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Flüchtlinge schildern ihr Schicksal

Aus Eritrea übers Mittelmeer nach Deutschland Flüchtlinge schildern ihr Schicksal

Seit seiner Kindheit ist Ashber auf der Flucht. Als protestantischer Christ sei er in Eritrea verfolgt worden, sagte der heute 30-Jährige bei einer Veranstaltung in der katholischen Hochschulgemeinde.

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Flüchtlinge mit Rechtsanwältin Kareba Hagemann (r.): Khaled, Liliyan und Ashber (v.l.).

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Drei Flüchtlingen hatte die Kirchengemeinde St. Michael die Gelegenheit gegeben, öffentlich von ihren Schicksalen zu erzählen. Die Rechtsanwältin Kareba Hagemann, die die Flüchtlinge vertritt, übersetzte deren Darstellungen.

Die Familie sei zunächst in den Sudan geflohen, als das Haus bei einem Gebet gestürmt und der Vater verhaftet worden sei, erzählte Ashber – der Auftakt für eine gefährliche Odyssee. Er sei weitergeflohen, als die Lage auch im Sudan für Christen bedrohlich geworden sei. Über die Sahara sei er nach Libyen gelangt.

Von dort aus habe er  das Mittelmeer mit 400 Menschen in einem Boot überquert und Schiffbruch erlitten. Er und seine Frau seien jedoch gerettet worden. In Italien sei er zwar ohne Anhörung anerkannt, aber von den Behörden misshandelt worden und ohne jede Unterstützung geblieben. Deshalb sei er nach Deutschland weitergereist. Eigentlich müsste er nach Italien zurück, doch er ist hier derzeit geduldet, zumal er mit seiner Frau mittlerweile ein Kind hat.

Die 43-jährige Liliyan und der 35-jährige Khaled sind nach eigenen Angaben aus dem Irak geflohen – sie als Christin, er als Jeside. Beide berichten von Gräueltaten der Terrormiliz IS – von Vertreibungen, Massenmord und Versklavungen von Frauen und Mädchen. Sie erzählen von Begegnungen mit gebrochenen Menschen. Khaled hat nach eigenen Angaben Frau und Kinder in einem Flüchtlingslager im Nordirak zurückgelassen, um ihnen den Weg in ein besseres Leben zu bahnen. Für seinen gefährlichen Transport nach Deutschland habe er Schleusern 10 000 Dollar bezahlt.

Die Besucher der Veranstaltung fragten nach, wie Flüchtlingen geholfen werden kann. Das wichtigste, sei auf die Flüchtlinge zuzugehen und Zeit mit ihnen zu verbringen, so Hagemann, die selbst aus dem Irak stammt und als Flüchtlingskind mit ihrer Familie nach Deutschland kam. Es gebe ein großes Bedürfnis nach Zwischenmenschlichkeit, erläuterte die Rechtsanwältin. Andere Besucher verwiesen auf die Möglichkeit, sich an bestehende Einrichtungen und Initiativen wie das Migrationszentrum in der Weender Straße 42 und „Göttingen hilft“ ( goettingen-hilft.de) zu wenden.

Auf die christliche Dimension des Themas wies Jesuitenpater Theo Schneider von der Citykirche St. Michael hin. Die Bibel sei voll von Flucht- und Vertreibungsgeschichten – von Jakob über Moses bis hin zum Flüchtlingskind Jesus. Die Bibel erzähle solche Schicksale, heute gebe es sie mitten in Deutschland.

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