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Fremdes Konto leergeräumt: 35-Jähriger in Göttingen verurteilt

Prozess Fremdes Konto leergeräumt: 35-Jähriger in Göttingen verurteilt

Weil er das Konto eines Freundes leergeräumt hatte, hat das Landgericht Göttingen einen 35-Jährigen zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte wollte damit nach eigenen Angaben seiner krebskranken Mutter helfen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. „Ich hatte keine andere Wahl“, sagt der Angeklagte. Seine Mutter habe Krebs gehabt und brauchte Geld. Deshalb habe der 35-Jährige das Konto eines Freundes mit dessen EC-Karte und Pin leergeräumt. 2870 Euro hob er insgesamt ab und wurde dafür zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

 
Am Mittwoch nun die Berufungsverhandlung vor dem Göttinger Landgericht. Was er denn mit seiner Berufung erreichen wolle, fragt der Vorsitzende Richter David Küttler den 35 Jahre alten Bosnier aus Uslar. Es sei im Amtsgericht Northeim doch ein „sehr moderates“, ja „mildes“ Urteil heraus gekommen. Auf Bewährung, und das noch ohne Auflagen. Es hätte leicht auch 300 Stunden gemeinnütziger Arbeitsauflagen geben können. Er müsse nach dem Beschluss des Amtsrichters nur das leisten, was er ohnehin verpflichtet sei: das Geld in Raten zurückzuzahlen.

 
Denn der 35-Jährige hatte zugegeben, in acht Fällen Geldabhebungen vom Konto des Freundes gemacht und die Summe behalten zu haben. Am Ende gab das Konto nichts mehr her. Der Freund hatte ihn früher schon mehrfach gebeten, Geld für ihn abzuheben. Er hatte ihm auch seine persönliche Identifikations-Nummer (Pin) gegeben. Das Geld zu behalten, war der Angeklagte aber nicht berechtigt. Der will mit der Beute die Behandlung seiner krebskranken Mutter bezahlt haben.

 
Zunächst ziert sich der Angeklagte noch, die Berufung zurückzunehmen. Er habe doch Pin und Karte freiwillig erhalten, „also kein Computerbetrug“, sagt der Verteidiger. „Dann aber Untreue“, kontert der Richter. Ob er denn vorher um Erlaubnis gefragt habe, das Geld zu verwenden? Das nicht, aber hinterher gesagt habe er es ihm. Der Freund habe dann aber Anzeige erstattet. „Er war sauer. Aber ich habe doch gewusst, dass er Geld hat“, versucht sich der Angeklagte noch zu verteidigen. Und sein Anwalt: „Das war im freundschaftlichen Bereich nicht unüblich.“ „Ich weiß nicht, was da anderes rauskommen soll“, gibt der Richter dem Angeklagten noch zur Beratung mit auf den Weg. Danach gibt der klein bei, zieht seine Berufung zurück. Sieben Monate auf Bewährung sind rechtskräftig. Und 50-Euro-weise bekommt der Freund nun sein Geld zurück – 57 Monate lang.

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