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Friedländer Tierschutz sieht Probleme beim Umgang mit herrenlosen Katzen

Keine Richtlinien Friedländer Tierschutz sieht Probleme beim Umgang mit herrenlosen Katzen

Die Zahl freilaufender Katzen in der Region nimmt zu. Das bereitet Bettina Bruder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedland, und ihren Mitstreitern Sorgen. Wie auch der Umgang mit Fundkatzen seitens der zuständigen Gemeinden. „Da fehlen klare Richtlinien“, sagt Bruder. Zu oft landeten Bürger vor behördlichen Hürden.

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Einer von Bruders Schützlingen: Junge Katze in Deiderode.

Quelle: Klocke

Deiderode/Rosdorf/Bovenden. Beispiele gibt es laut Bruder genug. Da sei etwa eine Frau in der Samtgemeinde Dransfeld, die – selbst Tierhaarallergikerin – der Not gehorchend eine trächtige Katze aufnahm und versuchte, das Muttertier und die Jungen zu vermitteln. Als sie die Samtgemeinde um Hilfe bat, habe sie einen ablehnenden Bescheid erhalten, berichtet Bruder. Sie hätte das Tier nicht versorgen dürfen.

 
Auch aus der Gemeinde Rosdorf und dem Flecken Bovenden ereilten die Tierschützerin Hilferufe. Von einer Rosdorferin etwa, die eine Katze zum Tierarzt brachte, um einen etwaigen Chip auslesen zu lassen – und damit aus Sicht der Verwaltung die Verantwortung für das herrenlose Tier übernommen hatte. Oder einer Bovenderin, die einen Vierbeiner fand und erst nach Einschalten des Tierschutzvereins auf die Bereitschaft der Verwaltung stieß, die Katze zu übernehmen und in die vertraglich an einige Landkreisgemeinden gebundene Tierpension Hanke in Nesselröden zu bringen.

 
„Wir haben Probleme mit den Fundtier-Kategorien der Verwaltungen“, sagt Bruder. Fundtiere seien nach behördlichen Maßstäben Katzen die offensichtlich aus privater Haltung kämen, entweder entlaufen oder ausgesetzt worden seien. „Wie will man das aber bei Katzen herausfinden?“, fragt sich Bruder. Aus Verwaltungssicht seien die übrigen Tiere wildlebende „Streuner“ – und kein Fall für Tierheime. „Den Begriff Streuner lehnen wir ab“, betont Bruder. Hauskatzenabkömmlinge seien von der Natur nicht für ein wildes Leben vorgesehen. Und wer die Problematik der wilden Katzenvermehrung stoppen wolle, müsse sich etwa nach Paderborner Vorbild für ein Kastrations-und Registrierungsgebot für Katzen einsetzen. „Das müsste bundesweit eingeführt werden“, sagt Bruder, die selbst Notfälle aufnimmt und weitervermittelt.

 
Das Problem der Bürger sei, dass sie Verwaltungshandeln oft als Willkür empfänden. Bruder selbst ist die Verwaltungsperspektive durchaus vertraut. Im Friedländer Rathaus ist sie zuständig für Bauwesen und Wirtschaftsförderung. Und außerdem Ansprechpartnerin für Tierschutzangelegenheiten in ihrer Freizeit. kk

 

Welche Katze ist ein Fundtier?

 

Auch aus Verwaltungssicht ist das Thema Katzen im Tierschutz ein Problem. Die Frage „welche Katze ist ein Fundtier?“ sei der Dreh- und Angelpunkt, sagt Dirk Huhnold, im Amt für Finanzen, Ordnung und Soziales im Rathaus des Fleckens Bovenden unter anderem zuständig für Gefahrenabwehr. Ähnlich sieht es Jörg Kaufmann, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice, öffentliche Ordnung und Bauen der Gemeinde Rosdorf. Der Unterschied zwischen wildlebend, entlaufen oder ausgesetzt mache die echte Fundkatze aus.

 
Huhnolds Empfehlung: Wer eine mutmaßlich herrenlose Katze sieht, sollte sie „keinesfalls anfüttern“ sondern stattdessen beobachten. Sei das Tier gut genährt, gepflegt und immer mal wieder für längere Zeit verschwunden, handele es sich vermutlich um einen „Freigänger“, der ein Zuhause habe. Wer glaube, ein heimatloses Tier vor sich zu haben, müsse die Gemeinde über seinen Fund informieren und könne das Tier nach Rücksprache in die Tierpension nach Nesselröden bringen. „Im Notfall können wir organisieren, dass es abgeholt wird“, so Huhnold. Wildlebende Katzen seien aus Sicht der Verwaltung keine Fundtiere.

 
Auch in Rosdorf sollte vor einem Transport nach Nesselröden Rücksprache mit der Verwaltung gehalten werden. Nur wenn der Finder eines Fundtieres nicht mobil ist, „übernehmen wir notfalls den Transport oder organisieren, dass sie abgeholt wird“, sagt Kaufmann. Er bedauert „Missverständnisse“ zwischen Verwaltung und Tierschützern, deren Arbeit er grundsätzlich schätze. „Wir fangen gemeinsam das auf, was in unserer Gesellschaft komplett daneben geht.“ Eigentlich seien es die Tierbesitzer, die Vorsorge treffen müssten. Eine landesweite Kastrierungs- und Registrierungspflicht, sagt auch Huhnold, sei „wünschenswert. Das müsste aber landesweit geregelt werden.“ kk

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