Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Für die Verteidigung nicht zu gebrauchen

Wie der Göttinger Wall zur bepflanzten Promenade wurde Für die Verteidigung nicht zu gebrauchen

Von 1362 bis 1762 bauten die Göttinger an ihren Wallanlagen: Diese nutzten sie dann für alles Mögliche, nur nicht für die Verteidigung der Stadt, wie ein Rundgang auf der heutigen Promenade am Ostermontag gezeigt hat.

Voriger Artikel
Veilchen Ladies schaffen Sensation
Nächster Artikel
Stadt will Baugebiet in Dransfeld verhindern

Interessierte Besucher im Bismarckturm.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. 1362 entschlossen sich Stadtführerin Margarete Hultschig zufolge die Göttinger, ihren Stadtwall auf die strategisch wichtigen Mühlen entlang des Leine Kanals auszudehnen. 400 Jahre später waren die Arbeiten abgeschlossen, doch außer dem Schutz vor Räubern und Banden boten sie der Stadt wenig Sicherheit: „Wenn wir belagert werden, dann geht sehr viel mehr kaputt, als wenn wir die Tore offen lassen“, sei die Devise der Stadtherren in den großen Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts gewesen, schildert Hultschig.

Es war die Universität, die die Mauern der Stadt im 18. Jahrhunderte endgültig sprengte - sprichwörtlich, denn weil „Studenten beim Spazierengehen gute Ideen haben“, sei die Wallanlage 1765 bepflanzt und zur Promenade ausgebaut worden, erzählt Hultschig. Die 20 Halbschalentürme entlang des Walls wurden abgerissen oder dienten fortan als Standorte des ersten Göttinger Observatoriums und der ersten Anatomie der Universität. Dass der Wall damals noch eine symbolische Bedeutung hatte, musste ausgerechnet der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck erfahren. Weil er sich während seiner hiesigen Studienzeit „nicht immer so gebührlich verhalten hat, wie es sich für einen damaligen Studenten gehörte“, wie Hultschig es nennt, verbannte ihn die Universität außerhalb der Stadtmauern. Er bewohnte das heutige Bismarckhäuschen, das letzte verbliebene Wallhäuschen. Die Innenstadt durfte er nur noch zu Studienzwecken betreten, auch wenn er nachts gelegentlich durch den Leinekanal zu den Gaststätten geschwommen sein soll.

Der Astronom und Mathematiker Carl Friedrich Gauß war Anfang des 19. Jahrhunderts einer der ersten Göttinger, die freiwillig außerhalb der Mauern wohnten: Er habe die Nähe zu seiner Sternwarte gesucht und auf die üblichen bürgerlichen Dünkel wenig gegeben, sagt Hultschig. Wenig später folgten auch andere Bürger dem Beispiel, die Stadt wuchs über ihre Wall-Grenzen hinaus. Zu militärischen Zwecken reaktivierten die Göttinger ihre Befestigung nur einmal: Im Zweiten Weltkrieg wurden unter der Wall- anlage Luftschutzbunker errichtet. hö

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Das Tanz-Team des TSC-Schwarz-Gold Göttingen