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Fronleichnam: Große Prozession in Göttingen

"Fremde werden Freunde" Fronleichnam: Große Prozession in Göttingen

Weihrauchduft, Bläserklänge und Gesang: 1500 Menschen haben bei der katholischen Fronleichnamsprozession durch das Göttinger Ostviertel öffentlich ihren Glauben bekannt. „Ich glaube, wir Katholiken machen hier einen wunderbaren Eindruck“, sagte Jesuitenpater Manfred Hösl am Altar auf dem Eichendorffplatz. Die Prozession sei eine „schöne, bunte Visitenkarte“.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die erste Fronleichnamsprozession überhaupt habe nur eine Teilnehmerin gehabt, erklärte Hösl: Die schwangere Maria, die mit Jesus unter dem Herzen ihre Verwandte Elisabet besucht habe. In Maria sei Jesus gegenwärtig gewesen. Die zweite Fronleichnamsprozession sei die gefährliche Flucht von Maria und ihrem Mann Josef mit dem Jesuskind nach Ägypten gewesen – ausgelöst dadurch, dass ein Diktator durchgedreht sei und um seine Macht gefürchtet habe. Nur weil die Familie in Ägypten Zuflucht gefunden habe, habe Jesus überhaupt groß werden können. Als Erwachsener habe er dann Hilfe für die Geringsten in der Gesellschaft gefordert – also auch für die Flüchtlinge.

 
In den Flüchtlingen heute müsse genauso das Antlitz Jesu Christi erkannt werden, forderte Hösl in seiner engagierten Ansprache. Er erinnerte zugleich daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg viele katholische Christen im überwiegend evangelischen Göttingen Aufnahme fanden. Das verpflichte dazu, Fremde aufzunehmen und sie zu Freunden so machen, so Hösl.

Fotos: Hinzmann

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Bei den Texten, die am Altar vorgetragen wurden, ging es um den Aufruf von Papst Franziskus an die Kirche, sich an die Ränder der Gesellschaft zu den Armen, Kranken, Flüchtlingen und Einsamen aufzumachen. Eine „verbeulte Kirche“, die verletzt und beschmutzt sei, weil sie sich auf die Straße begeben habe, sei ihm lieber als eine bequeme. Am Altar an der Pauluskirche, dem Start- und Zielpunkt ging es um das Thema Barmherzigkeit. An beiden Stationen wirkten auch Kinder und Jugendliche mit.

 
Die alte Bezeichnung Fronleichnam bedeutet übersetzt lebendiger Leib des Herrn. Bei dem Fest feiern die Katholiken die Gegenwart Jesu in der Gestalt des für das Abendmahl gewandelten Brotes. Es wird bei der Prozession in der Monstranz – einem Schaugefäß – mitgetragen. Indem sie das Brot durch die Straßen tragen, wollen die Gläubigen zeigen, dass Gott in der Stadt gegenwärtig ist.

 
Anders als in den Vorjahren fehlte diesmal ein ökumenischer Tupfer. Sonst hatte ein evangelischer Pastor eine Ansprache gehalten und das Evangeliar getragen. Aufgrund des evangelischen Kirchentages in Stuttgart habe sich in diesem Jahr ausnahmsweise niemand finden lassen, erklärte Diakon Helmut Hanusch, der mehr als 20 Jahre lang als eine tragende Säule die Prozession mitorganisiert hat. Er wurde am Ende aufgrund seines nahenden Ruhestandes unter viel Applaus von Dechant Wigbert Schwarze verabschiedet, der vor der Prozession im Festgottesdienst in St. Paulus gepredigt hatte. Die Kollekte wurde dem Prozessionsthema gemäß für Flüchtlinge in Göttingen gesammelt.

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