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Ein VW-Käfer und eine unvergessliche Reise

Göttinger bei „Rallye-Dresden-Dakar-Banjul“ Ein VW-Käfer und eine unvergessliche Reise

„Man sieht die Dinge mit anderen Augen“, sagt Florian Töpperwien. Drei Wochen lang war der Göttinger mit einem VW-Käfer von Dresden bis nach Gambia unterwegs. Dort versteigerte er den Wagen für einen guten Zweck, der ihm Tränen in die Augen trieb.

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Quelle: r

Göttingen. Die ersten 3.000 Kilometer durch Europa seien problemlos verlaufen, erzählt der gelernte Kfz-Mechaniker. Am spanischen Fährhafen Algeciras hätten die 50 Teams der "Rallye-Dresden-Dakar-Banjul“   mit ihren Fahrzeugen ins „saftige Nordmarokko“ übergesetzt, wo der Frühling längst angekommen war und alles zum Blühen gebracht hatte, beschreibt Töpperwien. Doch so idyllisch und entspannt sollte es nicht bleiben.

Sie fuhren über Marrakesch und durch das Atlas-Gebirge - das Panorama wechselte von mediterran zu kahl-trocken. Im südmarrokanischen Guemin angekommen, krachte dem Göttinger im Kreisverkehr ein Taxi in die Seite seines Käfers. „Etwas, was man überhaupt nicht gebrauchen kann“, sagt Töpperwien. Um den Unfallort bildete sich eine auf arabisch diskutierende Menschentraube. Ein Polizist konnte schließlich vermitteln: „Ich sei zwar nicht schuld, aber der Taxifahrer habe den größeren Schaden. Außerdem sei ich wohlhabender.“

Statt den Unfall von der Polizei aufzunehmen zu lassen, wie man das aus Deutschland kennt, setzten sich der Rallye- und der Taxifahrer in ein Café, tranken Tee und einigten sich auf eine Zahlung von 50 Euro, die Töpperwien an Ort und Stelle beglich. 

Danach folgten fünf lange Tage ohne Zivilisation, Tanken und Handy-Empfang. „Mauretanien war wie ein Kaugummi“, erzählt Töpperwien. Da die Route durch Gebiete führte, in denen auch Terrorgruppen ihr Unwesen trieben, wurde der Konvoi von 30 mauretanischen Militärs begleitet. „Die kamen mit Turbanen und Maschinengewehren. Wir dachten nur: Ach du Heiland.“ Doch die auf beiden Seiten vorhandenen Vorurteile hätten sich schnell als „Quatsch“ herausgestellt. „Wir haben zusammen Drachen steigen lassen“, sagt Töpperwien lachend. Die Tage in der Wüste seien „ein tolles Erlebnis“ gewesen.

Nachdem sie fünf Tage lang nicht geduscht hatten, erreichten die Rallye-Fahrer Mauretaniens Hauptstadt Nuakschott. „Eine Stadt in der Wüste, dreckig und zugemüllt“, erzählt der Käfer-Fahrer. Dazu viele Kinder, die am Straßenrand bettelten. „Ich war wirklich geschockt“, erinnert sich Töpperwien. Etwas weiter, im Senegal, bot sich ein  ganz anderes Bild: Alles sei bunt gewesen, die Leute hätten gestrahlt vor Fröhlichkeit. „Da habe ich mich total drin verguckt.“

Mit einer ehemaligen Rheinfähre setzten die Fahrer über den gleichnamigen Fluss, den Senegal, ehe sie nach der letzten Etappe in Gambia ankamen. In der Zielstadt Banjul wurden alle Fahrzeuge versteigert, für 100000 Euro. „Wahnsinnig viel Geld für die Leute da unten“, sagt Töpperwien. Sein VW-Käfer gehört mit einem Erlös von 3300 Euro zu den teureren Fahrzeugen. Es sei „ein komisches Gefühl“ gewesen, ihn dort lassen zu müssen. Aber: Vom Gesamterlös werden Hilfsprojekte finanziert. Bevor es zurück nach Deutschland ging, besuchte Töpperwien eine Krankenstation und eine Schule. „Das berührt einen. Du stehst da und hast Tränen in den Augen“, sagt Töpperwien. Er sehe viele Dinge nun mit anderen Augen. Auf die Frage, was man im Leben wirklich braucht, antwortet er: „Nicht viel.“ yah

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