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Friedhof der Haushaltshelfer – Göttingen beendet Elektroschrott-Versuch

Thema des Tages Friedhof der Haushaltshelfer – Göttingen beendet Elektroschrott-Versuch

Vor einem Jahr ist der Modellversuch gestartet worden, jetzt ist er beendet: Die 17 Sammelcontainer für Elektrogeräte in der Stadt Göttingen werden abgebaut. Auch im Landkreis muss das Projekt eingestellt werden. Grund dafür ist ein neues Gesetz mit strengeren Auflagen. Die im Schrott manchmal enthaltenen Lithium-Akkus können einen Kurzschluss verursachen. Rund 800 Tonnen Elektroschrott kommen pro Jahr in Göttingen zusammen.

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Endstation Recyclinghof: Kleingeräte wie Bügeleisen, Wasserkocher, Mikrowellen, Mixer und co. werden in den Gitterboxen auf dem Recyclinghof gesammelt und dann zum Recyceln an eine Firma in Goslar verkauft.

Quelle: Vetter

Göttingen. Ein orangefarbenes Bügeleisen, ein nicht näher zu definierendes schwarzes Messgerät mit einem Regler auf dem „fein“ steht, ein Klotz von Brotbackautomat und jede Menge ausrangierter Rasenmäher: Auf dem Recyclinghof an der Rudolf-Wissel-Straße ruhen sie Seite an Seite in Gitterboxen. Die Haushaltshelfer längst vergangener Tag sind Schrott. Elekroschrott.

Wer auch noch ein altes Bügeleisen oder einen defekten Staubsauger loswerden möchte, aber den Weg ins Industriegebiet scheut, muss sich beeilen: Ende Mai werden die 17 Sammelcontainer für Elektrokleingeräte im Stadtgebiet abgebaut. Nur ein Jahr lang währte dieser Modellversuch der Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB). In einigen Tagen ist auch er, wie die Geräte, Geschichte.

„700 bis 800 Tonnen Elektroschrott kommen binnen eines Jahres im Stadtgebiet Göttingen zusammen“, sagt Horst Patzelt, zuständig für die Wertstofferfassung bei den GEB. Ob Aquariumheizung, elektrische Kinderzahnbürste, Mixer oder Bohrmaschine: „Wir haben hier fast jedes Elektrogerät. Wer will, kann hier alles bekommen“, so Patzelt weiter. Viele der Geräte sind funktionstüchtig. „Manche sind sogar noch original verpackt.“ Der Großteil der Geräte hat allerdings ausgedient.

Gerade gibt eine Frau einen Radio-Kasettenrekorder, der Firma Telefunken ab. Tipptopp in Ordnung, glänzend. Ein Fall für Maciej Janssen. Er betreut die Gebrauchtwarenbörse auf dem Recyclinghof und bringt die besten Teile wieder unter Kunden. Viele der Geräte stammen aus den Containern. Im Juli 2014 hatten die Entsorgungsbetriebe die 17 Behälter in Göttingen aufgestellt. Diese wurden gerne von den Göttingern genutzt, tonnenweise Elektroschrott landete in den Sammelbehältern. Dennoch ist damit jetzt Schluss.

„Der Grund für das Vorzeitige Ende ist eine neue Gesetzeslage“, sagt Maja Heindorf von den GEB. Denn: In vielen der Elektrogeräte stecken Batterien oder Akkus. Und darin wiederum steckt häufig Lithium. „Vor allem die leistungsstarken Lithium-Batterien und -Akkus können aber gefährlich werden“, sagt Ingo Ludewig, zuständig für den Recyclinghof. Zwar seien die Batterien an sich völlig harmlos, wenn sie allerdings beschädigt werden, beispielsweise beim Einwerfen in einen der Container, könne es Probleme geben. „Lithium reagiert mit Feuchtigkeit, dann kann es einen Kurzschluss geben“, erklärt Ludewig.

Damit die Kurzschluss-Gefahr ausgeschlossen ist, müssen die Göttinger ab Juni also ihre Elektrogeräte zum Recyclinghof bringen, in einigen wenigen Geschäften zurückgeben oder sie mit dem Sperrmüll abholen lassen. „Wir haben ab sofort die separate Annahme von Elektrogeräten auf dem Recyclinghof eingerichtet“, sagt Heindorf. Dort werden alle Elektro-Kleingeräte, darunter jede auch Menge Computer und Monitore, entgegengenommen und gesichtet. Die Batterien werden möglichst ausgebaut. „Der Anteil an leistungsstarken Lithium-Ionen-Akkus nimmt ständig zu“, so Heindorf. Und weiter: „Auf gar keinen Fall sollten solche Geräte im Hausmüll verschwinden.“

Die sortierten und demontierten Geräte werden von Göttingen aus an Betriebe verkauft, die sie dann weiter verwerten.  Darin enthalten sind viele teils wertvolle Rohstoffe. „Die eklektische Kleingeräte verkaufen wir an einen Recyclingbetrieb in Goslar“, sagt Patzelt. Dort werden die Schrottgeräte auseinandergebaut, das Plastik geschreddert, Wertstoffe wie Metall oder seltene Erden gesammelt. Derzeit verkauft die GEB eine Tonne Schrott für mehr als 100 Euro.

