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Freies WLAN für Göttingen: „Aufwendig“ und zu „teuer“

Verwaltung und Ratspolitik skeptisch Freies WLAN für Göttingen: „Aufwendig“ und zu „teuer“

Der Zugang zum Internet ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Unterwegs gewinnt das Surfen WLAN-Netzen an Bedeutung. Doch in Göttingen ist das Angebot von kostenlosem WLAN-Zugängen beschränkt, mit Hürden verbunden oder an Tarife von Moblifunkanbieter gekoppelt.

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Freies WLAN für Göttingen: „Aufwendig“ und zu „teuer“

Quelle: EF

Göttingen. Doch während andere Städte, wie etwa jüngst Ravensburg, in ihren Innenstädten kostenlose WLAN-Zugänge auch als Standortortfaktor und Service für Besucher anbieten, sieht weder die Göttinger Verwaltung noch weite Teile der Ratspolitiker derzeit die Notwendigkeit, ein in der Stadt WLAN-Netz zur Verfügung zu stellen.

Verwaltunssprecher Detlef Johannson erklärt, dass die rechtlichen Probleme nur aufwendig zu lösen seien, „indem man ein sehr aufwändiges Verfahren der Identifikation der Nutzer betreiben würde. Dann wären aber etwa Touristen ausgeschlossen.

„Nicht kostengünstig zu haben“

Auch seien die Investitionen und die laufenden Kosten wären „recht hoch“ und stünden in keinem Verhältnis zum potenziellen Nutzen, vermutet er und verweist auf die „rasante Zunahme von Handyverträgen mit einer Internetflatrate“, für die sich die Kosten im Rahmen hielten. Gleichzeitig böten Uni und GWDG für Studierende, Uni-Angehörigen und Mitglieder der anderen Wissenschaftseinrichtungen an zahlreichen Stellen einen WLAN-Zugang an.

Auch die SPD sieht den Aufbau und Betrieb eines freien WLAN-Netzes für „technisch komplex“. Und es sei „nicht kostengünstig zu haben“, meint der Fraktionsvorsitzende Frank-Peter Arndt. Aber: „Ein flächendeckendes, öffentliches und kostenfreies WLAN-Netz wäre aus Sicht der Nutzer wünschenswert.“

Bei der CDU überwiegen derzeit die rechtlichen Bedenkenbei einem freien WLAN-Netz. Zudem gebe es in Kneipen, Cafés und öffentlichen Gebäuden genügend Möglichkeiten, über WLAN ins Netz zu kommen, sagt CDU-Ratsfrau Karin Schultz. Man hoffe nun auf mehr Rechtssicherheit durch eine Änderung des Telemediengesetzes.

Ich sehe im Moment keinen unmittelbaren Bedarf

„Ich sehe im Moment keinen unmittelbaren Bedarf dafür, der die Kosten für eine solche Installation von Seiten der Stadt rechtfertigen würde“, erklärt Sascha Völkening von den Grünen. Auch weil immer mehr Nutzer Datentarife in ihren Mobilfunkverträgen integriert haben. Er verweist auf den Ausbau von WLAN-Hotspot-Netzen kommerzieller Anbieter.

Die Linken im Rat halten weiterhin ihre bereits 2011 formulierte Forderung nach einem freien WLAN-Zugang für alle am Alten Rathaus, am Wilhelmsplatz, im Cheltenhampark, auf den Schillerwiesen, am neuen Rathaus und am Bahnhof aufrecht. Bis 2016, so Fraktionschef Patrick Humke, solle so ein städtisches Netz umgesetzt werden.

Für Martin Rieth von den Piraten im Rat sieht als dringendes Ziel, dass die Stadt freies WLAN zumindest in öffentlichen Gebäuden umsetzt, mit beschränkter Zugangsberechtigung durch SMS, oder besser noch: anonym. Einen entsprechenden Antrag zumindest für das Neue Rathaus hatten die Piraten im Dezember im Rat gestellt. Dieser wurde einstimmig in den Personalausschuss überwiesen.

Freies Netz für Göttingen

In Göttingen steht das Freifunk-Netz. Heimlich, still und leise haben die Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC) in den vergangenen Wochen das Netz goettingen.freifunk.net aufgebaut und entwickelt. Jetzt läuft es.

Die Idee dahinter: über Router freie, dezentrale Computernetzwerke zu erstellen, die nicht von kommerziellen Anbietern, sondern von Privatpersonen, Vereinen oder ähnlichen Organisationen angeboten werden. Der positive Nebeneffekt: Das Freifunk-Netz bietet über die Bandbreite des Routers freien drahtlosen Internetzugang, den jeder ohne Anmeldung und kostenlos nutzen kann. Gleichzeitig bietet er Anonymität und Überwachungsfreiheit.

Doch noch ist das Göttinger Netz grobmaschig. Erst über etwas mehr als 32 Router ist das Surfen möglich. Aber es sollen mehr werden. Krischan Jodies vom CCC kündigt an, in den nächsten Tagen und Wochen gezielt auch Händler oder Institutionen anzusprechen, die bereit sind, Router aufzustellen, um so das Netz in Göttingen zu erweitern.

Mitmachen und einen Router aufstellen könne jeder. „Interessant ist das natürlich für Orte, wo sich Menschen länger aufhalten. Cafés oder Kneipen etwa“, sagt Jodies. Schon jetzt sei das Interesse, das durch Mundpropaganda und soziale Medien entstanden ist, groß. Handelsübliche, preiswerte Router reichten im Prinzip aus, sagt Jodies.

Die größte Hürde sei, so Jodies, die Router mit spezieller, vom CCC entwickelter Software zu bestücken. Hier biete der CCC aber Hilfe an. Auch bei der Frage, welcher Router am besten geeignet ist. Der CCC ist über die Internetseite cccgoe.de zu erreichen.

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