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Fortführung der Grabung auf Nörtener Stiftsplatz in Aussicht gestellt

„Erinnerungen aus dem Boden holen“ Fortführung der Grabung auf Nörtener Stiftsplatz in Aussicht gestellt

Zugeschüttet worden ist das Grabungsfeld noch nicht. Die politische Gemeinde Nörten und das Bistum Hildesheim haben am Dienstag, 23. September, eine Verlängerung der Grabung an der Martinskirche auf dem Stiftsplatz in Nörten in Aussicht gestellt. Diese Neuigkeit erfuhren die Besucher bei der Führung über das Grabungsgelände.

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Führung über das Grabungsgelände: Stefan Amt erklärt den Teilnehmern die Aushebungen.

Quelle: Hinzmann

Nörten-Hardenberg. „So etwas sieht man nur einmal im Leben“, sagte Stefan Amt. Der Baudenkmalpfleger des Bistums Hildesheim präsentierte neben anderen Experten die Reste der Vorgängerkirchen. Die Krypta aus dem 11. Jahrhundert ist laut Amt der bedeutendste Fund. So vollständig sei sie, „das erstaunt hier alle. Wir haben jetzt die Chance, die Erinnerung aus dem Boden hervor zu holen.“

Schon eine halbe Stunde vor Führungsbeginn waren am Dienstag die ersten Interessierten vor Ort. Mit rund 200 Besuchern in mehreren Gruppen ging es um 17 Uhr los. Die Übereinstimmung zwischen Plänen und Befunden stellte Amt als hervorstechend heraus. Aufgrund der Pläne hätten die Archäologen an bestimmten Stellen gesucht, nun belegten die Befunde die Genauigkeit der Pläne.

„Wir könnten jetzt bei unbegrenzter Forschungszeit noch vieles finden“, vermutet der Baudenkmalpfleger des Bistums und zeigte ein besonderes Prunkstück in der Krypta: Eine Säule mit romanischem Würfelkapitell ragt fast unbeschädigt aus dem Boden.

Reste der ersten Kirche?

Aus dem 8. Jahrhundert stamme der schriftliche Beleg für die erste Kirchengründung, erzählte Amt. So vermutet er im Umfeld auch Reste dieser ersten Kirche.

Viel Interessantes demonstrierten die Fachleute den Besuchern. Einen Mauerrest, knapp unter der Erde, identifizierte Amt laut Plan als Mausoleum der von Hardenbergs: Nach 1580 durften die Familienmitglieder nicht mehr in der Krypta begraben werden. Für die Leuchte, die bei der Neugestaltung des Kirchenplatzes jetzt an dieser Stelle geplant sei, müsse ein anderer Platz gefunden werden.

Angefangen habe alles dort, wo der Bagger jetzt stehe, wies Amt auf das große gelbe Baufahrzeug auf dem Weg zwischen Kirche und Parkplatz, dort wo bislang die Brauerei stand. Schon nach 35 Zentimetern sei der Bagger auf ein Fundament gestoßen, ein Turmfundament. Noch sei nicht ganz klar, wann der Turm gebaut wurde.

Gute Zusammenarbeit

„Meine Zuständigkeit hört an der Hecke auf“, erklärte Amt den Besuchern die Eigentumsbereiche, hier das Bistum, dort der Flecken. Der Bagger stand auf der Seite des Flecken. Die Zusammenarbeit zwischen kirchlicher und Kreisdenkmalpflege sei gut, betonte der Vertreter des Bistums.

Er freut sich, dass auch die Nörtener mitziehen. Anwohner stellten jeden Tag einen Tisch mit Kaffee und Kuchen vors Haus, eigens für die Archäologen. Und Frank Wedekind von der Göttinger Grabungsfirma Streichardt & Wedekind Archäologie warb für Verständnis, dass es nicht täglich Führungen für Interessierte gebe.

Wegen des Zeitdrucks bei der Grabung sei die Veranstaltung am Dienstag die einzige Möglichkeit dafür. Nur ungestört könnten die Archäologen das beste Ergebnis erzielen.

Von Ute Lawrenz

Grabung und Funde auf dem Stiftsplatz in Nörten-Hardenberg. ©Hinzmann

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Nur 35 Zentimeter unter der Asphaltdecke liegen Fundamentteile der fast 1000 Jahre alten Vorgängerkirche. © Hinzmann

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