Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Früher Lackiererei in Northeim, jetzt Moschee

Ditib-Gemeinde investiert 200.000 Euro Früher Lackiererei in Northeim, jetzt Moschee

Zu einer Moschee mit repräsentativem Gebetsraum hat die türkische Ditib-Gemeinde Northeim eine ehemalige Lackiererei umgebaut. „Bis auf Kleinigkeiten ist nun alles fertig“, sagt der Vorsitzende, Abdullah Dömen (45). 2008 haben die Muslime die 420 Quadratmeter große Immobilie Am Mönchsgraben 5 bei einer Zwangsversteigerung für 61.000 Euro erworben.

Voriger Artikel
Geschichte der Zwangsarbeit in Südniedersachsen: Dauerausstellung feierlich eröffnet
Nächster Artikel
Auf der Suche nach dem Bernsteinzimmer

 Von links: Müfit Pürtelas, Ayhan Savran, Abdullah Dömen mit Sohn Kaan.

Quelle: Caspar

Northeim. Seither steckten sie nach eigenen Angaben weitere 200.000 Euro in den Umbau. „Bis auf die Heizung und das Dach haben wir alles in Eigenleistung erbracht“, berichtet der Vorsitzende. Unter den Mitgliedern gebe es viele Handwerker, darunter Maurer, Maler und Elektriker. Die Finanzierung sei über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Veranstaltungserlöse erfolgt. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden hätten sie keinen Kredit aufgenommen. So seien sie immer schuldenfrei gewesen, seien aber auch nur langsam vorangekommen.

„Jetzt wollen wir uns verstärkt gegenüber der deutschen Gesellschaft öffnen“, kündigt Dömen gemeinsam mit den Vorständen Müfit Pürtelas (36) und Ayhan Savran (29) an. Politiker unterschiedlicher Parteien haben die Muslime bereits besucht. Mit dem Bürgermeister und dem Landrat stehen die Türken in regelmäßigem Gespräch. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen unter anderem mit der Arbeitsagentur, der Polizei, der Feuerwehr und den Schulen.

Die 1994 gegründete Gemeinde, die ihre Mitgliederzahl seit 2008 auf 86 Personen fast verdoppelt hat, will Ansprechpartner in Fragen der Integration sein. Sie möchte dabei nicht nur die 120 türkischen Familien in Northeim vertreten, sondern auch Muslime anderer Nationalitäten, sowie Migranten allgemein. Zu den Gebeten kommen auch Afghanen, Afrikaner, Albaner, Araber, Bosniaken und Kurden.

Der Religionsbeauftrage, Abubekir Yerli (48), hält die Freitagsansprache, die von der Ditib-Predigtkommission für alle angeschlossenen Moscheen ausgearbeitet wird, zwar auf Türkisch. Es folgt aber eine deutsche Übersetzung. Yerli spricht Arabisch und Kurdisch. Zum Religionsunterricht, den er am Wochenende bis zu 60 Jugendlichen erteilt, erscheinen daher auch junge Araber und Kurden. Auf Deutsch kann Yerli dagegen kein Gespräch führen.

In Northeim gibt es noch zwei weitere islamische Gemeinden. Eine sunnitische Gruppe, die dem Moscheeverband des 2008 gestorbenen äthiopisch-libanesischen Gelehrten Abdullah al-Harari nahesteht, nutzt das ehemalige Ditib-Gebäude im Schlachthausweg 5. Sie war bis 2010 im Göttinger Elmweg 1 ansässig. Die libanesisch-schiitische Al-Huga-Gemeinde hat ihren Sitz Am Schützenring 3. Sie ist 1995 in Einbeck gegründet worden und verfügte bis 2014 in der Industriestraße 2 in Nörten-Hardenberg über Räume.

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung