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Ekkehart Drost engagiert sich für die Menschenrechte der Palästinenser

Für den Frieden im Westjordanland Ekkehart Drost engagiert sich für die Menschenrechte der Palästinenser

Bevor er als Beobachter für eine Menschenrechtsorganisation ins Westjordanland ging, wurde Ekkehart Drost gefragt, ob er etwas befürchte. Er dachte in diesem Augenblick nicht an Terrorismus, sondern befürchtete etwas anderes: dass seine Sympathien für Israel Schaden nehmen könnten.

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Beim Besuch der Primary Boys School in Qalqilya: Ekkehart Drost wird von Schülern umlagert.

Quelle: EF

Göttingen. Nachdem er bei zwei Aufenthalten in dem Dorf Jayyous die Lage der Palästinenser im israelisch besetzten Westjordanland beobachtet hat, lautet die Bilanz des Göttingers: Seine Befürchtung hat sich bestätigt. Warum das so ist, hat er in zwei Büchern aufgeschrieben.

Dabei war der 69-Jährige ursprünglich ganz „auf der israelischen Schiene“, wie er im Gespräch sagt. Als Gymnasiallehrer an der Goetheschule in Einbeck hat er unter anderem Politik unterrichtet – und dabei immer wieder mit Schülern Projekttage zu Israel veranstaltet. Wie viele Menschen seiner Altersklasse sei er über eine sehr starke Sympathie für Israel zum Thema Palästina gekommen, berichtet Drost.

Er wird zunächst Mitglied im Freundeskreis des Friedensdorfes Neve Shalom, in dem Juden und Araber gemeinsam Leben. Bei einem Treffen des Freundeskreises hört Drost zum ersten Mal vom ökumenischen Friedensprogramm EAPPI des Weltkirchenrates. Das Projekt, bei dem Freiwillige die Palästinenser im Westjordanland und israelische Friedensgruppe begleiten, fasziniert ihn.

Ernüchternde Bilanz

Obwohl selbst nicht kirchlich gebunden, bewirbt er sich als Freiwilliger. Im Herbst 2011 geht er erstmals für drei Monate nach Jayyous, im Frühjahr dieses Jahres folgt ein zweiter Aufenthalt, dazwischen besucht er dort 14 Tage lang auf eigene Faust Freunde.

Die Bilanz, die Drost in seinen Büchern zieht ist für ihn ernüchternd. Er berichtet von einem „geschundenen Land“, einer „oft brutalen Besatzung“, von nächtlichen Festnahmen von Kindern und Jugendlichen durch die israelische Armee, Schikanen von israelischen Behörden, von Misshandlungen von verhafteten Palästinensern und von Gewalt durch isrealische Siedler.

Er beruft sich auf eigene Beobachtungen, lässt Palästinenser und Friedensaktivisten zu Wort kommen. Dafür, dass jugendliche Palästinenser aus Wut und Frust Steine werfen, äußert Drost ein gewisses Verständnis.

Einseitig zugunsten der Menschenrechte

Selbstmordattentate oder Raketenabschüsse auf israelisches Gebiet werden dagegen nur am Rande erwähnt. Israels Sicherheitsbedürfnis wird als übersteigert angesehen. Der teils deutliche Antisemitismus, dem Drost unter den Palästinensern begegnet ist, kommt in den Büchern nicht vor. Dieser Antisemitismus ist laut Drost nicht religiös, sondern politisch motiviert.

Drost nimmt in seinem Buch eindeutig Stellung, auch sprachlich. Er spricht von einem „oft mafiösen Verfahren“ der Israelis bei der Vergabe von Arbeitserlaubnissen. Er nennt die Beschlagnahmung eines Hauses durch die israelische Armee „eine widerrechtliche, willkürliche und allen menschlichen Gepflogenheiten Hohn sprechende Maßnahme“.

Er schreibt, palästinensische Jugendliche würden in der Haft bisweilen „schlimmer als Tiere“ behandelt. Einwände der Einseitigkeit, die ihm wie auch anderen Friedensorganisationen entgegenschlagen, kontert Drost in seinem Buch mit einem Verweis auf einen Text von Rupert Neudeck. „Ja was sonst?“, antwortet der auf die Frage. Er sei einseitig zugunsten der Menschenrechte.

„Hoffen auf das Wunder“

„Wir können die Besatzung nicht beenden“, sagt Drost zu seinem Dienst, „aber wir können den Menschen erzählen, wie es dort seit 40 Jahren Menschen geht.“ Das hat er in bislang rund 40 Vorträgen und auch in Gesprächen mit Politikern getan. Kritik an der israelischen Besatzungspolitik sei kein Antisemitismus, betont Drost. Es müsse im Interesse Israels sein, dass die Menschenrechte in den besetzten Gebieten gewahrt werden.

In seinem neuen Buch berichtet Drost nicht nur von seinen Erfahrungen im Westjordanland, er stellt auch zahlreiche Friedensaktivisten vor. Am Ende geht es ihm um das, was er programmatisch im Titel des Buches formuliert hat: „Hoffen auf das Wunder“. Er hofft, dass eines Tages „die israelische Besatzung ein Ende nimmt und die Menschen in Palästina/Israel auf ein Leben in Würde hoffen können“.

Ekkehart Drost: Hoffen auf das Wunder. Meine Begegnungen mit Palästinensern, Israelis und Deutschen. Gabriele-Schäfer-Verlag, 239 Seiten, 21 Euro. Drost stellt das Buch am Mittwoch, 27. November, um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Hugendubel, Weender Straße 33, vor.

Es moderiert Pastor Martin Steinberg. Von Drost und Rudolf Hinz ist im gleichen Verlag erschienen: In Jayyous wachsen Bäume auch auf Felsen, 178 Seiten, 25 Euro.

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