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Fernwehfestival Billingshausen: Göttinger Pohl bereist alle Kontinente

Dalai Lama kennengelernt Fernwehfestival Billingshausen: Göttinger Pohl bereist alle Kontinente

Dreimal schrammte er knapp am Tod vorbei, er traf den Dalai Lama, schlief in manchem Provinzgefängnis und hielt in Neu Delhi vor Rotariern einen Vortrag über eine Tour von der Nordsee zu den Alpen. Das war vor 50 Jahren. Jetzt hält Fred-Roderich Pohl, inzwischen fast 70 Jahre jung, beim Göttinger Fernwehfestival einen Vortrag über diese und viele weitere Erlebnisse seiner Tour, die ihn 1964 von Deutschland nach Indien und durch Afrika zurück führte.

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Weitgereister Billingshäuser: Fred-Roderich Pohl.

Quelle: Heller

Billingshausen/Göttingen. Unterwegs war er damals mit einem normalen Tourenfahrrad. 16 000 Kilometer radelte er, weitere 20 000 Kilometer legte der 19-Jährige 1964 und 1965 mit anderen Verkehrsmitteln und seinem Rad im Gepäck zurück.

In elf Monaten lernte er 20 Länder kennen. „Einige davon gibt es heute gar nicht mehr,“ sagt der frühere Exportleiter von Alcan Deutschland (heute Novelis). Jugoslawien zum Beispiel oder auch den Sudan. In andere würde sich heute kaum jemand freiwillig begeben. Irgendwo an der Landesgrenze zwischen Syrien und Irak zum Beispiel sei er beinahe in einem Sandsturm erstickt, erzählt Pohl. Am Himalaya sei er bei einer Trekkingtour beinahe zu Tode gestürzt.

Anekdoten wie diese sind es, die der Wahl-Billingshäuser mit zwei heute erwachsenen indischen Adoptivkindern seinen Zuhörern gerne erzählt. Zwar hat er längst nicht mehr alle Dias seiner Radtour nach Indien, bei der Vorbereitung seines Vortrags für das Fernwehfestival indes half dem 69-Jährigen allerdings schon das Blättern in seinem damaligen Tagebuch und dem Fahrtenbuch.

„Ich saß nachts im Zelt und schrieb in mein Tagebuch“

Auch die Zeitungsberichte, die Journalisten entlang seiner Reiseroute über den jungen Deutschen veröffentlichten, ließen die Tour von vor 50 Jahren wieder lebendig werden. Nicht nur über Pohl wurde damals geschrieben. Er selbst hat seine ungewöhnliche Reise vorwiegend durch eigene Veröffentlichungen finanziert. Schon bevor er nach gut zweijähriger sorgfältiger Vorbereitung startete, arbeitete er  als freier Journalist. Von unterwegs lieferte er dann immer wieder aktuelle Berichte seiner Etappen und Erlebnisse.

„Ich saß nachts im Zelt und schrieb in mein Tagebuch“, sagt Pohl. Die Seiten habe er dann herausgetrennt und seinem Vater per Luftpostbrief zugeschickt, damit dieser die Texte dann an die Zeitungen weiterleitet. Das Honorar, so berichtet der Billingshäuser weiter, ließ der Vater seinem Sohn als Verrechnungsscheck an die deutschen Botschaften zukommen.

Wie er damals den Dalai Lama interviewte oder dass er auch schon mal in einer Gefängniszelle übernachtet hat – „für die Polizisten war das eine willkommene Abwechslung“, so Pohl –, das erfahren die Besucher seines Vortrags am Sonnabend, 24. Januar, um 17.30 Uhr im Rahmen des Göttinger Fernwehfestivals.

Festival-Programm

Göttingen. Ganz bequem auf Weltreise gehen, ohne die Region verlassen zu müssen – das macht das zwölfte Göttinger Fernwehfestival am Sonnabend und Sonntag, 24. und 25. Januar, im Zentralen Hörsaalgebäude der Uni Göttingen, am Platz der Göttinger Sieben 1-5, möglich. Die Vorträge am Sonnabend: 14 Uhr „Zwei nach Shanghai“ von Paul und Hansen Hoepner, 17 Uhr „Iran spontan“ von Carsten Schmidt und „20 Uhr „Abenteuer Weltumrundung“ von Reiner Meutsch.

Die Vorträge am Sonntag: 11 Uhr „Naturwunder Erde“ mit Markus Mauthe, „Die Nordsee von oben“ von Silke Schranz und Christian Wüstenberg, 14 Uhr „Abenteuer Donau“ von Barbara Vetter und Vincent Heiland, 17 Uhr „Russland“ von Holger Fritzsche und 19.30 Uhr „Cuba“ von Pascal Vinolo“.

Fernwehfestival extra: Sonnabend, 17.30 Uhr „1964: Mit dem Fahrrad nach Indien“ von Fred-Roderich Pohl, Sonntag, 14.30 Uhr „Sehenswertes Israel“ von Carsten Rohr und Sonntag, 17.30 Uhr „Madeira“ von Klaus Lielischkies. Sondervorträge am Sonnabend: 15 Uhr „Madagaskar“ von Matthias Markolf vom Verein Chances for Nature und 19 Uhr „Katar – zwischen Fußballweltmeisterschaft und Menschenrechten“ von Yann Ormanns von Amnesty International.

Karten für das Fernwehfestival gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen Göttingen und Duderstadt.

Zu Person

Fred-Roderich Pohl ist Jahrgang 1945, verheiratet und hat zwei erwachsene Adoptivkinder aus Indien. Er studierte an der Universität Siegen und der Graduate School of Business Administration an der Universität von Massachusetts in Amherst in den USA Diplom-Betriebswirtschaft. Rund 38 Jahre lang bereiste er als Exportleiter von Alcan Deutschland (heute Novelis) alle Kontinente und erschloss neue Märkte in Asien. Pohl legte auch ein Diplom als Dolmetscher (Englisch) ab.

Sein Spezialgebiet sind „oberflächenveredelte Aluminium-Walzprodukte für die Außenarchitektur“. Ein neuartiges „körperschallgedämpftes Aluminium Walzhalbzeug“ erfand und patentierte er. Privat engagierte sich Pohl mehr als 40 Jahre lang für die „Hilfe zur Selbsthilfe“ für Waisenkinder, etwa durch Kauf von Grundstücken zur landwirtschaftlichen Nutzung in Südindien.

In der Region Göttingen kämpfte der Vater einer gehörlosen Adoptivtochter aus Indien als Vorsitzender des Vereins der Eltern und Kinder hörbehinderter Kinder Süniedersachsens neun Jahre lang für eine wohnortnahe Förderung. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass in Göttingen eine Sondergruppe für hörbehinderte Kinder an einem normalen Kindergarten finanziert und eingerichtet wurde, ebenso Sonderklassen für Hörbehinderte an einer Regelschule.

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