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Feinstaub spielt kaum eine Rolle

Umwelt und Verkehr Feinstaub spielt kaum eine Rolle

Nach einem Rechtsstreit um die Umweltzone in Hannover ist das Reizwort Feinstaub wieder in aller Munde. Auch Göttingen muss nach viel zu hohen Werten an zu vielen Tagen vor drei Jahren einen Aktionsplan umsetzen – geht aber andere Wege. Die sind beschlossen, aber noch nicht umgesetzt. Unterdessen gibt es auch so schon weniger Feinstaub. 

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Umweltplaketten

2006 war Göttingen erster und einsamer Spitzenreiter in Niedersachsen: An 67 Tagen wurde damals der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft (µg/m3) gemessen, erlaubt sind 35 Überschreitungstage im Jahr. Überspringt eine Stadt diese Grenzmarke, muss sie in enger Absprache mit dem jeweiligen Land handeln und über einen Aktionsplan die Feinstaubbelastung reduzieren. Das trifft inzwischen viele Kommunen in Deutschland. 30 haben Umweltzonen eingerichtet, in denen nur Autos mit geringem Schadstoffausstoß und Umweltplakette fahren dürfen. Dazu gehört auch Hannover – und vorgestern hat ein Gericht diese Maßnahme auch als rechtmäßig eingestuft.

Göttingen verzichtet nach langer Debatte auf eine Umweltzone. Im vergangenen Dezember hat der Rat stattdessen zwei andere Schwerpunktmaßnahmen beschlossen: Die Stadtbusflotte soll mit sauberen Motoren ausgestattet und modernisiert werden. Und der fließende Verkehr soll so geleitet und strukturiert werden, dass weniger Feinstaub in die Luft gewirbelt wird  (Tageblatt berichtete).

Allerdings fliegt lange nicht mehr so viel Feinstaub umher wie 2006. An der Messstation in der Bürgerstraße wurden 2007 noch 23 so genannte Überschreitungstage registriert. Im vergangenen Jahr lag die Konzentration an gerade 16 Tagen über dem Schwellenwert. In diesem Jahr sind es bisher 20 Überschreitungstage, die meisten gab es im Januar. Osnabrück folgt mit 17, das Eichsfeld mit zehn.

Absoluter Spitzentag war bisher in 2009 in Göttingen mit 178 µg/m3 der Neujahrstag – eine Folge der Silvesterknallerei. Die Osterfeuer haben sich hingegen kaum ausgewirkt. An keinem der Feiertage wurde der Grenzwert von 50 µg/m3 überschritten.

Weiterhin Feinstaub-Tage

Trotz dieser rückläufigen Entwicklung halten Experten die eingeleiteten Aktionspläne weiterhin für erforderlich. Denn Modellrechnungen mit Prognosen bis 2011 sagen aus, dass es in etlichen Göttinger Straßen – besonders in der Innenstadt – auch weiterhin viele Feinstaub-Tage geben wird. 

Entscheidender ist inzwischen aber ein anderer Faktor: Es gibt immer mehr schädliches Stickstoffoxid und -dioxid (NO2) in der Luft. Diese Entwicklung registrieren Experten bundesweit. Auch in Göttingen wird das Jahresmittel für NO2 wohl oft weit über den Grenzwert von 44 µg/m3 Luft hinausgehen, wenn nicht gegengesteuert wird. Im vergangenen Jahr gab es zwar keinen Überschreitungstag, der Jahresmittelwert lag mit 41 µg/m3 aber dicht an der Grenze. Auch gestern Vormittag hat das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim über sein Luftüberwachungssystem (LÜN) an der Bürgerstraße im Stundenmittel 44 µg/m3 registriert.

                                                                                                           Von Ulrich Schubert

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