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Zweimal zu hoch gebaut

Ein Bau stillgelegt, der andere nicht Zweimal zu hoch gebaut

Zwei Häuser, die derselbe Bauherr höher als der Bebauungsplan (B-Plan) erlaubt, gebaut hat, beschäftigen derzeit die Stadtverwaltung. Ein Fall davon wird demnächst vor dem Göttinger Verwaltungsgericht verhandelt.

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Quelle: Wenzel

Göttingen . Fall 1: das Wohnhaus Sternstraße 7 am Platz des ehemaligen Sternkinos. Der Neubau überschreitet die im B-Plan festgesetzte Maximalhöhe um einen halben Meter. Das wollte sich ein Nachbar nicht bieten lassen und informierte die Göttinger Stadtverwaltung über den Verstoß. Aber: Die lehnte es ab, den Bauherrn aufzufordern, den Missstand zu beheben. Das wiederum will der Nachbar nicht hinnehmen und klagt gegen die Stadt.

Die Stadt räumt die Überschreitung von Trauf- und Firsthöhe ein, begründet ihre Untätigkeit jedoch damit, dass in diesem Fall die sogenannte „Schädlichkeitsgrenze“ nicht überschritten sei. Die Verwaltung habe einen Ermessensspielraum, erklärt Verwaltungssprecher Detlef Johannson, den sie in diesem Fall ausnutze: „Die derzeitige Beeinträchtigung lässt nicht den Schluss zu, dass ein dermaßen gravierender Zustand besteht, der nur durch einen Rückbau des Bauvorhabens beseitigt werden kann.“ Die vom Nachbarn vorgetragenen Ärgernisse eines übermäßigen Schattenwurfs durch die zu hohe Bauweise ließen sich durch einen Rückbau kaum beheben. Weil ein nur geringfügiger Rechtsverstoß vorliege, sei die Klage vor dem Verwaltungsgericht unbegründet. Johannson betont jedoch, dass unabhängig von dieser Duldung durch die Bauaufsicht Bußgeldverfahren liefen.

Fall 2: das Gebäude Über den Bühwiesen 1b am Pastor-Sander-Bogen im Kiessee-Karree. In diesem Fall ist die Stadtverwaltung tätig geworden. Vor gut anderthalb Jahren wurde die Baustelle stillgelegt. Begründung: zu hoch gebaut. Der Rohbau, in den oberen Stockwerken noch ohne Fenster, sorgt in der Nachbarschaft für Verärgerung. Mal würden in dem Bau lautstark Feste gefeiert, öfter auch mal gezündelt, berichten Anwohner. Die Feuerwehr habe bereits mehrfach anrücken müssen.

Beide Gebäude hat die Firma W&M Immobilien errichtet. Deren Geschäftsführer Wolfgang Wucherpfennig erklärt zum stillgelegten Bau im Kiesseekarree, „dass wir im Besitz einer positiv beschiedenen Bauvoranfrage sind, die uns erlaubt, das Objekt Über den Bühwiesen 1B unter Einhaltung der genehmigten Traufhöhe und unter Ausnutzung der im B -Plan erlaubten Dachneigung weitaus höher zu bauen als bisher“.  Die städtebauliche Zielsetzung, teilt Wucherpfennig weiter mit, „scheint damit in gewisser Hinsicht ad absurdum geführt“. Ihm sei bewusst, dass sich die Bewohner in der unmittelbaren Nachbarschaft die Fertigstellung des Gebäudes wünschten.

Die Höhenüberschreitung des Neubaus Sternstraße 7 erklärt Wucherpfennig mit zusätzlich nötigen Dämmaufbauten für die Zwischendecken. Darüberhinaus will der W&M-Geschäftsführer zum diesem Gebäude „aus Rücksichtnahme auf laufende Gerichtsverfahren“ keine Stellungsnahme abgeben.

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