Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Friedland: Asylbewerber sticht Landsmann Messer ins Herz

Prozess wegen Totschlags Friedland: Asylbewerber sticht Landsmann Messer ins Herz

Weil er einem 24-jährigen Landsmann im Durchgangslager Friedland im Streit ein Filettier-Messer in die Brust gestoßen haben soll, steht ein Asylbewerber aus Pakistan wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Er bestreitet die Tat und stellt sie als „Komplott“ dar, wie er für Pakistan typisch sei.

Voriger Artikel
Göttinger Eltern wollen ihre Hortgruppen retten
Nächster Artikel
Knöllchen-Horst: Jährliche Abfuhr bei Gericht wegen Müllgebühren
Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Friedland. Die Verhandlung ist mühsam. Ein Dolmetscher übersetzt alles in einen pakistanischen Dialekt. Laut Anklage soll der Asylbewerber, der mit fünf anderen Flüchtlingen in einer Sammelunterkunft im Lager Friedland lebte und seit der Tat im Gefängnis sitzt, am Abend des 19. November 2014 in einer Küche mit zwei Landsleuten zunächst verbal gestritten haben. Er sagt, es sei um Lebensmittel gegangen, die ihn die anderen gestohlen hätten. Laut Anklage soll er dann zum Messer gegriffen und zweimal zugestochen haben: einmal in die Brust, wobei er eine Rippe durchstieß und den Herzbeutel traf, einmal in den Arm, weil sich das Opfer zur Seite drehte. Nur eine Notoperation rettete das Leben des 24-Jährigen.

 
Der Angeklagte behauptet nun, nicht er, sondern ein Dritter, ebenfalls Landsmann und Freund des Opfers, habe zugestochen. Er selbst habe nur Blutanhaftungen und eine eigene Verletzung gehabt, weil er dem Angreifer das Messer entwunden habe. Opfer und tatsächlicher Täter, die aus mächtigen Familien seiner Heimat kämen, hätten sich abgesprochen, hätten absichtlich zugestochen, um in Deutschland Asyl zu bekommen und ihm die Tat anzuhängen. Ein solcher Komplott sei typisch in Pakistan. Dem Einwand des Gerichts, man lasse sich doch nicht ins Herz stechen, um Asyl zu bekommen, kontert der Angeklagte: „Um Aufenthalt in Europa zu bekommen, kann man alles machen. In Pakistan ist Krieg.“ Als dann das Opfer vernommen wird, belastet es den Angeklagten schwer. Er spricht gar von drei Stichen. Der andere Landsmann sei gar nicht mehr im Raum gewesen, sondern habe den Sicherheitsdienst holen wollen, als der Angeklagte zum Messer gegriffen habe. Was der jetzt behaupte, sei „falsch, gelogen“. Allerdings verstrickt sich der Zeuge in Widersprüche zu früheren Aussagen. Er behauptet, früher habe er aus Angst vor der Polizei was anderes ausgesagt. Das Gericht will nun alle hören, die bei dem Streit zusahen. Allein sechs Asylbewerber aus verschiedenen Nationen waren im Raum.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016