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Fernseh-Tatort und Religion

Treffen der Pastoren Fernseh-Tatort und Religion

Vier Millionen Christen gehen sonntags morgens in die Kirche, und elf Millionen Menschen sehen abends den Tatort-Krimi im Fernsehen – eine Gegenüberstellung, die zu Interpretationen einlädt. Ist der Tatort am Sonntagabend auch eine Art Ritual und vielleicht sogar die eigentliche heilige Zeit des Tages? 

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Symbolbild.

Quelle: Pförtner

Northeim. Spielt der Glaube im Tatort auch eine Rolle oder geht es dort nur um Beweise?

Fragen wie diese wurden beim Treffen der Pastoren aus dem Kirchenbezirk Hildesheim-Göttingen in Northeim angesprochen. Die Themen Erlösung und Gerechtigkeit verbänden Tatort und Religion, sagte die Göttinger Germanistik-Professorin Claudia Stockinger. Gerade bei Sinnfragen unterliefen Tatort-Folgen häufig auch den schlichten Plot, so die Forscherin.

Explizit thematisiert werde im Tatort häufiger der katholische Glaube, selten dagegen der Protestantismus, so Stockinger. Auch seien die Ermittler überwiegend diesseitsorientiert und glaubten nur an Beweise. Eine Ausnahme sei Felix Murot (Ulrich Tukur), der als Sohn eines protestantischen Pfarrers eine explizit christliche Biographie habe.

Tatortermittler mit Pastorenvater

Für die Bevorzugung der katholischen Kirche im Fernsehen wurden in einer Diskussionsrunde verschiedene Erklärungen bemüht: Der Katholizismus habe ein höheres „Folklorepotenzial“, liefere also die besseren kultischen Bilder, und biete zudem im Hinblick auf Skandalisierungen in Bereichen wie Zölibat, Priesterkinder oder Missbrauch bessere Angriffsflächen. Protestantismus sei eher eine Religion für das Radio, Katholizismus für das Fernsehen, sagte Landesbischof Ralf Meister. Er führte das auch auf die Entstehung des Protestantismus mit der Konzentration auf das biblische Wort zurück. Von der Film- und Fernsehdramaturgie könne die Kirche auch für die Predigten lernen, so Meister. Er begründete zugleich, warum er kein so häufiger Talkshow-Gast ist: Er wolle nicht als „Kirchenclown“ zu allen möglichen Sachen etwas sagen, sondern nur zu konkreten Themen sprechen. Außerdem wolle er sein Privatleben für sich behalten.

Ausgerechnet Fernseh-Mann Peter Henning, Tatort-Regisseur und -Drehbuchautor, ergriff im Hinblick auf die Zahl der Kirchgänger und Tatort-Zuschauer Partei für die Kirche: Entscheidend sei nicht die reine Zahl, sondern die aktive Teilnahme an einer Sache. Er verwies auf ein ganz anderes Problem: dass im Fernsehen immer die gleichen Berufe dominierten, während 80 Prozent der Berufe gar nicht vorkämen. Henning gab auch einen Einblick in seine praktische Arbeit – und das Sendungsbewusstsein des Autors, der auch Themen in die Gesellschaft bringen will.
Der Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger legte dar, wie sehr Medienerfahrungen Teil des Alltags sind. Landessuperintendent Eckhard Gorka verwies auf die grundlegende Wirkungsmacht des Fernsehens: So sei der Anteil derjenigen, die abends überhaupt noch ausgingen, auf sechs Prozent geschrumpft.

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Krimiserie in der ARD.  Dauerbrenner mit sechs Buchstaben seit 42 Jahren: „Tatort“. 890 Folgen sind mittlerweile ausgestrahlt worden. Kaum ein Tag, an dem nicht auf irgendeinem der Kanäle ein Tatort läuft, an manchen Tagen sind es bis zu fünf. Da wurde es Zeit, dass auch die Wissenschaft sich diesem Phänomen widmet.

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