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Familienvater aus Albanien braucht Behandlung

Behandlung untersagt Familienvater aus Albanien braucht Behandlung

Die Diagnose klingt lebensbedrohlich: Hepatitis B mit Leberzirrhose und Krampfadern in der Speiseröhre, dazu insulinpflichtige Diabetes. Der 40-Jährige benötigt eine Therapie mit teuren Medikamenten. Stattdessen soll er mit Frau und drei Kindern ausreisen - nach Albanien. Die P. sind Asylbewerber.

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Skender P. soll trotz schwerer Krankheit mit seiner Familie nach Albanien ausreisen.

Quelle: Hinzmann

Rittmarshausen/Göttingen. Seit einem Jahr leben Skender P., seine Frau und drei Kinder (zwei, acht und 15) in Rittmarshausen. P. hat gearbeitet, trägt zum Unterhalt bei. Auch seine Frau hat jetzt eine Stelle als Hilfskraft. Der Asylantrag aber war nicht entschieden, als im April die heimtückische Krankheit bei ihm diagnostiziert wurde - erst vom Hausarzt, dann vom Leber-Zentrum am Uni-Klinikum.

Dringend empfahlen beide eine "konsequente dringliche antivirale Therapie". Das Klinikum rät zur schnellen Klärung der Übernahme der hohen Behandlungskosten von vorerst monatlich 513 Euro allein für die Medikamente. Doch das Amt für Soziales beim Landkreis lehnt "mit freundlichen Grüßen" "die Kostenübernahme ab". Der Grund: Es bestehe "aktuell nur eine mäßiggradige entzündliche Aktivität".

Weil die medikamentöse Therapie eine sehr langfristige sei, die auch konsequent durchzuführen und nicht zu unterrechen ist, könne der Landkreis nicht zusagen. Denn das Asylverfahren sei noch nicht abgeschlossen. Von einem verzögerten Therapiebeginn um wenige Wochen seien nach Einschätzung des Gesundheitssamtes keine Nachteile zu erwarten. Auf Anfrage teilt ein Landkreis-Sprecher mit: Nach Klärung von Status und Aufenthaltsort könne die Therapie beginnen. Dann werde das Sozialamt die Behandlungskosten auch übernehmen, falls Herr P. im Landkreis bleibe.

Das war am Mittwoch. Am Donnerstag bekommt die Familie die Auffordrung, binnen sieben Tagen die Bundesrepublik zu verlassen. Ausreiseaufforderung - der Asylantrag ist abgelehnt. Die P.s wollen nun, unterstützt von vielen Flüchtlingshelfern, dagegen vorgehen. Noch binnen der Ausreisefrist soll Klage eingereicht werden.

Unterdessen hat S. die möglicherweise lebensrettende Therapie schon begonnn. Das Migrationszentrum und die Diakonie haben die erste Packung der teuren Medikamente finanziert: 513  Euro. Jeden Monat wird diese Summe nun fällig. Unterbrechen darf P. die Behandlung nicht - Resistenzbildung droht.

Unbehandelt aber droht Schlimmeres: Leberkrebs. Flüchtlingshelfer haben inzwischen gesammelt und eine zweite Packung Medikamente gekauft. Gerade kursieren Spendenmails, in denen aufgefordert wird, mit kleinen Zuwendungen die künftige Behandlung des Leberkranken zu gewährleisten. Wenn P. aber ausreisen muss nach Albanien? Ende der Therapie - und wohl nicht nur der, fürchten die Helfer.

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