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Flohmarkt am Göttinger Schützenplatz zieht viele Besucher

Eichhörnchen von 1978 Flohmarkt am Göttinger Schützenplatz zieht viele Besucher

Organisiertes Chaos: Für Flohmarkt-Laien sieht die Ansammlung von Ständen im besten Falle chaotisch aus. Kenner wissen dagegen, wo sie wühlen müssen. Und von denen gab es auf dem Flohmarkt am Schützenplatz am Wochenende eine ganze Menge.

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Quelle: Heller

Göttingen. Roland („einfach nur Roland“) ist definitiv ein Profi. Die Arme verschränkt, lehnt er gegen 11 Uhr am Auto, vor dem er seinen Stand mit Antiquitäten  aufgebaut hat. „Alles kein Ramsch“, meint Roland und grinst vielsagend. Nur: Für Menschen, die nichts von Antiquitäten verstehen, sehen die Gegenstände in seiner Auslage wahrscheinlich genau danach aus. Roland hält eine unscheinbare Klemmlampe hoch. „Das ist eine Bakelit-Lampe. Die kostet 60 Euro!“ Diesmal liegt eine Spur von Schelte in seiner Stimme, aber Roland hat Verständnis für das Unverständnis vieler Leute.

„Ich hatte auch mal ein grottenhässliches Glasgefäß zum Verkauf, das ich eigentlich wegschmeißen wollte“, erzählt er. Zumindest, bis andere Händler auf das gute Stück aufmerksam geworden seien und sich „fast geprügelt hätten“. Viele Waren auf Flohmärkten gehen nämlich nicht an die Besucher: Als erstes streifen die Händler selbst über den Markt und suchen nach Schnäppchen. Verkauft hat er die Schale dann schließlich für 70 Euro. Per Zufall hat Roland irgendwann eine Händlerin getroffen, bei der seine Schale ebenfalls Zwischenstation gemacht hat. Letztendlich habe ihr das „grottenhässliche Gefäß“ 600 Euro eingebracht. Dieser Preis ist vermutlich ein guter Beweis dafür, dass man über Geschmack nicht streiten kann.

Auch ausgestopfte Tiere sind Geschmackssache. Horst Jakobsohn hat davon eine ganze Menge im Angebot. Alles da, vom Dachs bis zum Wiesel. „Es gibt viele Liebhaber, die sich das zu Hause hinstellen“, erzählt Jakobsohn. Die Sammlung habe er einem Jäger abgekauft, das Todesjahr, manchmal sogar die Uhrzeit, sind auf der Rückseite der Ständer notiert. Nur warum sich Fuchs und Hase zum letzten Mal gute Nacht sagen mussten – das steht nirgends. Für Interessierte: Ein armes Eichhörnchen von 1978 kostet rund 35 Euro, für einen Dachs werden 65 Euro fällig. Wobei natürlich gehandelt werden darf. „Dafür sind wir hier schließlich auf dem Flohmarkt“, meint Jakobsohn.

Bei Jörg Pape gibt es auch Tiere. Gestapelte Schweine, um genau zu sein – allerdings aus Holz. Pape hat fünf Jahre in Nepal gelebt und verbringt jedes Jahr vier bis fünf Wochen in Kathmandu. Dort kauft er verschiedene Waren wie die hölzernen Glücksbringer oder handgeschöpftes Papier. Auch eine ganze Reihe von Klangschalen hat Pape im Angebot. „Normalerweise bin ich auf Antikmärkten unterwegs“, erzählt er. Die Waren erreichen ihn einmal im Jahr über den Seeweg in einem Schiffscontainer. Und ihre Reise ist auf dem Flohmarkt bestimmt noch längst nicht zu Ende.
Von Jonas Rohde

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