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Freiwillige helfen gestrandeten Flüchtlingen

Bahnhof Göttingen Freiwillige helfen gestrandeten Flüchtlingen

Weil der Anschlusszug erst am nächsten Morgen fährt, ist am Göttinger Bahnhof für Flüchtlinge oft vorläufig Endstation. Immer wieder stranden so nachts Menschen am Bahnhof – die Besetzer aus der Oberen Maschsstraße helfen.

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Quelle: Archiv

Göttingen. „Wahre Menschen sind das“ kommentiert Sabah den nächtlichen Einsatz der Helfer. Gerade hat der irakische Flüchtling einen Tee eingeschenkt bekommen. Es ist bitterkalt, nachts um 0 Uhr am Bahnhof. Eigentlich will Sabah nach Regensburg, wo kürzlich sein Bruder eingetroffen ist. Wegen des Wetters hat er seinen Anschlusszug verpasst – Endstation Göttingen.

 
In der Bahnhofshalle schenken die „Fluchthelfer“, wie sich die Freiwilligen aus dem besetzten ehemaligen DGB-Haus nennen, Tee aus. Außerdem haben sie Bananen und Müsliriegel im Gepäck und helfen, beispielsweise an den Fahrkartenautomaten. Und sie laden Flüchtlinge ein, im ehemaligen DGB-Haus zu übernachten.

 
„Seit Anfang der Besetzung“ seien die Fluchthelfer „nahezu täglich“ im Einsatz, erzählt Beate Schäfer. Zwar seien seit Einführung der Grenzkontrollen in Dänemark „viel weniger“ Flüchtlinge auf dem Weg nach Skandinavien. Wenn Flüchtlinge bei Transfers innerhalb Deutschlands Anschlusszüge verpassen, sei am Göttinger Bahnhof vorläufig Schluss. „Total Banane“ findet Schäfer außerdem, dass manchmal ganze Familien am Bahnhof übernachten müssen, weil sie morgens um 7 Uhr einen Termin in Friedland haben.

 
Als an diesem Abend der letzte Zug abgefahren ist, sind es acht Flüchtlinge, die die Fluchthelfer ins besetzte Haus begleiten. Dort zieht sich ein übermüdetes und durchgefrorenes Trio aus dem Irak sofort in eines der vorbereiteten Zimmer zurück. Andere sind aufgewühlt: Auf den Sofas im Gemeinschaftsraum der OM10 entwickeln sich Gespräche.

 
Vor kurzen sei ein Gast in Tränen ausgebrochen, erzählt Fluchthelfer Peter Heinrich. Zum ersten Mal habe der Iraker darüber geredet, „wie seine Familie vor einiger Zeit ermordet wurde“. Als er sich beruhigt hatte, hätten sie zusammen bis in die Morgenstunden Schach gespielt. Solche Momente seien es, „wegen denen ich das mache“, begründet der junge Mann sein Engagement. Allerdings gingen die nächtlichen Einsätze „an die Substanz“. „Der nächste Tag ist dann im Arsch“, erzählt Schäfer.

 
Ihr zufolge sind es rund 30 Freiwillige, die sich die nächtlichen Schichten teilen. Trotzdem freut sich das Team über weitere Freiwillige. Ein Koordinationstreffen ist immer freitags um 18 Uhr im besetzten DGB-Haus an der Oberen Maschsstraße 10.

 

Von Christoph Höland

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