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Runter mit der Wolle

Friseurtermin für Göttinger Alpakas Runter mit der Wolle

Eine Alpaka-Herde hilft den Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie bei der Erforschung von Zellstrukturen. Die Tiere bekommen ab und zu eine Impfung und lassen sich etwas Blut abzapfen. Ansonsten steht einmal im Jahr ein Friseurtermin an. Jetzt war es wieder so weit.

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Damit es im Sommer nicht zu warm wird, geht es der Göttinger Alpaka-Dame an die Wolle.

Quelle: r

Göttingen. Ein Schurspezialist verpasste den langbeinigen Damen einen sommertauglichen Kurzhaarschnitt. Die ursprünglich in den Anden beheimateten Tiere müssen geschoren werden, damit es ihnen im Sommer nicht zu warm wird. „Alpaka-Wolle ist wesentlich wärmer und leichter als Schafwolle“, erläutert die Leiterin des Tierhauses, Ulrike Teichmann. Allerdings ist die Schur sehr viel schwieriger und anstrengender. „Schafe haben Wollfett, das flutscht besser“, erklärt der auf Alpakas spezialisierte Scherer Peter Pfeiffer. Alpakas gehören zur Familie der Kamele. „Bei ihnen muss man millimetergenau arbeiten und auf kleinste Falten achten.“

Alpakas gelten als ruhige und friedliche Tiere. Ohne Widerstand zu leisten, lassen sich Olga, Rita und Co. auf den Spezialtisch hieven und an den Hinter- und Vorderbeinen festbinden. Dann legt Pfeiffer los. Erst kommt die Seitenpartie dran. „Das ist die hochwertigste Wolle“, erklärt der Alpaka-Spezialist. Von Bauch und Rücken geht es weiter zu den Hinterbeinen, dann fährt er mit seinem Scherapparat den langen Hals entlang zum Kopf. Anschließend hievt er gemeinsam mit Tierpfleger Rolf Rümenapf die halbgeschorene Stute auf die andere Seite und wiederholt die Prozedur. Zum Schluss kommt die Feinarbeit. Mit einer Schere bringt Pfeiffer die lockige Frisur auf dem Kopf in die richtige Fasson. Dann kürzt er noch die Schwanzhaare ein und macht ein wenig „Nagelpflege“.

Tierschutzbeauftragte Sarah Kimmina nutzt die Schurprozedur dazu, die zehn Alpakas einem Gesundheitscheck zu unterziehen. Teichmann sammelt das dicke Vlies ein und packt es in einen Beutel. „Olga hat die dichteste und schönste Wolle“, schwärmt sie. Pro Tier fallen zwischen eineinhalb und vier Kilogramm Wolle an. Diese wird später unter interessierten Mitarbeitern verteilt.

Die Max-Planck-Forscher halten die Alpakas nicht wegen der Wolle, sondern weil sie eine Eigenschaft besitzen, die unter den Säugetieren einzigartig ist: Alpakas produzieren eine spezielle Antikörpervariante, die neue Einsatzmöglichkeiten für die Molekularbiologie eröffnet. Diese Antikörper haben den Vorteil, dass sie deutlich kleiner, leichter und weniger komplex als die „klassischen“ Antikörper sind und man sie mit Hilfe von molekularbiologischen Verfahren zu sogenannten „Nanobodies“ verkleinern kann. Dies ermöglicht neue Einblicke in molekulare Strukturen und Prozesse. Dirk Görlich, Leiter der Abteilung Zelluläre Logistik, will mit seinen Forschungen unter anderem klären, wie Transportprozesse innerhalb der Zelle ablaufen.

Alpakas in der Grundlagenforschung

Die Alpakas müssen für die Grundlagenforschung am Institut nur ab und zu einen Piks über sich ergehen lassen. Erst werden sie ähnlich wie bei einer Grippeschutzimpfung mit dem Antigen geimpft, das gerade im Visier der Forscher ist. Wenn das Immunsystem der Alpakas dagegen die entsprechenden Antikörper bildet, wird ihnen eine Blutprobe entnommen. Daraus isolieren die Forscher dann die Baupläne der Antikörper, die das entsprechende Antigen erkennen. Diese lassen sich dann mit Hilfe von Bakterien in unbegrenzter Zahl vermehren.

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