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Flüchtlinge auf den Zietenterrassen erholen sich von Strapazen der Flucht

Tag eins nach der Ankunft Flüchtlinge auf den Zietenterrassen erholen sich von Strapazen der Flucht

201 Flüchtlinge leben seit Freitag in der Sporthalle auf den Zietenterrassen, darunter auch eine Mutter mit ihrem dreimonatigen Kind. Die Menschen seien sehr erschöpft, sagt Gesamteinsatzleiter Frank Beckmann vom DRK. „Und total dankbar.“

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Quelle: CR

Göttingen. Es ist 12 Uhr mittags am Sonnabend, Tag eins nach der Ankunft der Flüchtlinge auf den Zietenterrassen. Beckmann, Gesamteinsatzleiter Flüchtlingshilfe des DRK-Kreisverbands Göttingen-Northeim, führt mit anderen Verantwortlichen der Flüchtlingshilfe über das Areal. Dort stehen Container mit Sanitäranlagen und Duschen. Es gibt eine Kleiderkammer und eine medizinische Erstversorgung.

In der ehemaligen Bundeswehrsporthalle haben die Neuankömmlinge ihre erste Nacht verbracht. Einige werden vier bis sechs Wochen bleiben, andere nach ein paar Tagen wieder verschwinden. Zu Familienangehörigen in Deutschland, die meisten aber Richtung Norden. „Es gibt eine Abwanderungstendenz nach Norwegen, Schweden und Dänemark“, sagt Beckmann.

Alles sei sehr ruhig und geordnet abgelaufen bei der Ankunft, sagt Beckmann. „Das sind überwiegend sehr dankbare und freundliche Menschen.“ Die Flüchtlinge seien registriert und medizinisch untersucht worden. Körperlich gehe es den meisten gut. Anders sieht es mit der seelischen Verfassung aus. Viele seien von der langen Flucht gezeichnet und teilweise traumatisiert, sagt Beckmann. Manche seien bis zu drei Monate lang unterwegs gewesen.

Ein Vater habe ihm berichtet, wie er bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland in einem Schlauchboot stundenlang seinen Sohn umklammert habe, weil das Boot immer wieder drohte zu kentern. „Da sind mir die Tränen gekommen“, sagt Beckmann. Auch eine Mutter mit ihrem drei Monate alten Kind befindet sich unter den Flüchtlingen. „Das Baby muss kurz vor oder während der Flucht geboren worden sein. Aber es geht ihm gut“, erzählt Beckmann.

Jetzt benötigten die Menschen Zeit und Ruhe. „Hier sind sie gut aufgehoben“, sagt Beckmann. 35 Dolmetscher waren allein am Freitag im Einsatz. Die meisten haben sich freiwillig gemeldet und irgendwann einfach am Eingang der Unterkunft gestanden. In der Halle wurde versucht, Menschen gleicher Herkunftsländer zusammenzulegen. Außerdem benötigen die 50 Kinder besondere Zuwendung. Das sei am Freitagabend das Schönste für die 40 Ehrenamtlichen des DRK gewesen, sagt Beckmann: „Die Kinder lachen zu hören. Das ist für uns Helfer ein unbeschreibliches Gefühl.“

Auch der SC Hainberg kümmert sich. Der Verein hat bereits einen Stundenplan mit sportlichen Angeboten erarbeitet. Die Funsporthalle  wird aber auch wieder für den ganz normalen Sportbetrieb geöffnet, obwohl dort auch
das Catering untergebracht ist.

Außerdem sollen die tristen Zäune bunter werden. Der SC Hainberg will die grauen Folien an den Zäunen von Jugendlichen mit Graffiti verschönern lassen. Daran können sich auch die Bewohner beteiligen.

Kleidung, Koffer und Schuhe gesucht

Für die Flüchtlinge werden vor allem Sachspenden wie Kleidung, Koffer und Schuhe benötigt. Das sollte aber am besten beim dafür eigens von der Stadt eingerichteten Spendenzentrum an der Robert-Bosch-Breite 1 abgegeben werden, sagt Jörg Kortebröcker, verantwortlich für Zivil- und Katastrophenschutz bei der Stadt Göttingen. Bürger, die direkt im Camp helfen wollen, könnten sich auch dort melden, sagt Beckmann.

Außerdem suche das DRK auch noch hauptamtliche Helfer. Allein mit Freiwilligen sei die Aufgabe auf Dauer nicht zu stemmen. Denn auch die Helfer sind am Limit: Beckmann und sein Kollege Boris Bockler sind seit 14 Tagen im Einsatz – ehrenamtlich. Das sei nur mit einem kulanten Arbeitgeber möglich, sagen die beiden. Und mit viel Selbstlosigkeit. „Ich habe meinen ganzen Jahresurlaub dafür hergegeben. Aber ich wollte, dass es gut wird hier“, sagt Beckmann.

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