Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Auf den Spuren Georg Christoph Lichtenbergs

Der Lehrer des späteren Königs Auf den Spuren Georg Christoph Lichtenbergs

Einer der größten Göttinger Denker war einer der kleinsten: Georg Christoph Lichtenberg. Der nur 1,43 Meter große Universalgelehrte starb am 24. Februar – vor 217 Jahren. Rund 25 Gäste haben sich am Sonntag während einer Stadtführung im Dauerregen auf die Spuren des Wissenschaftlers in der Stadt begeben.

Voriger Artikel
Göttinger Kanzlei de Braý bietet Energiemanagement
Nächster Artikel
Auffahrt Göttingen am Dienstag gesperrt

Bronze von Georg Christoph Lichtenberg am Alten Rathaus.

Quelle: Heller

Göttingen. Wohl jeder Göttinger kennt die Bronzeskulptur Lichtenbergs, die auf dem Göttinger Marktplatz steht – in Originalgröße. „Der albanische Künstler, der die Skulptur angefertigt hat, hatte aber großen Respekt vor ihm“, erklärt Stadtführerin Margarete Hultsch. Denn die Figur hat einen deutlich kleineren Buckel, als Lichtenberg ihn hatte.

Lichtenberg und die frühe Geschichte der Universität sind untrennbar miteinander verbunden. Er selbst, eines von 17 Kindern einer hessischen Pastorenfamilie, kam nicht aus vermögenden Verhältnissen. Ein Stipendium bekam er erst im damals späten Alter von 21 Jahren, als zwei seiner Brüder bereits fertig studiert hatten. „Viele chinesische Gäste fragen mich ungläubig, ob eine Frau wirklich die 17 Kinder geboren hat“, erzählt Hultsch. Im Land der Ein-Kind-Politik sei das offenbar schwer zu glauben.

Lichtenberg jedenfalls wollte unbedingt in Göttingen studieren, Mathematik bei Abraham Gotthelf Kästner. Damals, so erläutert Hultsch, unterrichteten die Professoren noch zu Hause oder in Hinterzimmern von Kneipen. Das Auditorium maximum war noch nicht gebaut.

"Lichtenberg hat unglaublich viel geschrieben"

Ein zweites Denkmal für den kleinen Denker steht vor der alten Universitätsbibliothek, es zeigt ihn als Literaten und sei ebenfalls „geschönt“, so Hultsch. „Lichtenberg hat unglaublich viel geschrieben“, sagt sie. In der Bibliothek sei er sehr oft zu Gast gewesen. Im Viertel zwischen Gotmarstraße und Paulinerkirche finden sich viele Spuren von Lichtenberg. „Aber nicht an jedem Haus, in dem er einmal wohnte, hängt eine Gedenktafel“, erklärt die Stadtführerin. So auch an der Pauliner Straße 3.

Lichtenberg, so erfahren es die Zuhörer, war auch der erste, der eine Stadtbeschreibung Londons auf Deutsch verfasste. Er hatte eine enge Verbindung zu England, vor allem zu Georg III., der drei seiner Söhne zum Studium nach Göttingen in Lichtenbergs Obhut schickte. Einer von ihnen wurde später als Ernst-August, König von Hannover, bekannt.

Spektakuläre Vorlesungen

Am ehemaligen Wohnhaus an der Prinzenstraße, die nach diesen drei Studenten benannt ist, erinnert eine Gedenktafel ans sie. Gleich nebenan lebte und lehrte Lichtenberg rund 25 Jahre lang, bis er dort 1799 starb. Das Lichtenberghaus ist heute auch als Künstlerhaus bekannt.

Lichtenbergs Vorlesungen dort galten als spektakulär. „Er war der erste, der in Deutschland in Vorlesungen experimentiert hat“, so Hultsch. Von seinem Balkon aus ließ er beispielsweise Ballons aus Kälberblasen steigen und explodieren. Hultsch: „Diese Treppe gingen viele große Männer hinauf, darunter Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt“. Gauß war ein Schüler des großen Gelehrten. Als dieser starb, schrieb er, dass Göttingen mit ihm „seine Zier verloren“ habe.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016