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Frieden überall und eine rote Rose von Charly

Hedwig Pieper feiert 100. Geburtstag Frieden überall und eine rote Rose von Charly

„Unser Charly“ heißt eine Fernsehserie im ZDF. Die Hauptfigur ist ein pfiffiger Affe, der immer wieder für Trubel und Heiterkeit sorgt. „Unser Charly“ ist aber auch der Hund von Hedwig Pieper, und den sieht sie viel lieber als das Serien-Äffchen.

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„Wo was war, habe ich mitgemacht“: Hedwig Pieper wird heute 100 Jahre alt.

Quelle: Hinzmann

Schließlich kann Charly, der Hund, ihr sogar die Zeitung bringen. Und zu ihrem 100. Geburtstag am Dienstag wird er ihr auf diesem Wege sogar eine Rose schenken. „Unser Charly“, sagt Hedwig Pieper, „auf den freue ich mich immer.“

Hedwig Pieper, deren Geburtstag man kaum vergessen kann ob des eingängigen Datums (19. 10. 1910), kam in Bremke auf dem Gut Appenrode zur Welt. Ein Paradies für Kinder. Umgeben von den aufragenden Kegeln der Gleichen, von Wäldern und verfallenen Burgen war es der perfekte Spielplatz. „Wir haben als Kinder manche dummen Sachen gemacht, aber es war immer schön“, erinnert sich die Jubilarin mit leuchtenden Augen.

Es gab Ställe für Schweine und anderes Vieh, einen Brunnen und grüne Weiden. „Wir sind auf Bäume geklettert und haben uns im Schlamm rumgewälzt“, erzählt sie, als wäre es gestern gewesen und nicht vor 90 Jahren. Selbst an ein schauriges Gerücht, es gebe einen unterirdischen Gang vom Gut bis zu den Gleichen, kann sie sich noch erinnern. „Es sollte im Keller eine geheime Tür geben, aber ich selbst habe sie nie gefunden“, sagt Hedwig Pieper.

Ihr Vater war Schweizer – eine alte Berufsbezeichnung für jemanden, der sich um das Füttern des Viehs, das Melken und die Pflege der Haustiere kümmert. Eine anstrengende Arbeit, die für Tochter Hedwig und ihre zwei Geschwister jedoch immer Unterhaltung bot. So durften sie zum Beispiel mitfahren, wenn die Milch mit der Kutsche nach Diemarden gebracht wurde. „Das Pferd hieß Liesel“, sagt Hedwig Pieper, „und manchmal sahen wir die Kleinbahn.“

Als junge Frau ging sie nach Geismar und wurde Hauswirtschafterin. Hier lernte die damals 22-Jährige auch ihren Mann Friedel kennen – beim Karneval in der Gaststätte Drei Kronen. Dabei war sie noch nicht einmal verkleidet. Vielleicht war aber auch genau das der Grund, warum Friedel die junge Hedwig plötzlich zum Tanz aufforderte. „Es wollten viele mit mir tanzen“, sagt sie. Aber dieser eine hatte es ihr angetan. Zu Recht, wie sich wenig später herausstellen sollte.

Denn nach dem ersten Treffen brachte Friedel seine neue Freundin bei strömendem Regen sicher und vor allem trocken nach Hause, indem er sie mit seinem langen Regenmantel schützte. Ihrer besorgten Oma habe sie es damals schon gesagt: „Das war ein anständiger Junge, mit dem ich da mitgegangen bin.“ Am 17. April 1933 läuteten die Hochzeitsglocken in Bremke.

Das junge Paar zog in das Haus von Friedels Vater in Geismar. Dort richtete sich Hedwig Pieper eine „gemütliche Ecke“ ein: mit Chaiselongue, Korbstühlen und Sessel. „Ich hatte Geld gespart“, sagt sie. Ihr Mann, ein Schuhmacher, bekam eine kleine Werkstatt. Die Töchter Irmgard und Hedi wurden geboren. Und heute hat Hedwig Pieper vier Enkel und drei Urenkel. „Da habe ich neulich erst im Bett still drüber nachgedacht“, sagt sie, als könnte sie es nicht glauben. „Das sind meine Urgroßkinder.“

Genauso wenig kann Hedwig Pieper es glauben, dass sie nun 100 Jahre alt wird. Bis vor einiger Zeit lebte sie noch in ihren eigenen vier Wänden, ging spazieren, fuhr mit dem Bus in die Stadt oder unternahm Ausflüge. Lange Jahre war sie Mitglied beim Roten Kreuz. „Wo was war, habe ich mitgemacht“, sagt sie. Seit einigen Jahren nun lebt sie in einer Seniorenwohngemeinschaft in Göttingen.

Für die Zukunft wünscht sich Hedwig Pieper vor allem Gesundheit und dass sich die Kinder immer vertragen. „Überall Frieden, das will ich haben“, sagt sie. Der darf nur von einer Sache gestört werden: dem Gebell von ihrem Charly.

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Von Redakteur Andreas Fuhrmann

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