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Försterin, Buchhalterin, Kauffrau und Künstlerin Mary von Stockhausen

Forst-Serie Teil 4 Försterin, Buchhalterin, Kauffrau und Künstlerin Mary von Stockhausen

Das Thema hat schon Kinosäle gefüllt: eine Frau und ihr Wald, die Holzbaronin, die sich in der rauen Männerwelt der Holzwirtschaft durchsetzen muss. Mary von Stockhausen ist wirklich eine Baronesse. Ihre Vorfahren lebten einst als Raubritter auf der Bramburg und kontrollierten die Wege entlang der Weser.

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Quelle: Gückel

Löwenhagen. Und sie bewirtschaftet einen der größten Wälder der Region: fast 600 Hektar im Bramwald, außerdem noch einmal fast 1000 Hektar Kiefernwälder in der Uckermark. Das alles ganz allein. Sie ist ihr eigener Förster, ihr eigener Buchhalter, ihr eigener Kaufmann, wenn es darum geht, aus dem geschlagenen Holz Geld zu machen. Sie hat Kunst studiert und als Künstlerin gearbeitet. Und sie ist im Schloss Löwenhagen Hausherrin und Mutter zweier Kinder.

Die Familie hat Mary gut vorbereitet. „Ich bin quasi im Wald groß geworden.“ An der Hand der Großtante ging die junge Baronesse bereits als Mädchen täglich in den Wald. Mit dem Vater, einem umsichtigen Forstmann, wie sie anerkennend sagt, befuhr sie auch als Jugendliche die Familienwälder wenn es ums Nachpflanzen, Durchforsten, ums Auszeichnen und Fällen ging.

Sie hat zwar in England und Schottland Kunst studiert, hat sich auf Glaskunst und Kollagen spezialisiert, das Kunstgeschäft aber bleibt ihr suspekt. Sie hat sich auch gründlich ausbilden lassen in verschiedenen Forstbetrieben. Beim Grafen von Westfalen hat sie viele verschiedene Reviere kennengelernt, beim Grafen Schulenburg in Wolfsburg und Fürst Löwenstein im Spessart war sie zur Ausbildung, und sogar in Ostfriesland lernte sie Waldwirtschaft kennen, hier spezialisiert auf Ziergehölze. „Ganz unterschiedliche Waldbilder und Herangehensweisen“, sagt sie.

Wichtigster Lehrmeister aber ist der Vater. Seit 2002 führt sie den Forstbetrieb, zunächst noch als GbR, seit fünf Jahren allein. Der Vater hilft mit seinem Fachwissen. Er hat den Grundstock gelegt, damit es gut geht in Zeiten schwankender Holzpreise. Er hat nicht nur die Forsten des nach dem Krieg auf drei Geschwister aufgeteilten Erbes wieder zusammengeführt, sondern nach der Wende auch in der Uckermark zwischen Fürstenberg und Templin 1000 Hektar Kiefernwald erworben. Mit Buchen und Fichten hier (je 45 Prozent) und dem Nadelholz dort lässt sich stabil wirtschaften.

„Streichen Sie den Satz, er könnte zynisch klingen“

Weil im Bramwald der Rotwildbestand gering sei, komme ihr Wald ganz mit Naturverjüngung aus. Nur nach dem Sturm Kyrill habe sie nachpflanzen müssen,  „einzelne Nester, das hat gereicht“. Mit Buchen und Fichten entstehe ein schöner Mischwald. Man müsse nur hinreichend lichten, damit die Fichen gedeihen. Bei den Buchen setzten sich die starken Bäume von allein durch. Einige Prachtexemplare hat sie, Mutterbuchen, 300 bis 400 Jahre alt. Die schönsten Fichten aber hat sie im Sturm verloren, solche mit staatlich anerkanntem Saatgut.

Überhaupt Kyrill: „Streichen Sie den Satz, er könnte zynisch klingen.“ Gerade hat sie erklärt, dass der Orkan für sie zur genau rechten Zeit kam. „So einen Sturmschaden wünscht man zu keiner Zeit.“ Kyrill kam im Januar 2007, sieben Monate später kam ihr Sohn. Sie war schwanger, als der Orkan auf 400 Meter Höhe Schneisen in die Bestände schlug. Alles musste schnell aufgearbeitet und verkauft werden. Bis Juli war das geschafft, „supergut, weil mir auch alle geholfen haben“. Danach hatte sie drei Wochen zum Ausruhen und einen ganzen Winter für ihr Baby. Denn nach Kyrill war erst einmal Geld da, und eingeschlagen musste auch nicht mehr werden - das hatte für jenes Jahr der Sturm schon.

Die heute 40-Jährige hat inzwischen noch eine Tochter. Ehemann Christian ist Fotograf. Um nicht so oft in die Uckermark fahren zu müssen, will sie dort als einzigen Angestellten einen erfahrenen Vorarbeiter einstellen. Sie spricht mit viel Respekt von dem langjährigen Helfer beim Einschlagen. Ebenso von ihrem Forstunternehmer, mit dem die Familie seit 30 Jahren die Ernte einschlägt. Vielleicht ist dies das Geheimnis der Frau, die sich in einer männerdominierten Holzwirtschaft durchsetzt. Sie erkennt an, was die Waldarbeiter leisten und können. Und sie macht beim Verkauf, wenn Männer sich aufs Kräftemessen einlassen, einfach nicht mit. Aber, sagt sie: „Wenn einer der Machos denkt, ich hätte keine Ahnung, dann irrt der sich.“

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