum zu erkennen, das Papier so glatt wie ganz frisches Geld. Einzig das Hologramm sei nur ein aufgeklebtes Stück Silberpapier gewesen.

Während die Spielhallenaufsicht noch prüfte, hatte sich der Angeklagte aus dem Staub gemacht. Doch die resolute Frau rief sofort dessen Freundin an. Er solle kommen und echtes Geld bringen. Das tat er auch. Er zahlte mit echten Zwanzigern, nahm die falschen Fünfziger mit und will sie zu Hause "in Panik verbrannt" haben.

Die Polizei wurde erst danach informiert. Schlecht für die Spielhallenaufsicht. Es bestand der Verdacht, dass sie selbst durch die Rückgabe der Blüten nun ihrerseits Falschgeld in Umlauf gebracht habe. Angeklagt wurde aber nur der Autohändler, der nun vor dem Schöffengericht behauptete, ihm seien die Scheine bei einem Autokauf von Kunden aus Hamburg angedreht worden, ohne dass er bemerkt habe, dass es Falschgeld ist. Das war wenig glaubhaft. Die Zeugin hatte von einem dicken Bündel Scheine gesprochen, ein Kumpel des Angeklagten gegenüber der Polizei auch.

Doch die anfangs belastenden Aussagen wurden im Prozess nach und nach windelweich. Die Autokäufer aus Hamburg, angeblich Polen, waren nicht aufzutreiben. Es kam schließlich zum Rechtsgespräch. Ergebnis: Das Gericht bot Bewährungsstrafe gegen Geständnis an. Danach gab der 29-Jährige es zu, gewusst zu haben, dass es Falschgeld ist. Er wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Entlassung aus der Untersuchungshaft wäre die logische Folge gewesen.

Doch gefehlt. Mitten in die Verhandlung war ein neuer Haftbefehl geplatzt: Vom Oberlandesgericht Braunschweig, das einem Auslieferungsersuchen aus Serbien nachkommt. Der Northeimer soll 2008, als er schon einmal abgeschoben war, jedoch unter falschem Namen später wiederkam, in Belgrad einen Raubüberfall begangen haben. Bewähren kann sich der Falschmünzer jetzt in Auslieferungshaft und serbischen Gefängnissen.

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