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Feuerwerk in Göttinger Innenstadt verboten

Kaum Kontrollen in Göttingen und Münden, in Duderstadt wird Einhaltung überprüft Feuerwerk in Göttinger Innenstadt verboten

Göttingen, Gänseliesel, null Uhr: Traditionell bestimmen in der Silvesternacht vor dem Alten Rathaus Böller und Raketen das Geschehen. Das ist verboten, doch kaum jemand hat sich je  daran gehalten. In Hann. Münden und Duderstadt geht es kontrollierter zu. Feuerwerk gehört zum Fest, kann aber auch gefährlich werden.

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Normal, aber illegal: Feuerwek über der Göttinger Innenstadt.

Göttingen. Silvester ohne Feuerwerk: Für viele Bürger ist das undenkbar. Das neue Jahr wird auch in Göttingen und der Umgebung mit Böllern und Raketen begrüßt, oft auch dort,  wo es eigentlich verboten ist.

In der Stadt Göttingen darf im Umkreis von 200 Metern rund um Kirchen, Krankenhäuser, Kinder- und Altersheimen sowie Fachwerkhäusern kein Feuerwerk abgebrannt werden. „Für Produkte, die mit der Hand geworfen werden, reicht ein Abstand von 25 bis 30 Metern“, teilt Pressesprecher Detlef Johannson mit. Das bedeutet, dass Raketen oder Böller-Batterien im Innenstadtbereich gar nicht gezündet werden dürfen.

Aber: „Das ist nicht kontrollierbar“, sagt Johannson. „Wir verfügen nicht über ausreichend Personal, um die Regel zu überwachen.“ Die Polizei ist in der Silvesternacht mit „stark besetzten Schichten“ im Einsatz, sagt Sprecherin Jasmin Kaatz. Die Streifen sind in der Stadt unterwegs. „Wenn die Kollegen gefährliche Situationen beobachten, schreiten sie ein“, sagt sie.  Das Feuerwerksverbot zu kontrollieren sei allerdings „schwierig“.

Nicht nur in der Göttinger City ist Böllern verboten. Auch in Northeim, Osterode und Hann. Münden gilt ein Verbot. „Die historische Innenstadt sowie alle Ortsteile sind von diesem Verbot betroffen“, teilt Mündens Sprecherin Julia Bytom  mit. Auch hier sind die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht auf Silvester-Kontrollgang unterwegs, die Polizei allerdings schon.

Die Mündner Verwaltung stellt einen Feuerwerk-Abbrennplatz auf dem Tanzwerder  in der Nähe des Wesersteins zur Verfügung. „Das läuft sehr gut, in der Stadt haben wir deshalb wenig Probleme“, sagt ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes.

Im Altdorf Bovenden gilt ebenfalls ein Abbrennverbot für Silvester-Feuerwerk. Darauf weist Bürgermeister Thomas Brandes (SPD) hin. Betroffen sind die sogenannte Tunnelabdeckung der Bahnstrecke und Bundesstraße 3 sowie das Altdorf.  In Duderstadt gilt das Verbot  innerhalb des Walls  – seit   einer Entscheidung des Ortsrates im Jahr 2010.

Bürgermeister Wolfgang Nolte(CDU): „Im Interesse der Innenstadtbewohner und des Schutzes der historischen Bausubstanz gehen wir davon aus, dass das Abbrennverbot eingehalten wird“.  Ein Verstoß kann teuer werden: „Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldstrafe von bis zu 5000 Euro geahndet werden“, so Nolte.  „Die Einhaltung des Verbots am Silvesterabend wird überprüft“, sagt er.

 

Alkoholisierte Notfallpatienten ab 12 Uhr mittags

Silvester herrscht Hochbetrieb in den Notaufnahmen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Evangelischen Krankenhauses Weende (EKW). „Wir behandeln am Jahreswechsel 50 bis 100, manchmal auch mehr Patienten“, sagt Klaus Dresing, Leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie im Uniklinikum.

Und: „Alkoholisierte Patienten kommen bereits ab 12 Uhr mittags, verstärkt natürlich zu vorgerückter Stunde.“  Die Unfallchirurgen behandeln in der Notaufnahme zum Jahreswechsel nicht nur Verletzungen, die durch Feuerwerkskörper entstanden sind. Auto- und Fahrradunfälle, Blessuren nach Schlägereien, Verbrennung beim Fondue-Essen oder Schnittverletzungen, beispielsweise durch Stürze in Glasscherben, zählt Dresing außerdem auf.

Besonders gefährliche Verletzung resultieren aber oft aus unsachgemäßem Umgang mit Feuerwerkskörpern. „Mehrfach mussten wir schwere Weichteilschäden behandeln. Ursache ist oft eine vermeintliche Mutprobe, nämlich den Böller  möglichst lange in der Hand zu halten“, so der Professor. Das Ergebnis  gehe über Verbrennungen der Hand bis hin zu Verlusten von Finger- und Handanteilen.

