Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Fest bei Regen und grauem Himmel

90. Geburtstag Freibad Brauweg Fest bei Regen und grauem Himmel

Nass von oben, nass von unten: Wasser hat beim Fest zum 90. Geburtstag des Freibades am Brauweg ausreichend zur Verfügung gestanden. Echte Brauweg-Fans jeden Alters feierten ihr Bad am Sonnabend trotz des regnerischen Wetters.

Göttingen Brauweg 51.524975 9.927014
Google Map of 51.524975,9.927014
Göttingen Brauweg Mehr Infos
Nächster Artikel
Bauarbeiten auf der A7 beginnen am Montag
Quelle: Heller

Göttingen. Rutschwettbewerb, Aquarobic, Rettungsübung, Schnuppertauchen, Kanupolo: Nur einige der vielen Angebote, die den ganzen Tag über in Göttingens größtem und ältestem Freibad auf dem Programm standen. Platz zum Mitmachen und zum Schwimmen gab es deshalb genug.

Die Sonne ließ sich den ganzen Tag über nicht blicken, und bei frühherbstlichen Temperaturen schlotterten beispielsweise die jungen Turmspringer schon ein wenig, nachdem sie den „Arschgranaten-Contest" hinter sich gebracht hatten. Vier Kandidaten im Alter von elf bis 14 Jahren hatten sich in Kostüme geworfen und zeigten verrückte Sprünge vom Drei-,  Fünf- und Zehnmeterbrett. Ganz cool beispielsweise ließ sich Raoul Ostner einfach vom Zehner  nach hinten fallen, um kopfüber einzutauchen - und das im Prinzessinnen-Gewand und mit Lippenstift.

90 Jahre Freibad Brauweg

Zur Bildergalerie

"Kerze ist viel schlimmer", sagte der Schüler nach dem Sprung. "Da wackelt man mehr." Ostner und seine drei Freunde Tiago Meyer, Yannick Brennecke und Jakob Puls gaben alles, die Jury verteilte Punkte für die Sprünge. Die Neun, noch mal die Neun und die Zehn: Am Ende gewannBrennecke, der sich  in einem karierten Pyjama vom Sprungturm in die Fluten stürzte. 

Unter einem Zelt stand eine Gruppe Senioren und schaute dem Treiben zu. Sie alle sind oder waren leidenschaftliche Schwimmer. Wie das Ehepaar Nehse, das extra aus Hildesheim angereist war. "Mein Mann als Göttinger ist früher immer hier geschwommen", sagte Sylivia Nehse. Jürgen Nehse hatte ein Video seiner beiden Enkeltöchter dabei - natürlich beim Schwimmen. "Die Kleine ist vier Jahre alt und trägt noch Schwimmflügel", sagte der stolze Großvater. Nehse war einer von denen, die in den 50er- und 60er-Jahren noch im "kleinen Kiessee und in der Tonkuhle" in Göttingen schwammen. "Da gingen die Jungs hin, die badeten in der Dunkelheit nackt", sagte  Gisela Klinkermann lachend.

Auch Klinkermann erinnert sich gut an ihre Jugendjahre im Brauwegbad. "In den 50er-Jahren sind wir als Kinder abends, wenn das Bad schloss, mit einem kleinen Eimer ausgerüstet über die Wiese gezogen und haben Abfall eingesammelt", erzählte sie. Als Lohn dafür bekamen die Kinder am nächsten Tag freien Eintritt. Manchmal sei auch noch ein Groschen für Süßigkeiten abgefallen.

"Kennnen Sie Eck-Zeck?", fragte sie. "Eck-Zeck war ein Spiel." Man schwamm von Ecke zu Ecke und zog die Entfernung immer größer, bis man richtig schwimmen konnte, erläuterte die Göttingerin. Eine Abwandlung für die, die bereits gute Schwimmer waren, sei dann ein ähnliches Spiel namens "Turm-Zeck" gewesen. Zu der munteren Runde der Senioren-Schwimmer zählte am Sonnabend auch  Gisela Lisowski. Sie hatte am Nachmittag bereits ihre täglichen 1000 Meter geschwommen.

Schwimmen: Ein Hobby, das auch Renate Groböse und EdithWoldmann seit vielen Jahren begleitet. "Ich bin seit 70 Jahren Mitglied im Schwimmverein", sagte Woldmann. Der Name des Vereins habe in all den Jahren mehrmals gewechselt, sagt sie."Aber ich bin immer noch dabei." Klinkermann ist auch seit vielen Jahren Mitglied im Schwimmverein, heute heißt dieser ASC. Als sie und Woldmann ihre Mitgliedsanträge aufsüllten, war es noch die TG 1846.

Die Schwimmer verbinden viele Erinnerungen mit dem Freibad. Einiges, wie der flache Wassergraben der früher rund ums Becken verlief, veränderte sich im Lauf der Jahrzehnte.  Einiges hingegen nicht: "Wir lagen immer dort drüben", sagte Klinkermann und zeigte auf die Liegewiese gegenüber. "Die Jungs lagen dort, an der kurzen Seite des Beckens und hinter dem Sprungturm."  Offenbar ein ungeschriebenes Brauweg-Gesetz, das seit Generationen Bestand hat.

"Früher hieß die Wiese dort hinten 'Der Klie’", erinnert sich Klinkermann. Das war der Name eines früheren Bademeisters. Der heutige Schwimmmeister, Rolf Nietzold, ist zwar kein Namensgeber für eine Liegewiese, aber er moderierte den ganzen Tag über das Fest in seinem Bad. Ein Gast, an den sich viele ältere Brauweg-Schwimmer erinnerten, fehlte: Koffer. Der blonde Mann in der roten Badehose, der viele Jahre lang täglich dort zu Gast war. "Ich hatte ihn eingeladen", sagte Nietzold. Aber leider sei er nicht gekommen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Martin Sonneborn in Göttingen

Martin Sonneborn in Göttingen - Antrag zur Namensänderung von Göttingen