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IWF schließen, Siekhöhe beibehalten

Stadtverwaltung über Flüchtlingsunterkünfte IWF schließen, Siekhöhe beibehalten

Auch nach einer zweiten Analyse will die Verwaltung der Stadt Göttingen ihr Flüchtlingswohnheim im früheren IWF am Nonnenstieg schließen und die umstrittene Einrichtung im Gewerbegebiet Siekhöhe weiter führen. Aus Protest dagegen sollen am Dienstag 1000 Unterschriften im Sozialausschuss des Rates übergeben werden.

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Ein "Zimmer" in der Unterkunft an der Siekhöhe

Quelle: Archiv

Göttingen. Zu wenig Platz, weniger Betreuungsangebote vor Ort und kaum Möglichkeiten, entsprechend nachzurüsten: So lassen sich die Argumente der Stadtverwaltung zusammenfassen, warum sie das Flüchtlingswohnheim im ehemeligen IWF-Gebäude am Nonnenstieg zu Gunsten einer weiteren Einrichtung am Anna-Vandenhoek-Ring jetzt doch schließen will.

Im Mai hatten die Ratspolitiker im Fachausschuss für Soziales und Integration eine Entscheidung darüber, welches der beiden Flüchtlingswohnheime geschlossen werden sollen, noch einmal vertagt. Zugleich hatten sie die Verwaltung mit einer zusätzlichen Prüfung beauftragt. Sie sollte vor allem ermittelt, ob sich "die räumlich bedingten Vorteile" der Einrichtung im Siekanger auf die Unterkunft am Nonnenstieg übertragen lassen. Dazu gehören nach Verwaltungsangaben unter anderem eine höhere potenzielle Platzzahl, eine bessere medizinische Versorgung, Vollverpflegung und ein großes "umfangreiches Freizeitangebot" durch das Deutsche Rote Kreuz.

Nach ihrer erneuten Analyse schlägt die Verwaltung jetzt vor, die Einrichtunng am Nonnenstieg im August 2018 zu schließen und das Wohnheim in einer umfunktionierten Lagerhalle am Siekanger weiter zu betreiben. Der Fachausschuss soll an diesem Dienstag entscheiden, abschließend der Verwaltungsausschuss des Rates in knapp zwei Wochen.

Gegen diese Pläne protestiert seit Wochen ein Netzwerk verschiedener Initiativen, zu dem auch Vereine gehören, die ehrenamtlich Flüchtlinge betreuen. Sie kritisieren generell eine Unterbringung von Flüchtlingen in nicht komplett voneinander getrennten Wohneinheiten in einer umfunktionierten Lagerhalle im abgelegenenen Gewerbegebiet Siekhöhe. "Das ist einfach auch menschenunwürdig", sagte der Vorsitzende der "Initiative Willkommen Flüchtlinge" am IWF, Konrad Kelm. Und sie werfen jetzt der Verwaltung in einem Schreiben an die Ausschussmitglieder vor, den Vergleich mit dem Nonnenstieg "unvollständig und einseitig" vorgenommen zu haben. In einem eigenen Vergleich listen sie zum Beispiel auch Lage, Busanbindung, Zimmerausstattung und dezentrale Freizeitangebote zur besseren Integration auf. Ihren Einsatz gegen eine "Lagerhallen-Unterkunft" und für den Nonnenstieg unterstützen in einer Unterschriftenaktion bisher knapp 1000 Mitstreiter.

Hintergrund der eigentlichen Debatte sind eine weitaus geringere Flüchtlingszuweisung für Göttingen als erwartet und Pläne, bis Herbst 2018 vier von zwölf Flüchtlingsunterkünften mit zusammen 424 Plätzen zu schließen. Damit sollen monatlich 140 000 Euro eingespart werden. Beschlossen ist dies inzwischen für die Einrichtungen an der Gustav-Bielefeld-Straße 8a (Grone), an der Großen Breite 10 (Weende) und im ehemaligen Gebäude der Voigtschule an der Bürgerstraße.

Die Betreuung auf der Siekhöhe, wo die Kosten pro Platz auch durch einen langfristige Mietvertrag am höchsten sind, soll aufrechterhalten bleiben. Beschlossen ist inzwischen auch, 150 von 300 Plätze in einer neuen und noch nicht bezugsfertigen Unterkunft am Albrecht-Thaer-Weg an das Studentenwerk zur Vermietung an Studierende zu übergeben. Würde das Wohnheim am Nonnestieg geschlossen, bliebe jetzt noch eine Reserve von 268 Plätzen, rechnet die Verwaltung vor. Würde die Anlage am Siekanger geschlossen, bliebe eine Reserve von 208 Plätzen.   

Der Ausschuss tagt am Dienstag, 13. Juni, ab 18.45 Uhr im Neuen Rathaus.

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