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Forscher: Hann. Münden verliert bis 2025 wahrscheinlich 2400 Bürger

Einwohnerschwund Forscher: Hann. Münden verliert bis 2025 wahrscheinlich 2400 Bürger

„Wir denken ernsthaft darüber nach, Häuser abzureißen“, berichtet Jörg Wieland vom Gemeinnützigen Bauverein in Münden. Die Einwohnerzahl der Dreiflüssestadt wird bis 2025 um 2400 Personen auf 22 000 Einwohner sinken. Das sagt Michael Waibel von der Universität Hamburg voraus. Der promovierte Geograf befasst sich mit der demografischen Entwicklung im Landkreis Göttingen.

Die sinkende Nachfrage wird es immer schwieriger machen, Häuser aus den 60er und 70er Jahren zu vermieten, warnt der Wissenschaftler. Die Gebäude seien wenig attraktiv und zudem schlecht gedämmt. Besonders hart werde der Bevölkerungsrückgang die Dörfer treffen. Schon heute gebe es in den Ortsteilen von Hann. Münden Leerstände. Das werde deutlich zunehmen.

Anders als früher lasse sich nicht mit der Ausweisung neuer Baugebiete gegensteuern. Es gebe keine Menschen mehr, die dorthin ziehen könnten. Mit dem Bevölkerungsrückgang gerate die dörfliche Infrastruktur weiter unter Druck. Läden und Gastwirtschaften würden sich nicht mehr tragen.

Dorfgemeinschaftshäuser und Sportplätze müssten – mangels Auslastung – aufgegeben werden.
Eine weitere Herausforderung: Die festen Kosten für die Wasserversorgung und das Kanalnetz werden auf immer weniger Bürger umgelegt, erklärt der Geograf. So stiegen die Belastungen für den einzelnen. Das treibe die Menschen in die Städte. Wenn die Politik nicht gegensteuere, beschleunige sich die Abwärtsspirale zusätzlich.

Nach den Berechnungen des Wissenschaftlers wird der Zuzug vom Land das Schrumpfen der Kernstadtbevölkerung mildern. Damit kehre sich ein Trend der vergangenen 30, 40 Jahre um, so Waibel. Bisher seien die Menschen aus der Stadt aufs Dorf gezogen, um im Grünen zu leben.

Eine Besonderheit Hann. Mündens ist im Landkreisvergleich die überdurchschnittlich hohe Zahl an Senioren, berichtet der Forscher. Viele wählten die Stadt, um dort ihren Lebensabend zu verbringen.
Der Wissenschaftler machte auf die gute medizinische Versorgung aufmerksam, zu der die beiden Krankenhäuser beitrügen. Der Rat des Wissenschaftlers an die Stadt: „Werben sie um die 60-Jährigen, die bleiben ihnen die kommenden 30 Jahre treu.“ Bei jungen Familien, um die sich die Politik ebenfalls bemühen solle, sei das nicht so sicher.

Waibel stellte die Ergebnisse seiner Forschungen bei einer Informationsveranstaltung der Stadt im Rathaus mehr als 100 Bürgern vor.

Von Michael Caspar

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