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Die Klischees sind Quatsch

Fünf Studenten am Goethe-Institut über Deutsche und Göttingen Die Klischees sind Quatsch

Im Frühjahr 2018 will das Göttinger Goethe-Institut das neue Haus im Quartier „Alter Güterbahnhof“ beziehen. Der Umzug vom Ostviertel in die Güterbahnhofstraße hat längst begonnen. Erste Studenten haben bereits das neue Gästehaus dort bezogen. Ein Gespräch über Weihnachten, Deutschland und Göttingens Kneipen.

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Das Gästehaus im Bartholomäusbogen im Maschmühlenweg

Quelle: SPF

Göttingen. Ich habe gehört, Deutsche sind kalt und zurückhaltend", sagt Shruti Athavale. "Das ist doch totaler Quatsch." Die 20-jährige Inderin aus der Millionenstadt Pune lernt seit Dezember für vier Wochen am Göttinger Goethe-Institut die deutsche Sprachen und das Land kennen. Was der Psychologie-Studentin aber bei Deutschen fehlt, ist die Spontaneität. "Es muss immer einen Plan geben", pflichtet Ritwik Gajendragadkar (20) bei, ebenfalls aus Pune. Bislang sei ihr Aufenthalt in Deutschland aber perfekt gewesen, sagt Athavale. "Super toll", lobt auch die 18-jährige Mohinee Nijasure aus Mumbai.

Vor allem die Vorweihnachtszeit hat es den drei Indern angetan. "Weihnachten wird bei uns in Indien ja nicht so groß gefeiert", sagt Nijasure. "Im Institut war aber der Baum geschmückt und der Nikolaus war da", sagt Athavale. "Das mag ich. Und die Kälte."

Anders als seine Kommilitonen ist Wasuthon "Gap" Nusorn aus Thailand nicht zum ersten Mal in Deutschland. 2008 war er als Austauschschüler in Osterode, ein Auslandssemester in Schwäbisch Gmünd folgte. Für ihn sind die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Thailand das Wetter und das Essen. "Hier gibt es oft Brot", sagt er. Das sei nicht immer sein Fall. Aber Bratwurst oder Schweinshaxe mit Knödel liebe er. "Das deutsche Brot schmeckt ganz toll", sagt Athavale. Nicht so fad wie das in Indien.

Das Göttinger Goethe-Institut hat sich der 25-jährige Germanistikstudent Nusorn ausgesucht, weil er die Stadt von früheren Besuchen schon kannte. Der Syrer Suhail Makdesi (24) hat sich für Göttingen entschieden, weil sein Bruder in Paderborn arbeitet. "Göttingen ist nicht so weit entfernt", sagte er.

"Göttingen ist so ruhig. Die Ruhe liebe ich", sagt Nijasure. Ihr Mumbai sei doch sehr chaotisch. Dass Busse und Bahnen in Deutschland so zuverlässig seien, ist ungewohnt für alle fünf Goethe-Studenten. In Indien oder Thailand sei das nicht so.

Neben den intensiven Sprachkursen bleibt den Goethe-Studenten Zeit, Göttingen zu erkunden. "Das Gänseliesel ist so süß", sagt Athavale und lacht. Ausgiebig hätten sie die Kneipen-Szene getestet - zum Kneipen-Quiz in der Bierecke Quick, zur Karaoke im Irish Pub oder auf eine Altbier-Bowle im Trou. "Altbier-Bowle, das gefällt mir sehr", sagt Athavale. Einzig Kontakt zu deutschen Jugendlichen sei schwierig zu bekommen, sagt Gajendragadkar. "Die tun alle sehr geschäftig."

Der bisherige Standort des Goethe-Instituts an der Merkelstraße

Der bisherige Standort des Goethe-Instituts an der Merkelstraße

Quelle:

Neustart Goethe in Göttingen

"Neustart Goethe in Göttingen" nennt Ulrike Hofmann-Steinmetz das bereits vor zwei Jahren angeschobene Umzugsprojekt. Im Frühjahr 2018 soll der Deutschunterricht der Studenten aus allen Teilen der Welt in dem Neubau am Güterverkehrszentrum in der Nordstadt beginnen, skizziert die Leiterin des Göttinger Goethe-Instituts den Zeitplan. Inzwischen hat das Goethe-Institut ein Gästehaus im benachbarten Bartholomäusbogen im Maschmühlenweg bezogen. 111 Plätze in 106 Zimmern stehen dort den Goethe-Schülern seit September zur Verfügung. Zum Unterricht fahren sie weiterhin in das Fridtjof-Nansen-Haus an der Merkelstraße. Dieses will das Institut verlassen, weil die Räume in der Villa, die sich im Besitz der Stadt befindet, stark renovierungsbedürftig sind und nicht mehr zu einem modernen Bildungsinstitut passten, so Hofmann-Steinmetz.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hatte das Goethe-Institut und die  Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG), nachdem das Goethe-Institut im September 2015 von einem geplanten Kauf der ehemaligen Voigtschule an der Bürgerstraße Abstand genommen hatte, zusammengeführt. Die Pläne sehen nun vor, dass das Goethe-Institut als Mieter in einen Neubau im Quartier „Alter Güterbahnhof“ einzieht. 6,3 Millionen Euro soll der Neubau kosten, der auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes an der Straße Am Güterverkehrszentrum entstehen soll. Der Entwurf des Göttinger Büros „Arch Concept“ sieht ein vier bis fünfgeschossiges Gebäude mit, nach Haufes Angaben, rund 2500 Quadratmetern Fläche vor. Das Goethe-Institut soll rund die Hälfte der Flächen anmieten, die für Verwaltung und Unterrichtsräume genutzt werden sollen. mib

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