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Fast alles aus den Wundertüten der 50er und 60er landete im Mülleimer

Vergessene Kinderfreuden Fast alles aus den Wundertüten der 50er und 60er landete im Mülleimer

In den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren die der Renner im Tante Emma-Laden oder im Kiosk an der Ecke: Wundertüten. Gefüllt mit Zuckerkram und billigem Spielzeug, boten sie den kleinen Konsumenten für zehn oder 20 Pfennig Spaß, ein bisschen Süßes und dazu eine Portion prickelnder Spannung: Was ist denn nun drin?

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„Heinerle“-Wundertüte mit Inhalt. Der Bus als Werbebeigabe ist aufwändiger gefertigt.

Quelle: EF

Cornelia und Martin Schmidt haben ihre nächste Modellbörse am kommenden Wochenende einmal nicht teuren technischen Sammlerstücken, sondern den vergessenen, billigen Spielzeugen aus den damals millionenfach verkauften Tüten gewidmet. Dabei liegen die Vorbilder des Wundertüten-Sammelwahns viel früher, sagen die Schmidts. Der Hersteller des Liebig-Fleischextrakts versuchte Ende des 19. Jahrhunderts, mit kleinen, durchaus kunstvoll gestalteten Bildchen die Kundschaft an sich zu binden – was zu einer ähnlichen Sammelwut führte wie heute die Inhalte der Überraschungs-Eier (siehe „Wundertüte in Eierform“).

Auf die gleiche Masche kamen etwa ab 1950 die damals zahlreichen Margarine-Hersteller. Mit meist weißen Plastikfiguren sollten die erwachsenen Käufer über ihre quengelnden Kinder an die jeweilige Marke gebunden werden, aber, so Cornelia Schmidt: „Schon im Jahr 1954 einigte sich die Margarineindustrie – es gab fast 500 Hersteller – darauf, auf diese Beigabe zu verzichten. Heute tauchen diese meist flach und überwiegend in weiß gehaltenen Teile aus irgendeinem vergessenen Schatzkistchen dieser Jahre auf dem Flohmarkt auf.“ Die billigen Plastikteile stellten oft ein historisches Gebäude, eine Märchen- oder Zirkusszene, ein Fahrzeug oder auch ein Tier dar.

Die Sammelidee war mit dem Verschwinden der Margarine-Figuren allerdings nicht tot. Um so populärer wurden die für zehn oder 20 Pfennig verkauften Wundertüten. Von außen immer gleich, enthielten sie für den Käufer unsichtbar ein kleines, billig produziertes Spielzeug – für Jungen Modellautos, Wild-West-Figuren, Schiffe oder Düsenjäger, für Mädchen Ringe, Nuckelfläschchen mit zuckrigen „Liebesperlen“ oder Minigeschirr fürs Puppenhaus. Fast immer befanden sich in den bunt bedruckten Papiertüten ein Kaugummi oder bunter Puffreis. Eins hatten die Inhalte so gut wie aller Wundertüten gemeinsam: Sie waren billig, billig, billig.

Das wiederum macht das Problem für den engagierten Sammler aus. Die, vorsichtig ausgedrückt, einfache Qualität des Spielzeugs hatte nicht nur negative Auswirkungen auf die Haltbarkeit, sondern auch auf die Sorgfalt, mit dem sie im Kinderzimmer behandelt wurden. Die Folge: Im Regelfall landete das Tüten-Spielzeug vergleichsweise schnell im Müll.

Außerdem, sagen die Schmidts, sind die Chancen, auf ungeöffnete Wundertüten noch im Originalzustand zu stoßen, denkbar gering. Immer verführte die Neugier dazu, die Tüte gleich aufzureißen. Die praktisch einzige Quelle für jungfräuliche Tüten sind vergessene Kartons in den Lagerräumen älterer, kleinerer Geschäfte.

Nicht alles Billig-Spielzeug kam damals aus der Tüte. Als Werbeträger beliebt war damals unter anderem ein VW-Bus im Maßstab von etwa 1:60, den sich Firmen mit ihrem Schriftzug bedrucken lassen und kostenlos verteilen konnten. Auch für diese aus den 60er Jahren stammenden Modelle der ersten Variante des VW-Bullis mit geteilter Frontscheibe hat sich mittlerweile eine treue Sammlergemeinde gebildet.

Eine Auswahl der wenigen Überreste der Sammelwut der Wirtschaftswunderzeit ist jetzt am Sonntag bei der Modellbörse im Schützenhaus zu sehen. Für die ersten 50 Kinder gibt es dort etwas Besonderes: Jedes erhält eine der fantasievoll gestalteten Papiertüten samt Inhalt.

Das „Überraschungs-Ei“ – die moderne Tüte

„Wundertüten“ gibt es auch heute noch – auch wenn sie nicht mehr so heißen und auch nicht mehr so aussehen. Das bei Kindern wie auch bei sammelsüchtigen Erwachsenen beliebte Überraschungs-Ei funktioniert beim Konsumenten nach dem gleichen Prinzip wie die gute alte Tüte aus den 50ern und 60ern – eine immergleiche Verpackung mit einem unbekannten Inhalt.

In Deutschland verkauft die Firma Ferrero seine „Kinder Überraschung“ seit 1974. Das Ei besteht aus zwei Schichten Schokolade, außen kakaohaltig braun, innen weiß. Im Inneren befindet sich in einer gelben Plastikkapsel eine Spielzeug-Figur Hartplastik oder ein Spielzeugschnellbausatz.

Einige der Figuren aus den Überraschungseiern („Ü-Eier“) sind bei Sammlern äußerst begehrt und erzielen auf Sammelbörsen oder im Internet Preise, die für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar sind. So steht die Schlumpf-Figur „Der Schüchterne“ mit 175 Euro im Sammlerkatalog.

Wegen der hohen Sammlerpreise vor allem bei den älteren Figuren, so dem legendären „Hüpfschlumpfinchen“ sind mittlerweile Fälschungen von Zubehör zu Figuren und auch ganzen Figuren aufgetaucht. Auch Beipackzettel und Puzzles werden gefälscht. So weist ein Katalog nur für den Beipackzettel des schüchternen Schlumpfs 290 Euro aus.

Durch Schütteln, Wiegen und Horchen versuchen Sammler, dem unsichtbaren Inhalt vor dem Kauf auf die Spur zu kommen. Professionelle Sammler sollen auf diese Weise eine Erfolgsquote von mehr als 75 Prozent erreichen. Bei ausländischen Ü-Eiern lassen die Nummern an den Seiten auf den Inhalt schließen.

Modelle im Schützenhaus

Nach monatelanger Pause gibt es am Wochenende, 30. und 31. Oktober, wieder eine Göttinger Modellbörse. Nach dem Abriss der Weender Festhalle findet sie wie mittlerweile gewohnt im Schützenhaus am Schützenplatz statt.

Einlass ist ab 10 Uhr. Wie immer wird der Service einer unverbindlichen und kostenlosen Wertschätzung von mitgebrachtem Spielzeug angeboten. Um 16 Uhr schließen die Tore.

In der Begleitausstellung werden Inhalte verschiedener Wundertüten aus den 50er und 60er Jahren sowie Werbebeigaben wie die Margarine-Figuren aus den 50ern und andere Billig-Spielzeuge aus Kunststoff zu sehen sein.

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