„Das erfordert stundenlange Operationen, Rekonstruktionsversuche und zahlreiche weitere Operationen“, so der Mediziner.

„Einmal landete eine quer fliegende Feuerwerksrakete im Dekolleté einer Frau, jedoch ohne bedrohliche Verletzungen“

„Bis zu zehn Patienten“ werden jährlich allein mit Feuerwerksverletzungen im Weender Krankenhaus behandelt. „Dabei handelt es sich überwiegend um lokale Verbrennungen“, sagt Tobias Harder, ärztlicher Leiter der Notaufnahme dort. Am häufigsten betroffen: „Definitiv die Hände“, so Harder weiter.

Der Mediziner berichtet zudem, dass unter Alkohol-einfluss die Vorsicht im Umgang mit Feuerwerkskörpern stark nachlasse. „Besonders schlimm sind Augen- und Gesichtsverletzungen“, so der Arzt. „Bei sehr schweren Verletzungsmustern werden die Patienten in der Regel in die UMG verlegt“, so Presseprecher Stefan Rampfel.

Ein besonderer Fall, an den sich das Team aus Weende erinnert: „Einmal landete eine quer fliegende Feuerwerksrakete im Dekolleté einer Frau, jedoch ohne bedrohliche Verletzungen“.

Schlimmer war ein Fall, an den sich Klaus-Michael Stürmer, Leiter der Unfallchirurgie im Uniklinikum, erinnert: Nach der Explosion eines Feuerwerkskörpers in der Hand eines Patienten war die Hand durch die Gase „bis in die feinsten Poren balloniert“. Das heißt, die aufgeblasene Hand musste überall eröffnet werden, um schwerste  lokale Durchblutungsstörung  und das Absterben von Muskeln, Nerven und Haut zu verhindern.

Die Unfallchirurgen im Klinikum  halten ihr Team rund um die Uhr für Notfälle bereit. „Aufgrund des hohen Patientenaufkommens ist aber zeitweise mit verzögerter Behandlung zu rechen“, so Dresing.

Brot und Böller

„Brot statt Böller“ heißt seit mehr als 30 Jahren die Spendenaktion der evangelischen Aktion „Brot für die Welt“.

In den Göttinger Kirchen läuft bereits seit dem ersten Advent die Sammlung für Brot für die Welt. Und das erfolgreich. „Die Göttinger haben in diesem Jahr, vor allem am Heiligen Abend, sehr großzügig gespendet“, sagt Superintendent Friedrich Selter.

Er freut sich über die Bereitschaft, etwas an arme Menschen in aller Welt abzugeben. Dennoch: „Silvester ganz ohne Feuerwerk und Böller kann ich mit nicht vorstellen“, sagt der Chef des Kirchenkreises Göttingen.  Und der Slogan Brot statt Böller? Selter sieht das so: „Man kann doch das eine tun ohne das andere zu lassen“.

BMA-Nummer beachten

Feuerwerk ist in zwei Kategorien unterteilt, in Klasse eins und Klasse zwei. Klasse eins ist auch für Kinder ab zwölf Jahren erlaubt. Dazu zählen beispielsweise Knallerbsen, Knallbonbons, Tischfeuerwerke, Wunderkerzen und Partyknaller. Echte Pyrotechnik der Klasse zwei darf erst ab  einem Alter von 18 Jahren gekauft werden.

Im Umgang mit diesen Raketen, Batterien, Knallkörpern, Sonnenrädern oder China-Böllern sollte man einige Regeln beachten, damit  der Jahreswechsel nicht in der Notaufnahme oder mit einem Feuer endet.

Uwe Ahrens (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde
Katlenburg-Lindau, hat Tipps zusammengestellt:

  • Vorsicht  vor Knallerschnäppchen, sie sollten eine  BAM-(Bundesanstalt für Materialforschung)- Nummer  tragen.
  • Das Abbrennen des Feuerwerks ist nur am Silvester- und Neujahrstag gestattet.
  • In Niedersachsen sind Himmelslaternen aus Brandschutzgründen verboten.
  • Gebrauchsanweisung der Feuerwerkskörper in aller Ruhe lesen, nicht erst kurz vor zwölf.
  • Personen mit erhöhtem Alkoholkonsum sollten das Zünden anderen überlassen.
  • Feuerwerkskörper und Raketen nicht auf Menschen oder Tiere richten oder in deren Richtung werfen.
  • Raketen immer senkrecht, am besten aus einer leeren Flasche als Startrampe, abfeuern.
  • Auf Bäume und Dachvorsprünge achten. Diese können, genau wie heftiger Wind, die Feuerwerkskörper in die falsche Richtung lenken.
  • Möbel und andere brennbare Gegenstände von Balkonen und Terrassen entfernen.
  • Angezündete Knallkörper sofort wegwerfen. Blindgänger niemals erneut anzünden.
  • Und wenn doch einmal etwas schief geht: Im Notfall sofort die Feuerwehr oder den Rettungsdienst über die Telefonnummer 112  anrufen.
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