Der Recyclinghof, Rudolf-Wissell-Straße 5, ist von Montag bis Donnerstag 8 bis 17 Uhr und am Freitag von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Infos unter Telefon 05 51 / 4 00 54 00.

Deutlich mehr Computermüll

Die Menge an Elektrogeräten, die im Stadtgebiet von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB) gesammelt wurde, ist in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen. Im Jahr 2014 kamen 810 Tonnen zusammen. Zehn Jahre zuvor, also im Jahr 2004, waren es noch 331 Tonnen.

Der Elektroschrott wird auf dem Göttinger Recyclinghof in fünf Kategorien gesammelt, erklärt Horst Patzelt von den GEB. Und das sind: Kühlgeräte, Großgeräte (wie Waschmaschinen), Bildschirme/Computer, Elektrokleingeräte und Energiesparlampen.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich vor allem die Menge an IT-Gegenständen mehr als verdoppelt: Im Jahr 2014 waren es 232 Tonnen Computerschrott, 2009 rund 160 Tonnen. Umgekehrt der Trend bei den Großgeräten: im vergangenen Jahr waren das 34 Tonnen, fünf Jahre zuvor noch 91. Weniger groß waren die Unterschiede bei den Kleingeräten (114 Tonnen in 20014, 106 im Jahr 2009) und den Kühlgeräten (259 Tonnen im vergangenen Jahr, 220 im Jahr 2009). Bei der Kategorie Lampen gibt es keine Gewichtsangaben.

Entfernt Akkus: Stephan Döring.

Entfernt Akkus: Stephan Döring.

Quelle:
 
Neues Gesetz
Ende des Jahres soll ein neues Gesetz in Kraft treten: Demnach sollen dann alle Geschäfte, die Elektrogeräte auf mehr als 400 Quadratmetern Fläche verkaufen, kleinere Geräte zurücknehmen. Eine Rücknahmepflicht für größere Geräte soll es dann geben, wenn Kunden ein Neugerät kaufen. Bislang nehmen nur wenige Geschäfte auf freiwilliger Basis schrottreife Elektrokleingeräte an.
Mit Telefunken Radiorekorder: Maciej Janssen in der Warenbörse.

Mit Telefunken Radiorekorder: Maciej Janssen in der Warenbörse.

Quelle:
 
Erfolgreicher Versuch im Landkreis

Friedland. Auch der Landkreis Göttingen wird seinen Modellversuch mit Sammelbehältern für Elektrokleingeräte und schon darüber hinausgehende Pläne für ein flächendeckendes Sammelsystem wohl stoppen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses erfolgreiche Projekt fortgesetzt werden kann, tendiert gegen Null“, sagte Kreisumweltdezernentin Christel Wemheuer (Grüne). Und das wäre „höchst bedauerlich“.

Seit 2013 sammelt der Landkreis in der Gemeinde Friedland an zwölf Standorten ausgediente kleine Elektrogeräte. Nach einjähriger Probephase hatte die Verwaltung im vergangenen Herbst bereits ein positives Fazit gezogen: In einem Jahr wurden 14,38 Tonnen Elektro-Schrott gesammelt – überwiegend aus dem Unterhaltungs- (Radios) und Kommunikationsbereich (Laptops, Handys), aber auch Haushaltsgeräte wie Fön und Mixer.

Dieses Ergebnis hatte sowohl Verwaltung als auch die Umweltpolitiker im Kreistag überzeugt: Noch in diesem Jahr sollten im gesamten Kreisgebiet Elektroschrott-Behälter aufgestellt werden. Für 83 000 Euro wollte die Verwaltung 50 neue Spezialcontainer kaufen. Die Behälter für den Modellversuch seien gemietet. Das bestätigte Landkreissprecher Ulrich Lottmann.

Gibt der Kreis seine Pläne ebenso wie Göttingen auf, bleibt für die Bewohner der Kreisgemeinden vorerst alles wie bisher: Sie können per Karte oder online einen Abholtermin für Elektroschrott beantragen oder elektronische Geräte auf einer Abholkarte für Sperrmüll mit angeben. Sie können außerdem bis zu fünf Elektrokleingeräte bei regelmäßigen Schadstoffsammlungen in den Dörfern abgeben. Und sie können die Altgeräte zur Kreisabfalldeponie in Deiderode bringen. us

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