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Flohmarkt-Familie mit „Uhren-Helmut“ und Magic Willy

Lokhalle Flohmarkt-Familie mit „Uhren-Helmut“ und Magic Willy

Magic Willy steht vor einer glänzenden Violine, die in einem aufgeklappten Koffer an der Wand hängt. Mit schnellen Handgriffen bastelt er kleine Luftballontiere, rosa Hunde, grüne Katzen und gelbe Giraffen. Magic Willy, der Mann mit der schwarz-weiß karierten Mütze, ist Zauberer. „Es ist ein Ausnahmefall, dass ich heute hier bin“, sagt er.

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Bringen jede Uhr wieder in Ordnung: Helmut Hille und seine Frau Anne-Marie sind zum zwölften Mal beim Antik- und Trödelmarkt in der Lokhalle dabei.

Quelle: Heller

Mit „hier“ meint er den Antik- und Trödelmarkt in der Göttinger Lokhalle. 300 Aussteller haben dort auf 5000 Quadratmetern ihre Stände aufgebaut und bieten von restaurierten Antikmöbeln bis hin zu scheinbar nutzlosem Nippes alles an. Da finden sich schmucke Gründerzeit-Kommoden ebenso wieder wie Feuer speiende Plastikdrachen „Made in China“. Vor den vollgestopften Ständen schieben sich die Besucher an Silberbesteck, Porzellan, Lampen, Schallplatten, Zinnsoldaten, Puppen, Spiegeln und Bildern vorbei. Überall wird geguckt, angefasst, ausprobiert, gefeilscht, getauscht und eingekauft.

Mit seinem kleinen Stand scheint Magic Willy alias Wilhelm Kinadeter hier nicht hin zu passen. „Ich bin zum ersten Mal auf einem Flohmarkt“, sagt er und erklärt, wie es zu der Premiere kam: „Meine Frau hat gesagt, es muss mal Platz geschaffen werden.“ Einen Satz Möbelrollen habe er schon verkauft, freut sich der Göttinger. Auch Shell-Sammelmünzen zur Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexico hat er mitgebracht. Da werden bei einem Schwätzchen mit den stöbernden Kunden Erinnerungen an Trainerlegende Helmut Schön und den „Bomber der Nation“, Gerd Müller, wach. Und nebenbei führt Willy seine Zaubertricks vor.

Flohmarkt-Neulinge wie Kinadeter werden von „alten Hasen“ wie Helmut Hille gerne in die „Flohmarkt-Familie“ aufgenommen. Das zwölfte Mal ist Helmut mit seiner Frau Anne-Marie beim Antik- und Trödelmarkt dabei. Auf Uhren hat er sich spezialisiert. Wecker, Armbanduhren, Taschenuhren, Wanduhren. 1000 Stück habe er „irgendwann mal aufgekauft“, neue und kaputte. „Ich bastele rum, bis sie wieder funktionieren. Das habe ich wohl von meinem Vater übernommen“, sagt „Uhren-Helmut“, der eigentlich gelernter Installateur im Ruhestand ist, während zwei junge Frauen über seine Wecker-Sammlung staunen.

Ihre eigenen Wachhunde hat Karin Langner aus Friedland mitgebracht. Bulldogen- und Pitbull-Figuren stehen leblos vor ihrem Stand, an dem sie Fantasy- und Gothic-Accessoires anbietet. Die Totenköpfe, die sie sonst auf Tattoo-Messen verkauft, hat sie heute nicht dabei. „Hier in der Lokhalle ist ein anderes, eher familiäres Publikum“, sagt sie.

Mehrere Modelle Handschellen gibt es bei Franz Partheimüller aus Sehlem: die DDR-Variante aus Aluminium mit einem großen Schlüssel, die „leicht zu knackenden aus dem ehemaligen West-Deutschland“, massive FBI-Schließer und „eine leichte Version fürs Bett“, schmunzelt er. Sein Schatz unter den Handschellen ist bereits leicht verrostet. „Die sind aus dem Mittelalter“, versichert Partheimüller.

Glücklicherweise lassen sich die Handschellen nach einer Anprobe leicht wieder öffnen. Zwischen dem Gefeilsche von Händlern und Kunden lässt sich auch leise Musik vernehmen. Sie kommt aus einer polyphonen Spiel-Dose, die aussieht wie ein kleines Grammophon und mit löchrigen Metallscheiben bespielt wird.

[Björn Dinges]

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