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Erfolgsfaktor: Zeit

Göttinger Forschungswerkstatt ausgezeichnet Erfolgsfaktor: Zeit

Hier wird man Top-Azubi: Seit zehn Jahren zeichnet die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) die Qualität ihrer Ausbildungswerkstätten und Auszubildenden aus. Die Werkstatt um Leiter Joachim Hesse am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation gehört dieses Jahr zu den besten dreien.

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Werkstattleiter Joachim Hesse (l.) und Azubis.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Im Keller des MPI-Neubaus auf dem Göttinger Fassberg sind die beiden Werkstätten des Instituts untergebracht - die kleinere Forschungswerkstatt von Hesse, in der die Azubis ausgebildet werden, und nebenan die große Hauptwerkstatt unter der Leitung von Udo Schminke. Darin: grüne Maschinen mit Kunststoff- und Metallspänen, ein Geruch von Stahl und Öl - und ein großer Deko-Scheck mit 7500 Euro Preisgeld. So viel erhält jede der drei ausgezeichneten Max-Planck-Ausbildungswerkstätten. „Das Geld ist jedoch nicht dafür da, dass wir uns ein paar Kisten Bier und eine Privatfeier organisieren, sondern soll der Ausbildung zugutekommen“, sagt Hesse lachend. Geplant ist daher, ein Smartboard anzuschaffen.

1989, nach bestandener Meisterprüfung, übernahm Hesse die Ausbildung am MPI. Heute hat er vier Azubis für Industriemechaniker mit der Fachrichtung Feingerätebau unter sich, darunter Pascal Kircheis, der im August erst begonnen hat. Warum er ans MPI gegangen ist und nicht in die Industrie? „Während es in der Industrie sehr ähnliche Abläufe gibt, macht man hier mit jedem Projekt etwas Neues.“ Denn in Absprache mit Wissenschaftlern werden hier hauptsächlich Unikate gefertigt, die Azubis müssen viel stärker mitdenken.

Doch diese abwechslungsreichen Rahmenbedingungen sind kein Selbstläufer für den Azubi-Erfolg. Bevor Hesse übernahm, war die MPI-Ausbildung das Sorgenkind des IHK-Prüfungsausschusses. Inzwischen - Hesse führt akribisch Buch - sind Einser- und Zweier-Noten die Regel. Von seinen bisher 45 Azubis wurden drei von der MPG ausgezeichnet, sechs wurden niedersächsische Landessieger, viele ehemalige Azubis haben sich zu Technikern, Ingenieuren oder Berufsschullehrern weiterqualifiziert.

„Der Erfolg ist nicht nur meiner, sondern gebührt dem ganzen Team“, sagt Hesse, denn Ausbildung ist hier „Familiensache“ - die anderen Azubis helfen genauso wie ehemalige Azubis, auch die Azubis selbst sind ungemein engagiert bei der Sache. Ein weiterer Erfolgsfaktor: Zeit. „Es ist wichtig, dass wir den theoretischen Bereich nicht nur der Berufsschule überlassen.“ Pascal Kircheis hat daher jetzt schon eine Alt-Prüfung für den ersten Ausbildungsteil bekommen, um zu sehen, wie sein Wissensstand ist und was intern begleitend getan werden muss, so Hesse. „Das Schöne ist: Man lässt mir die Zeit dazu, mit den Azubis super arbeiten zu können.“

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